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ArticleId: 3241magazineGelungene Vereinbarkeit kostet wenig Geld, aber braucht eine weitsichtige Planung. Warum es sich lohnt, mit „berufundfamilie“ auf den eigenen Nachwuchs zu setzen und warum eine Karriere auch ohne Ortswechsel möglich ist, erläutert Thomas Helbig, Vertriebsleiter REWE Ost. Außerdem: Ein Gespräch mit Cindy Uccello und Tanja Weber über Vereinbarkeit im Markt.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/c/2/csm_standard_teaser_ed0d711c1f.jpg„Null Prozent Fluktuation“Vereinbarkeit in REWE-Märkten
Lesedauer: 7 Minuten
Vereinbarkeit in den REWE-Märkten
„Null Prozent Fluktuation“
von Bettina Rees

Gelungene Vereinbarkeit kostet wenig Geld, aber braucht eine weitsichtige Planung. Warum es sich lohnt, mit „berufundfamilie“ auf den eigenen Nachwuchs zu setzen und warum eine Karriere auch ohne Ortswechsel möglich ist, erläutert Thomas Helbig, Vertriebsleiter REWE Ost.

Thomas Helbig

one: Herr Helbig, warum ist REWE, und somit auch die REWE Region Ost, so engagiert beim Thema „Beruf und Familie“?

Thomas Helbig: „Beruf und Familie“, kurz buf, hat eine Vorgeschichte, die man kennen sollte: In den 1990er und in den Nuller Jahren gab es nicht nur bei uns ein Überangebot an Arbeitskräften. Der Arbeitsmarkt war voll. Neue Mitarbeiter bringen frischen Wind, war damals die Devise. 

Das veränderte sich ab den 2010er Jahren. Die Arbeitskräfte wurden knapp, vor allem im Servicebereich. Wir überlegten, was zu tun sei und schnell war uns klar: ‚Wir müssen als Arbeitgeber attraktiver werden`. Und zwar am besten und glaubwürdigsten durch unsere eigenen Mitarbeiter:innen als Botschafter :innen im Freundes- und Bekanntenkreis. Die Frage war nur: Behaupten wir einfach, dass wir gut sind? Oder gehen wir das Thema Arbeitgeberattraktivität langfristig und strukturiert an? Mit einem Konzept, mit Angeboten, mit Regeln. Und da kam dann die Zertifizierung zum Audit „berufundfamilie“ ins Spiel. Wobei wir den Begriff Familie weiter fassen. Unsere Beschäftigten leben ja heute in verschiedenen Lebensmodellen, für die wir uns unvoreingenommen öffnen. Wenn unsere Mitarbeiter:innen nahestehende Menschen wie Lebens- und Ehepartner:innen, Kinder und Enkel, Geschwister, Eltern und Großeltern unterstützen wollen, dann stehen wir Ihnen mit unseren Angeboten zur Seite. Denn wie attraktiv wir als Arbeitgeber wirklich sind, hängt entscheidend davon ab, dass wir die Bedürfnisse aller im Blick haben.

one: Wo konnte REWE seine Attraktivität deutlich steigern? Und wie teuer ist es, attraktiv zu sein?

Thomas Helbig: Da ist einmal die Vereinbarkeit im Tagesgeschäft: Ganz oben auf der Liste standen die Arbeitszeiten. Wer erst einen Tag vorher erfährt, dass er am nächsten Tag Frühschicht hat, kann sein Privatleben nicht gut planen. Die Frage war: Was können wir ändern, ohne natürlich ein Wunschkonzert zu eröffnen. Die Lösung: Es gibt nun Einsatzpläne die mindestens 14 Tage vorher aushängen und so Planungssicherheit geben. Eine einfache Sache, deren Veränderung nicht einmal Mehrkosten verursacht. Für besondere Situationen im Leben, ob kurzfristige Kinderbetreuung oder ein plötzlicher Pflegefall in der Familie, haben wir ein strukturiertes Angebot, das sofort greift. Auch hier sind die Kosten überschaubar. 

„ Ich stelle zunehmend fest: Die Bereitschaft, der Karriere wegen woanders hinzugehen, sinkt. “
Thomas Helbig
Vertriebsleiter REWE Ost

one: Das klingt einleuchtend und sehr einfach… Keine Herausforderungen? 

Thomas Helbig: Die Herausforderung liegt bei den Führungskräften. Wie schaffen wir es, diese Kultur in Vertrieb, Verwaltung und Logistik zu verankern und sie vorzuleben? Die Durchdringung bis ins Marktleben hinein, die Kommunikation funktioniert noch nicht überall. Es gibt zum Beispiel genug Materialien auf unterschiedlichen Kanälen, aber es liegt an der Führungskraft, diese auch weiterzugeben. Es ist ein Prozess und wir arbeiten dran. Und es gibt mittlerweile sehr viele engagierte Marktverantwortliche und Kaufleute.

one: Sie gehören zu den Führungskräften, die sich stark machen für das Thema Vereinbarkeit. Warum?

Thomas Helbig:
Ich möchte eingefahrene Mechanismen aufbrechen und das Thema vorleben. Alles organisieren, was geht. Zum Beispiel Führen in Teilzeit. Das Angebot ist da, auch wenn es sehr selten genutzt wird. 

Von meinen Führungskräften verlange ich, dass sie ihre Möglichkeiten nutzen, zu fordern und zu fördern. Denn mit der Förderung unseres eigenen Nachwuchses haben wir bei REWE deutlich bessere Erfahrungen gemacht als mit mancher externen Einstellung. In diesem Zusammenhang sind die KNP-Gespräche zur Karriere- und Nachfolgeplanung sehr wichtig. 

one: Wo ist denn der Zusammenhang zwischen KNP und buf?

Thomas Helbig: Bei diesen Entwicklungsgesprächen geht es ja nicht nur um die berufliche Perspektive, sondern auch um die persönliche Lebenssituation. Das können und wollen wir nicht mehr trennen. Wenn in diesen Gesprächen mit zum Beispiel jungen Vertriebsleiter:innen die Frage nach der Mobilität aufkommt, stelle ich zunehmend fest: Die Bereitschaft, der Karriere wegen woanders hinzugehen, sinkt. Vereinbarkeit mit dem Privatleben ist da nicht immer vereinbar mit beruflichem Pendeln. 

„Das Gehalt muss stimmen, keine Frage. Wertschätzung ist aber auch sehr wichtig.“
Thomas Helbig
Vertriebsleiter REWE Ost

one: Aber gibt, wer lieber daheimbleibt, nicht seine oder ihre Karrierepläne auf?

Thomas Helbig: Nicht unbedingt, ich muss jedoch sehr langfristig meine Führungspositionen im Blick haben. Um Stellen zu besetzen, bedarf es einer langen Planung, bei der wir eng mit unserem HR- Kompetenzcenter kooperieren. Wir müssen immer unsere „Alterspyramide“ im Blick haben, das heißt wir müssen heute die Azubis ausbilden, die dann die Stellen der Marktmanager:innen besetzen können, die in sechs bis acht Jahren in ihren wohl verdienten Ruhestand gehen. Diese Langfristigkeit erweist sich am Ende des Tages als gute Strategie, wir sehen es an den Zahlen. Null Prozent Fluktuation bei den Vertriebsleiter:innen und Gebietsmanager:innen Vertrieb. Auch bei den Marktverantwortlichen gibt es nur wenig Wechsel. Und das steht klar in Zusammenhang mit dem Thema Vereinbarkeit. Das Gehalt muss stimmen, keine Frage. Wertschätzung ist aber auch sehr wichtig und Wertschätzung heißt auch, möglich machen. 

one: Vereinbarkeit ist also nicht nur schön, sondern macht auch viel Arbeit?

Thomas Helbig: Nun, ein Vorzimmer voller Bewerber ist nicht einfacher, sondern aufwändiger. Doppelte Planungszeit bedeutet halbe Ausführungszeit, bedeutet am Ende weniger Aufwand, aber mehr Kontinuität. 

one: Herr Helbig, zum Schluss bitte Ihre Botschaft an diejenigen, die noch von Vereinbarkeit überzeugt werden müssen.

Thomas Helbig: Wenn Sie in motivierte und qualifizierte Mitarbeiter:innen investieren, macht das Ihr Leben sehr viel einfacher. Weniger Arbeit, mehr Spaß für alle und zufriedene Kundschaft. 

Thomas Helbig ist Geschäftsleiter Vertrieb der REWE Region Ost

„Man staunt, was alles gut funktioniert"

Thomas Helbig zu Vereinbarkeit in der Verwaltung der Region Ost: „Wir hatten uns schon 2019 mit mobilem Arbeiten in der Verwaltung auseinandergesetzt und versucht, für die Wünsche nach ein bis zwei Wochentagen Arbeiten von zu Hause Lösungen zu entwickeln. Dazu wurden Abteilungsnotebooks angeschafft. In Corona haben wir eigentlich nur aufgerüstet, sonst war nichts mehr groß zu tun. Zudem sind wir die flächengrößte REWE Region.

Um den Kolleg:innen mit langen Pendlerwegen Zeit zu ersparen, haben wir die dezentralen Logistikstandorte in Nossen und Erfurt mit Verwaltungs-Arbeitsplätzen ausgestattet. Man staunt, was alles gut funktioniert.“


Cindy Uccello und Tanja Weber
„Wir kriegen das immer hin”

Mitspracherecht bei den Dienstplänen, Gesundheitsvorsorge aufs Zeitkonto – und nach Corona endlich wieder ein Betriebsausflug: Ein REWE-Markt in der Eifel lebt Vereinbarkeit so überzeugend, dass die Azubis sich initiativ bewerben. Ein Gespräch mit Marktleiterin Cindy Uccello und ihrer Büroverantwortlichen Tanja Weber.

one: Frau Uccello, Frau Weber, welche Beruf-und-Familie-Maßnahme wird von Ihrem Team besonders gut angenommen?

Cindy Uccello

Cindy Uccello: Wichtig ist es für die Kolleg:innen eine gewisse Flexibilität im Dienstplan, dass sie bei Bedarf Dienste tauschen können. Zuerst versuchen sie es untereinander. Wenn das nicht möglich ist, kommen sie mit ihren Wünschen zu mir. Wir kriegen das immer hin. Seit ich Marktleiterin bin, gestalte ich die Pläne im 4-Wochen-Rhythmus. Alle haben ein Mitspracherecht und können ihre Wünsche und Termine vorab einreichen. Ich versuche, es möglich zu machen, denn ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig eine langfristige Planung ist. 

Tanja Weber

Tanja Weber: Aber wir sind immer auch flexibel. Wenn eine Mitarbeiterin ihr krankes Kind aus der Kita oder der Schule abholen muss, machen wir das sofort möglich.

Cindy Uccello: Bei uns arbeiten aber nicht nur Eltern kleiner Kinder. Unser Team ist gut gemischt, vom Schülerjobber bis zur Rentnerin sind alle mit Spaß dabei. Die meisten festen sind zwischen Mitte 20 und Anfang 50, einige Kolleginnen über 60, unsere Azubis meist um die 20. Im August fangen bei uns übrigens drei neue Azubis an. Wir liegen ja ein wenig ländlich und haben wenig Probleme, Nachwuchs zu finden. Hier kommt uns sicher auch unser mitarbeiterfreundliches Klima zugute, denn die meisten Azubis bewerben sich durch Mund zu Mund-Propaganda in Eigeninitiative bei uns.

Tanja Weber: Ja, wir gelten als guter Arbeitgeber und die ganzen Möglichkeiten, die REWE bietet, sprechen die Leute auch an: Weiterbildungsangebote, faire Bezahlung und unsere „Extras“, wie Angebote zur Gesundheitsvorsorge und eine ergonomische Beratung durch das Fachpersonal des B.A.D. Dieses wird von unseren Mitarbeiter:innen gerne angenommen.

Cindy Uccello: Auch andere gesundheitliche Vorsorgeangebote wurden gut angenommen, da ging es zum Beispiel um Tipps zur Kräftigung der Muskulatur oder Hautschutz in Feuchtbereichen wie den Servicetheken. Diese freiwilligen Angebote schreiben wir dem Zeitkonto gut. Das war natürlich alles vor Corona, genauso wie unsere Kooperationen mit der Krankenkasse, da hatten wir Faszientraining angeboten. Aber ich hoffe, das kommt alles wieder. Genauso wie unsere jährlichen Betriebsausflüge.

one: Welche Auswirkungen haben Dienstpläne, Gesundheitsangebote oder gemeinsame Ausflüge auf Ihr Team?

Tanja Weber: Wenn man Beruf und Familie unter einen Hut bekommt und zu Hause alles in Ordnung ist, sind die Mitarbeiter:innen zufriedener und sehr motiviert bei ihrer Arbeit, und sie wechseln seltener den Arbeitsplatz.

Cindy Uccello: Wir haben selten Konflikte bei uns, manchmal kleinere Reibereien. für die meisten Dinge lassen sich Kompromisse finden. Wenn ich merke, mit jemandem stimmt etwas nicht, biete ich an, mit mir darüber zu sprechen. Manchmal hilft ein Rat, manchmal reicht ein offenes Ohr und das Gefühl, es sich einfach mal von der Seele zu reden.

Cindy Uccello, seit 20 Jahren bei REWE Spodat in Stadtkyll (Eifel), seit 2016 in der Funktion als Marktleiterin. Sie ist für ihre 60 Mitarbeiter:innen die „Ansprechpartnerin Nummer eins“.

Tanja Weber, seit 2003 dabei, ist für die Verwaltung, Buchhaltung und Personalwesen des Marktes verantwortlich. Zu ihr kommen die Kolleg:innen „oft bei privaten Anliegen, für die sie Stunden reduzieren müssen, oder einfach bei Papierkrams.“

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