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Lesedauer: 3 Minuten
Filme & Co. im März
Zwei von einem
von Edda Bauer

Diesseits der Stummfilmzeit gibt es nicht viele Regisseure, die behaupten könnten, dass zwei ihrer Filme im gleichen Jahr auf die Leinwand kamen. Geschweigen denn im gleichen Monat. Der US-amerikanische Regisseur Richard Linklater jongliert gerne mehrere Filmprojekte gleichzeitig, weswegen 2025 in Wettbewerb der Berliner Filmfestspiele sein Kammerspiel „Blue Moon“ mit Ethan Hawke zu sehen war und kurz darauf im Wettbewerb des Filmfestivals in Cannes mit „Nouvelle Vague“ seine Hommage an das französische Filmschaffen. In umgekehrter Reihenfolge hübschen beide Filme nun den deutschen Kino-März auf. Schrilles in der deutschen Provinz erlebt der Rapper Fatoni alias Pizzabäcker Toni in den neun Episoden der Serie „Kacken an der Havel“ auf Netflix.

Kino 1
Nouvelle Vague

© Plaion Pictures „Der beste Weg, einen Film zu kritisieren, ist, selbst einen zu machen.“ 1960 schreibt Jean-Luc Godard noch Kritiken, aber das Drehbuch zu seinem Spielfilmdebüt hat er schon in der Schublade. Seine Redaktionskollegen Claude Chabrol („Die Enttäuschten“, 1958) und François Truffaut („Sie küssten und sie schlugen ihn“, 1959) haben es sich schon auf dem Regiestuhl gemütlich gemacht. Nun ist die Reihe an ihm. „Nouvelle Vague“ ist Richard Linklaters stilsichere Hommage an den Größenwahn und die Vision, mit der Godard innerhalb von 18 Tagen die legendäre Gangsterromanze „Außer Atem“ inszeniert.

Richard Linklater

1960 in Houston, Texas geboren, gilt Richard Linklater als die Wundertüte unter den derzeitigen Regisseuren. Er ist in jedem Genre zu Hause (Komödie „A Killer Romance“, Tragödie „Last Flag Flying“) und in jeder Darreichungsform (Animation „A Scanner Darkly“, TV-Serie „God Save Texas“, Doku „Fast Food Nation“). Er hat einen Hang zu Langzeitstudien („Before“- Trilogie von 1995-2013, 12 Jahre Drehzeit für „Boyhood“) und Ethan Hawke. Für letzteren ist mangels Französischkenntnissen kein Platz in „Nouvelle Vague“. Zum Trost besetzt ihn Linklater mit der Hauptrolle in „Blue Moon“.

Filmgenre: Komödie, Filmgeschichte
Länge: 106 Minuten
Regie: Richard Linklater
Mit: Zoey Deutch, Guillaume Marbeck, Aubry Dullin, Adrian Rouyard, Antoine Besson
Altersfreigabe: ab 12
Verleih: Plaion Picture
Start: 12.3.2026

Kino 2
Blue Moon

© Sony Pictures Germany Am Abend des 31. März 1943 weiß Texter Lorenz Hart (Ethan Hawke), dass seine Karriere zu Ende ist. Heimlich hat er sich aus der Uraufführung des Musicals „Oklahoma!“ gestohlen - dem in Noten gegossenen Beweis, dass sein komponierender Kompagnon Richard Rodgers mit dem Librettisten Oscar Hammerstein kreativ fremdgegangen ist. Erfolgreich obendrein! Nun steht Hart an der Theke des Sardi`s und klagt dem Barkeeper sein Leid – im Herzen ein bisschen „You leave me standing alone“ aus seinem Song „Blue Moon“ und auf der Zunge seinen legendär Bourbon-getränkten Zynismus.

Ethan Hawke

So wie Linklater ist auch Schauspieler Ethan Hawke Texaner, geboren allerdings in Austin und 1970. Bei ihrer ersten Zusammenarbeit, „Before Sunrise“ 1995, ahnen sie noch nicht, dass diese Kurz-Romanze zwischen ihm und Julie Delpy eine Langzeitstudie wird, mit Fortsetzungen 2005 („Before Sunset“) und 2013 („Before Midnight“). Ebenso kann man Hawke beim 12jährigen Dreh von „Boyhood“ (2014) in Echtzeit beim älter werden zuschauen. In „Blue Moon“ holt Linklater nun eine weitere hochgradig preiswürdige Performance aus Ethan Hawke heraus.

Filmgenre: Tragikomödie
Länge: 100 Minuten
Regie: Richard Linklater
Mit: Ethan Hawke, Margaret Qualey, Bobby Cannavale, Andrew Scott
Altersfreigabe: ab 6
Verleih: Sony Pictures Germany
Start: 26.3.2026

DVD
Kacken an der Havel

© Netflix Nicht, dass Pizzabäcker kein ehrenhafter Beruf wäre. Aber dafür ist Toni nicht vor 18 Jahren nach Berlin ausgewandert – aus dem beschaulichen Kacken an der Havel. Nun kehrt er zurück, eben nicht als gefeierter Rapper, sondern als frisch verwaister Sohn eines Ortes, der sich während seiner Abwesenheit schwer verändert hat. Die schrille Ode an die vermeintlich öde Provinz geht auf das Konto von Dimitrij Schaad („Die Känguru Chroniken“) und seinem Bruder Alex (Regie 2022 „Aus meiner Haut“). Für die Hauptrolle konnten sie mit Fatoni (bürgerlich Anton Schnieder) einen waschechten Rapper gewinnen und für viele andere Rollen seriöse Schauspieler mit bisher makellosem Lebenslauf.

Genre: Komödie
Länge: 9 Episoden
Entwickler: Dimitrij Schaad, Alex Schaad
Mit: Anton Schneider, Dimitrij Schaad, Yella Haase, Sky Arndt, Jördis Triebel
Altersfreigabe: o. A.
Streaming: Netflix
Ab: 26.2.2026

Game
The Berlin Apartment

© btf Eine Altbauwohnung in Berlin ist nicht nur teuer, sondern meistens auch ihre eigene Geschichtsstunde. Und das sogar gratis. Das weiß jeder, der schon einmal so eine Wohnung renoviert hat, und dabei auf Spuren der Vergangenheit stieß.

Für alle, die nicht die Gelegenheit haben, das live zu tun, hat die Gameschmiede btf in Köln-Ehrenfeld mit „The Berlin Apartment“ eine digitale Schatzsuche entwickelt, die von nostalgisch bis anarchisch reicht und zwischendurch immer wieder auch einen Blick durch das Fenster über die Mauer wirft.

Art: Point and Click, Abenteuer
Entwickler: btf
Für: Windows 10
Adresse: store.steampowered.com/app/2280430/The_Berlin_Apartment/

Rubriken:
ServiceREWE Group
Schlagwörter:
Unterhaltung
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