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Stefanie Schmitt
ArticleId: 576magazineMit Erich Stockhausen steht erstmals ein selbstständiger REWE-Kaufmann an der Spitze des Aufsichtsrats der REWE Group. Auf einen Kaffee trafen wir den Vollblut-Händler im Erkrather „Stockies Bistro“ zum Gespräch über seine Anfänge im Einzelhandel und sein neues Amt.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/f/0/csm_Portraet_Erich_Stockhausen_mgt_standard_f063663206.jpg„Wir brauchen gute Mitarbeiter, gute Kaufleute und gute Manager“Erich Stockhausen im Gespräch
Erich Stockhausen vor seinem REWE-Markt in Erkrath/Foto: Achim Bachhausen
Auf einen Kaffee mit Erich Stockhausen
„Wir brauchen gute Mitarbeiter,
gute Kaufleute und gute Manager“
von Achim Bachhausen und Pierre de la Motte
Strategie
REWE Group
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Mit Erich Stockhausen steht erstmals ein selbstständiger REWE-Kaufmann an der Spitze des Aufsichtsrats der REWE Group. Auf einen Kaffee trafen wir den Vollblut-Händler im Erkrather „Stockies Bistro“ zum Gespräch über seine Anfänge im Einzelhandel und die Rolle, die seine Mutter dabei spielte, über seine neue Aufgabe als Aufsichtsratsvorsitzender und über die Zukunft der REWE Group.

Erich Stockhausen gilt als begeisterungsfähig und kommunikativ. Genau so erleben wir ihn. Noch bevor die Bedienung uns die erste Tasse Kaffee bringt, befinden wir uns schon in den frühen 80er Jahren: „Damals hab ich noch Landwirtschaft in Bonn studiert, das Studium aber nie abgeschlossen. Ich hab' zum Glück noch früh genug erkannt, dass ich ein guter Praktiker bin, aber nur zu einem mittelmäßigen Wissenschaftler tauge.“

Stattdessen packt er die Gelegenheit beim Schopf: Sein Onkel hatte ihn nach Mettmann eingeladen, um ihm einen Einblick ins Einzelhandelsgeschäft zu verschaffen. So zieht der Sohn eines Landwirts aus dem Siebengebirge gen Neandertal und startet 1983 eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann bei Spar.

Nach nur anderthalb Jahren wechselt er in ein Trainee-Programm zur Lebensmittel-Großhandlung Koch & Sohn nach Langenfeld. Dort lernt er den Sohn eines REWE-Außendienstmitarbeiters kennen: „Wir wohnten zufällig im gleichen Haus und haben immer zusammen Fußball geguckt – nicht gespielt“, betont Stockhausen schmunzelnd. Der erzählt ihm von seinem Vater. Er suche immer nach Leuten, die sich mit REWE selbstständig machen wollen.

Teamplayer Stockhausen mit Mitarbeiterin/Foto: Achim Bachhausen
Ein Mann, viele Ämter

Langweilig wird es Erich Stockhausen also nicht: „Und es gibt in der Tat auch noch andere Dinge, die mich interessieren. So drehe ich gern mal eine Runde mit dem Rad um den Unterbacher See. Außerdem habe ich mir ein Bötchen gemietet – ich bin aber noch nie damit gefahren. Mal sehen, ob das nochmal was wird. Zudem versuche ich immer redlich, mich noch mehr um meine Familie zu kümmern.“
Den Weg in die Gremien findet Stockhausen im Jahr 1992, als er in den Aufsichtsrat der REWE West eG gewählt wird. 2004 übernimmt er den Vorsitz des Aufsichtsrats.
„Inzwischen bin ich in den Vorstand der REWE West weggelobt worden“, scherzt Stockhausen. „Außerdem bin ich Mitglied in unseren SAS-Kreisen,  Themen-Kaufmann für Logistik in der Region West sowie in Verbindung mit dem Aufsichtsratsmandat der REWE Group Mitglied in verschiedenen Ausschüssen und Beiräten. Zudem bin ich im Präsidium des Bundesverbandes des Lebensmittelhandels aktiv."

one: Seit Juni 2015 sind Sie nun als erster selbstständiger REWE-Kaufmann Vorsitzender des Aufsichtsrats der REWE Group. Haben Sie einen anderen Blick auf das Unternehmen als Ihre Vorgänger?
Erich Stockhausen: Meine Losung lautet: Die Basis muss das Anforderungsprofil an die Organisation schreiben. Das heißt, der Impuls geht vom Kunden in den Markt und vom Markt in die Organisation und nicht umgekehrt. Die Drogeriemarkt-Kette DM setzt das vorbildlich um: Hier steht der Marktleiter im Fokus. Der Bezirksleiter und die Zentrale sind Dienstleister für die Märkte. Schlecker funktionierte umgekehrt: Die Markleiter durften nichts, bekamen Ware auf die Fläche gestellt, die sich schließlich nicht verkaufen ließ. Das Resultat kennen wir alle.
Die REWE Group besteht aber nicht nur aus dem Lebensmittelhandel. Wir betreiben Baumärkte, sind in der Touristik und international aktiv – da sollte man als Kaufmann nicht so anmaßend sein und glauben, Spezialist für alles zu sein.

one: Wie sehen Sie Ihre Rolle als Aufsichtsratsvorsitzender?
Erich Stockhausen: Der Aufsichtsrat der REWE Group ist keine One-Man-Show. Wir sind im Team unterwegs. Jedes Aufsichtsratsmitglied kümmert sich um einen ihm zugeordneten Themenbereich.  Als Aufsichtsratsmitglieder müssen wir uns also kundig machen. Wir brauchen Expertenwissen.

Dieses Expertenwissen erarbeiten wir uns auf verschiedenen Wegen. Der enge Austausch mit den operativ Verantwortlichen aber auch mit externen Spezialisten gehört selbstverständlich dazu. So sind wir in der Lage, Themen von Anfang an gemeinsam zu diskutieren und schließlich wohl überlegt zu entscheiden.
Ich sehe meine Rolle mehr als Organisator eines Teams. Den Lehrmeister mit dem Stock braucht hier niemand. Es geht um das Zusammenführen der Ergebnisse von Diskussionen und darum, zielführenden Konsens im Sinne der REWE Group zu finden. In meiner jahrelangen Gremienarbeit habe ich immer versucht, möglichst keine Verlierer zu produzieren. Man weidet sich nicht am eigenen Erfolg und tritt nicht nach. Ansonsten wird die Konsensfindung schwierig.

one: Wie haben Sie sich auf das Amt vorbereitet?
Erich Stockhausen: Im Prinzip habe ich mich 26 Jahre auf das Amt vorbereitet. Allerdings war das ja eher eine zufällige Entwicklung. Wenn Sie mir vor zehn Jahren gesagt hätten, 2015 wirst du Aufsichtsratsvorsitzender sein, hätte ich Sie wahrscheinlich für verrückt erklärt. Wichtig ist: Man muss in der Lage sein zu kommunizieren. Und man darf nicht beratungsresistent sein. Den Superspezialisten kenne ich auch nicht. Aber ich kenne genug Leute, die mir helfen können und denen ich die richtigen Fragen stellen kann. Ich verteidige Entscheidungen, indem ich sie mit Fakten und guten Argumenten untermauere.

Erich Stockhausen im Gespräch mit Pierre de la Motte/Foto: Achim Bachhausen

one: Rücken die Kaufleute jetzt stärker in den Fokus und stimmt für Sie der „Sortimentsmix“ der REWE Group nach wie vor?
Erich Stockhausen: Eins ist klar, wir brauchen gute Mitarbeiter, gute Kaufleute und gute Manager. Nur dann sind wir erfolgreich. Wir müssen die REWE Group als Ganzes sehen und unser „Pflänzchen“ hegen, pflegen und weiterentwickeln. Da wo wir gute und qualifizierte Kaufleute haben, unterstützen wir sie bei der Suche nach einem Markt. Da, wo sich die Gelegenheit ergibt, erweitern wir unser Filialnetz. Welche Betreiberform die beste ist, entscheiden wir von Standort zu Standort. Wir kommen bei der Restrukturierung von Penny vor allem dank des großartigen Engagements der Mitarbeiter erfolgreich voran - denn kein Penny ist keine Option! Wir entwickeln den Baumarkt und unsere internationalen Aktivitäten stetig weiter; das gilt auch für die Touristik, wie ganz aktuell mit dem Zukauf von Kuoni. Und mit REWE Digital treiben wir die Digitalisierung unseres Konzerns voran. All diese Aktivitäten zahlen auf unsere Attraktivität als Unternehmen und Arbeitgeber ein und erhöhen so unsere Chancen, gute Leute zu finden. Um im Bild zu bleiben: Bei uns hat jede Blüte ihren Platz. Für mich stimmt unser Sortimentsmix nach wie vor und jeder Geschäftsbereich ist erhaltenswert.

one: Sie sprachen gerade REWE Digital an. Würden Sie Lebensmittel online bestellen?
Erich Stockhausen: Meine persönliche Meinung ist hier nicht ausschlaggebend. Am Ende entscheidet der Kunde. Wir werden ihm nicht vorschreiben können, wie er einzukaufen hat. Wenn er online bestellen will, dann wird er das tun. Und er wird mit Sicherheit jemanden finden, der es ihm anbietet. Wenn wir es nicht sind, ist es ein anderer. Wir sind an dieser Stelle hoffentlich alle gemeinsam der Meinung: Besitzstandswahrung ist nicht zukunftsorientiert. Wir müssen das Thema Kannibalisierung abarbeiten und versuchen, über Omni-Channel eine Win-Win-Situation herzustellen. Dabei ist wichtig: Entweder, wir machen das ganz oder gar nicht. „Ein bisschen“ wird hier nicht zum Erfolg führen. Online kommt – kein Zweifel. Und deshalb ist ganz klar: Online gehört zur Strategie der REWE Group.

one: Das Stichwort „Zukunft“ bringt uns zum Thema Nachhaltigkeit. Wie stehen Sie dazu?
Erich Stockhausen: Nachhaltigkeit bedeutet für mich, verantwortlich zu handeln und zu denken. Ich habe große Sorge, wenn ich an die Zukunft denke, weil wir wirtschaftlich und in Bezug auf unsere Umwelt auf Kosten der nächsten Generationen leben.

Dass die REWE Group Nachhaltigkeit so aktiv lebt und vorantreibt, kann ich nur begrüßen und unterstützen. Ich selbst habe bereits vor zwei Jahren ein Kinder-Projekt mit Billa in Rumänien begonnen. Hier kümmern wir uns um Waisenkinder und sorgen dafür, dass sie bei Billa mit Lebensmitteln versorgt werden. Wir hatten gerade am Wochenende erst wieder ein Fußballturnier für Rumänien. Auch die Mitarbeiter machen mit. Meine Vision ist, ein Netzwerk aufzubauen, an dem sich auch andere Kaufleute beteiligen.

one: Gibt es etwas, das Sie schon immer einmal loswerden wollten?
Erich Stockhausen: Was ich besonders begrüße und wichtig finde ist, dass wir mit Alain Caparros einen Vorstandsvorsitzenden haben, der zusammen mit uns allen - den Mitarbeitern, Kaufleuten und Managern -  intensiv am Image unseres Berufsstandes und der REWE im Besonderen arbeitet und der sich nicht scheut, auch mal den unbequemen Weg zu gehen. Das finde ich vorbildlich.

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