
Sibylle von Bassewitz und Claudia Blum arbeiten beide in unterschiedlichen Bereichen der Touristik-Sparte unseres Unternehmens. Beide Führungskräfte haben ihre Arbeitszeit reduziert – aus ganz unterschiedlichen Gründen.
Sibylle von Bassewitz
Sibylle von Bassewitz, Director Content Management bei der DERTOUR Deutschland GmbH, reduzierte ihre Arbeitszeit, um ihre pflegebedürftigen Eltern unterstützen zu können. Der zusätzliche Freiraum verhilft ihr zu mehr Zufriedenheit im Job.
„Die Pflegebedürftigkeit meiner Eltern hat mich dazu bewogen, meine Arbeitszeit zu reduzieren. In akuten Phasen hatte ich für eine kurze Zeit auf 50 bis 70 Prozent reduziert, seit gut zwei Jahren liegt der Arbeitsanteil bei 80 Prozent. Ich verbringe den Freitag bei meinen Eltern in einer Pflegeeinrichtung im Sauerland und unterstütze dort auch bei der tatsächlichen Pflege.
Es wäre früher für mich undenkbar gewesen, als Führungskraft in Teilzeit zu arbeiten, aber die Prioritäten haben sich verschoben und die Zeit mit meinen betagten Eltern gibt mir sehr viel. Auch die Abwechslung zur Schreibtischarbeit empfinde ich als sehr positiv.
Herausforderung ist, dass sich der Aufgabenbereich grundsätzlich nicht geändert hat, ab und zu ist es notwendig, abends oder am Wochenende Dinge aufzuholen. Mein „Freitag in der Pflege“ ist so eine andere Welt, dass es mir am Montag manchmal nicht so leichtfällt, wieder in die Arbeitsthemen reinzukommen. Unterm Strich aber gelingt Priorisierung, Delegieren und Loslassen oder auch Weglassen viel besser als zuvor, da die Arbeitszeit konzentrierter ist.
Mein Team, also vor allem meine vier Head Ofs (Teamleiter:innen) sind extrem verständnisvoll und haben mir die Umstellung auf die 4-Tage-Woche sehr leicht gemacht. Ich glaube, dass es für sie in Teilen ein positiver Effekt war, da ich ihnen mehr zutraue und selbst loslasse.
Mein Chef stärkt mir jederzeit den Rücken und baut keinen Druck auf, sollte es mal zeitliche Verzögerungen geben. Ich erlebe viele positive Reaktionen auf meine Arbeitszeitreduzierung, vor allem, wenn ich die Gründe erläutere.
Die Schwerpunkte im Leben ein wenig zu verlagern und die Arbeitszeit zu reduzieren, hilft dabei, im Job auch mal loszulassen und besser zu priorisieren. Ein starkes Team ermöglicht es, Themen abzugeben und für sich Freiraum zu schaffen. Dieser Freiraum wiederum führt zu höherer Zufriedenheit und schafft einen neuen Blick auf den eigenen Job.“
Claudia Blum Bild © Dirk Haller
Claudia Blum, Leiterin der DER Touristik Partner-Unternehmen, DER Deutsches Reisebüro GmbH & Co. OHG Franchise, ist nach einer langen Krankheit in Teilzeit zurückgekehrt.
„Nach einer sehr schweren Erkrankung, die mit einer Krankschreibung über einen langen Zeitraum von über einem Jahr verbunden war, hat mich mein Arbeitgeber wieder „zurückgeholt“. Das hat mich beeindruckt und berührt, zumal ich sehr lange aus meinem Job raus war. Zu diesem Zeitpunkt war ich der festen Überzeugung, nie wieder arbeiten zu können und schon gar nicht in meiner Führungsposition. Doch dann, als mein Vorgesetzter sehr vorsichtig und rücksichtsvoll auf mich zukam und mich fragte, ob ich mir vorstellen könne, wieder in meinen Job zurückzukehren, habe ich es mir dann doch vorstellen können.
Ich möchte ein ganz großes Lob für DERTOUR aussprechen, durch die ich die Möglichkeit bekam, schrittweise in meinen Job zurückzufinden. Mein Kollege, mit dem ich das Team leite, hat mich sehr gut begleitet. Schon während meiner Krankheitsphase haben sich sowohl mein Kollege als auch mein Vorgesetzter regelmäßig bei mir gemeldet und sich nach mir erkundigt, was mich sehr ermutigt hat.
Als ich zurückkam, wurde darauf geachtet, dass ich mich nicht überfordere. Diese Gefahr besteht, gerade wenn man einen hohen Anspruch an sich selbst hat. Hinzu kommt, dass die Kolleg:innen einen schon über lange Zeit kennen und verständlicherweise eine gewisse Erwartungshaltung haben.“
„Die Führungsetage hat mich nach meiner Krankheit in Teilzeit zurückgeholt und mir die Türen geöffnet. Ich habe nicht darum kämpfen müssen, ganz im Gegenteil. Das rechne ich ihnen hoch an.“
„Insgesamt habe ich mich sehr gut aufgehoben gefühlt und daraus die Überzeugung gewonnen, dass ich meine Erfahrungen teilen möchte. Meiner Meinung nach dürfen schwere Erkrankungen kein Tabuthema in der Arbeitswelt sein. Häufig haben schwere Erkrankungen lange und intensive Therapiezeiten zur Folge, durch die man körperlich und auch seelisch geschwächt bleibt, unter Umständen bis an sein Lebensende – daran ist nichts zu beschönigen. Den Umgang mit all dem – auch im Job – kann man lernen, das betrifft mich selbst und auch die Kolleg:innen. Offener Umgang damit kann für alle Seiten nur hilfreich sein.
Inzwischen arbeite ich zu 70 Prozent. Anfangs, im April 2019, als ich wieder angefangen habe, waren es 60 Prozent. Die Koordination klappt gut, mein Kollege und ich teilen uns in den Führungsaufgaben auf, das funktioniert. Da wir ein kleines Team mit sehr erfahrenen und selbständigen Kolleginnen sind, die zum Teil schon viele Jahre für unser Unternehmen arbeiten, ist der Ablauf sehr eingespielt und erprobt.“