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ArticleId: 1513magazineSuchtgefährdete oder suchtkranke Menschen sind Teil der Gesellschaft – und Teil der Belegschaft. Mit ihren betrieblichen Suchtbeauftragten bietet die REWE Group Betroffenen, Kollegen und Vorgesetzten Hilfe an.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/6/e/csm_GesundSerie_Sucht_mgt_st_437932b77c.jpgMittendrinSucht am Arbeitsplatz
Sucht am Arbeitsplatz
Mittendrin
von Bettina Rees
Beruf & Leben
REWE Group
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Suchtgefährdete oder suchtkranke Menschen sind immer auch Verwandte, Freunde, Kollegen, Mitarbeiter. Sie sind Teil der Gesellschaft und Teil der Belegschaft. Grund genug für die REWE Group, mit ihren betrieblichen Suchtbeauftragten den Betroffenen, aber Kollegen und Vorgesetzten ein Hilfsangebot zu machen. 

Sie ist mitten unter uns. Sie sitzt nicht mit schweren Plastiktüten an Bahnhofsvorplatz, sondern vielleicht im Büro gegenüber. Sie wartet nicht am helllichten Vormittag auf Glück und Geld am einarmigen Banditen der Spielhölle, sondern vielleicht an der Kasse nebenan auf den nächsten Kunden. Sucht sucht sich nicht die ausgefransten Ränder menschlichen Lebens. Sucht sitzt mittendrin. Auch mittendrin im Berufsleben. 

Suchtgefährdung und Abhängigkeiten verursachen große Probleme. Da sind die gesundheitlichen Folgen für die Betroffenen oder sozialen Konsequenzen für Kinder und Partner. Und sie kosten volkswirtschaftlich gesehen einfach sehr viel Geld. 14,7 Millionen Menschen rauchen, 1,8 Millionen Menschen sind alkoholabhängig und geschätzt 2,3 Millionen der verschwiegenen Sucht nach Medikamenten verfallen. Hinzu kommen je rund eine halbe Million Menschen, die ein gelinde gesagt problematisches Verhältnis zu illegalen Drogen oder Glücksspiel haben oder deren Internetkonsum als exzessiv beschrieben werden kann. 

Wer mit benebeltem Kopf arbeitet oder ganz ausfällt, weil er mit den Folgen vom Vorabend zu kämpfen hat, wer abgelenkt ist durch suchtverursachte Geldsorgen oder familiäre Probleme, erbringt nicht die Leistung, die er gerne möchte. Das wirkt sich unterm Strich auch auf die Zahlen des Arbeitgebers aus.

Suchtbeauftragte helfen
Doch: Wer von Sucht betroffen seine Arbeit schleifen lässt, ist weder Saboteur noch fauler Sack. Will weder den Chef ärgern noch sich auf dem Rücken der Kollegen ausruhen. Er (oder sie) ist einfach krank. Er (oder sie) braucht einfach Hilfe. 

Aus diesen Gründen bietet die REWE Group Betroffenen Unterstützung an. Denn mit rund 236.000 Mitarbeitern allein in Deutschland bildet sie eine Art Querschnitt durch die Bevölkerung in all ihren Facetten. 

Hilfe gibt es insbesondere durch die rund 30 betrieblichen Suchtbeauftragten. Dabei handelt es sich traditionell um Betriebsräte und vereinzelt um „Personaler“ aus allen Regionen und SGEn, die eine umfassende Ausbildung bei der DAK absolviert haben. Zu ihren Aufgaben gehören Prävention und Einzelfallhilfe, die Unterstützung von Führungskräften und vor allem der Beistand  für die Betroffenen. Wie sie arbeiten, was sie Führungskräften und Kollegen raten, lesen Sie hier. 


Inger-Marie Sandberg


Warum engagiert sich die REWE Group in punkto Sucht?

„In den letzten beiden Jahren stand für uns der Umgang mit ebenso individuellen wie existenziellen Themen im Fokus: Stress, Überwindung von Schicksalsschlägen und Sucht. Sucht wird in der Arbeitswelt immer mehr zum Thema und stellt ein wichtiges Handlungsfeld dar. Im besten Fall trägt Prävention durch unsere Suchtbeauftragten dazu bei, Sucht gar nicht erst entstehen zu lassen.“

Inger-Marie Sandberg, Gesundheitsmanagement der REWE Group

„Mit Weggucken helft Ihr den Kollegen nicht!“

Etwa jeder zehnte Deutsche trinkt so, dass es als gesundheitlich riskant eingestuft wird. Übertragen auf ein Unternehmen wie Toom Baumarkt bedeutet das, dass rund 1.500 Mitarbeiter zu oft und zu tief ins Glas schauen. Bei der Hälfte davon liegt – statistisch gesehen – eine Suchterkrankung vor. 

Das betrifft nicht nur die Mitarbeiter und ihre nächsten Angehörigen, sondern auch die Teamkollegen und vor allem die Führungskraft. Viele wissen nicht, wie können, sollen und vor allem müssen sie reagieren, wenn Mitarbeiter beispielsweise angetrunken ihre Arbeit verrichten, sie vernachlässigen oder sich und andere gefährden.
Unklar war vielen bislang auch, wie Toom Baumarkt überhaupt zum Thema Alkohol am Arbeitsplatz steht. Dieses Vakuum füllt nun die Broschüre für Führungskräfte „Suchtmittelproblem im betrieblichen Umfeld“.

Es zeigt Vorgesetzten klar auf, was im Umgang mit suchtgefährdeten oder erkrankten Mitarbeitern zu tun ist. Arbeitsrechtlich. Und zwischenmenschlich. 

Toom-Chef Detlef Riesche schrieb das Vorwort zu der Broschüre, die die betrieblichen Suchtbeauftragten von Toom Baumarkt geschrieben haben. Zwei von ihnen, die Betriebsrätin Claudia Kottke-Kynast und die Personalbeauftragte Renate Reichel, sprachen mit one über Idee und Inhalt. 

Renate Reichel

Renate Reichel: Wir wollten das Thema Sucht am Arbeitsplatz aus der Tabuzone rausholen. Bei mir als Personalbetreuerin riefen immer wieder Führungskräfte an mit der Bitte um Hilfe beim Umgang mit einem „auffälligen“ Mitarbeiter. Diese Anrufe nehmen jetzt nach Erscheinen der Broschüre sogar zu. Das ist gut, denn nur dann kann man etwas tun. Schweigen ist ja ein Zeichen, dass man nicht weiß, wie man mit einem suchtkranken Mitarbeiter umgehen soll und muss.

Claudia Kottke-Kynast: Seit wir die Broschüre haben, können die Führungskräfte nachlesen, welche Rechte und Pflichten sie haben. Denn wer beispielsweise gegen seine Fürsorgepflicht verstößt und einen angetrunken Mitarbeiter an den Gabelstapler lässt, macht sich strafbar. 

Renate Reichel: Die Broschüre definiert klar das gestufte Vorgehen bei suchtmittelbedingten Auffälligkeiten, vom Fürsorgegespräch bis zum Klärungsgespräch. Checklisten helfen Führungskräften, ihre Sinne zu schärfen und sich auf eventuelle Gespräche gut vorzubereiten. Für uns ist nämlich wichtig, dass sie gleich bei den ersten Auffälligkeiten mit dem Mitarbeiter sprechen und nach den Gründen für ein verändertes Verhalten fragen. 

Claudia Kottke-Kynast: Zudem sitzen wir gerade an einem Flyer für die Mitarbeiter. Hier geht es darum, zu sensibilisieren und die betrieblichen Suchtbeauftragten vorzustellen, um frühzeitig aktiv werden zu können. Denn es gibt Fälle, da duldet das berufliche Umfeld zehn, 15 Jahre lang einen suchtkranken Kollegen. Erst wenn die Leistung nachlässt, dann platzt vielleicht jemandem der Kragen. Weil dessen Arbeit immer an ihm hängen bleibt, weil sich Kunden beschweren... Aber ich sage immer: Mit Weggucken helft Ihr den Kollegen nicht! Bietet Eure Hilfe an oder gebt Tipps, wo man sich Unterstützung holen kann. 

Renate Reichel: Ja, es gibt schlimme Fälle, wo nie jemand hinguckt. Das wollen wir betrieblichen Suchtbeauftragten frühzeitig abfangen. Wir raten daher den Führungskräften immer: Geh mit offenen Augen und Ohren durch deinen Markt. Sei fürsorglich und konsequent zugleich. 

Claudia Kottke-Kynast

Claudia Kottke-Kynast: Wenn uns dann jemand informiert, rufen wir die Betroffenen an. Erst kommt vielleicht die Ausflucht, es handele sich nur Hustensaft für eine hartnäckige Erkältung. Aber dann kommt fast immer ein Rückruf. Dem folgt ein Treffen außerhalb des Marktes. Wir treffen uns nie im Markt. Und nur der Marktleiter muss von den Problemen wissen, denn Therapiestunden beispielsweise liegen ja oft innerhalb der Arbeitszeiten. Man muss wissen: Meine Aufgabe ist nicht, selbst zu therapieren, sondern Unterstützung zu vermitteln. 

Renate Reichel: Wir betrieblichen Suchtbeauftragten haben eine Lotsenfunktion für Führungskräfte und Betroffene. Wir können Hilfsmöglichkeiten aufzeigen, aber nicht durchführen. 

Claudia Kottke-Kynast: Die meisten Betroffenen reagieren positiv und dankbar, wenn wir sie ansprechen. Sie fühlen sich wertgeschätzt: Toom hilft mir bei meinen Problemen, ich bin meinem Arbeitgeber nicht egal. Denn alle Mitarbeiter mit einem Suchtproblem haben Angst davor, ihren Job zu verlieren, Job das heißt: Geld, Halt, Ansehen. Aber bislang hat noch jede Führungskraft signalisiert: Das kriegen wir hin. 

Renate Reichel: Denn man muss sich bewusst machen, dass hinter allen Süchten eine menschliche Not steckt. Strategien wie Alkohol oder Pillen schaffen das Problem nicht aus der Welt, im Gegenteil.  

Claudia Kottke-Kynast: Der schwerste Schritt ist daher zu sagen, ich komme alleine nicht weiter. Das tut ja auch weh, sich das eingestehen zu müssen. Und natürlich gibt es immer wieder Rückfälle. Das wissen wir, das sagen wir auch den Führungskräften, das führt nicht automatisch zum Jobverlust. Wichtig ist nur: Derjenige muss aufwachen und aktiv werden, wenn es heißt: `Letzte Chance!` Man muss loskommen wollen. 

Wie halten es die Deutschen mit Suchtmitteln wie Alkohol und Zigaretten? Ein paar Zahlen...
Peter Hildebrandt
„Ich kann sehen, wie es im Kopf arbeitet“

Peter Hildebrandt, Gesundheitsmanager und Suchtbeauftragter in der REWE-Region Südwest, über das von ihm initiierte Präventionsprojekt für Auszubildende 

one: „Voll im Leben - Kenn Dein Limit“, heißt das Projekt für Auszubildende in der Region Südwest zum Umgang mit Drogen, dass Sie erstmals 2013 durchgeführt haben. Kennen Jugendliche ihr „Limit“?
Peter Hildebrandt: Das Alter der Azubis liegt im Durchschnitt bei 17, 18 Jahren. Da ist es nur noch bei den wenigsten cool, sich am Wochenende sinnlos zu betrinken. Manche sagen sogar ganz „Nö“. ,Trinken find ich blöd`, das höre ich oft. Andere hingegen schrammen knapp am Suchtproblem entlang. Und eine Sucht kommt selten alleine, zum Beispiel gibt’s zum Bier oft die Zigarette... Rauchen ist leider bei jungen Menschen noch immer recht weit verbreitet, trotz der hohen Preise und der Rauchverbote überall. 

one: Ein Bierchen... 
Peter Hildebrandt:
 Es geht ja nicht nur um Alkohol, auch wenn unsere Suchtbeauftragten-Ausbildung da einen (zu) großen Schwerpunkt hat. Es wird gekifft und es werden andere, oft unbekannte Substanzen konsumiert. Da kann es schnell und schon beim erstmaligen Konsum gefährlich werden. Und es gibt die nicht-stofflichen Abhängigkeiten, wie Onlinespielsucht, Handysucht, Automaten, Internet... Gerade dabei fehlt den Jugendlichen oft die Einsicht, dass es sich hier um ein Suchtproblem handelt oder zu einem werden könnte.

Ganz generell: Abhängigkeitserkrankungen führen in den meisten Fällen zu Problemen am Ausbildungsplatz. Und im schlimmsten Fall zu dessen Verlust. Das zieht oft finanzielle und soziale Probleme nach sich. Um die zu vergessen, konsumiert  man dann weiter... ein Kreislauf. 

one: Der Verlust des Ausbildungsplatzes... 
Peter Hildebrandt: 
ist den allermeisten unserer Azubis nicht egal. Sie hängen an ihren Ausbildungsplätzen! Zu wichtig ist eine gute Ausbildung als stabile Basis für das weitere Leben. 

one: Wenn ein Azubi ein Suchtproblem zu haben scheint...,
Peter Hildebrandt:
 kommt meist der Vorgesetzte oder der Azubitrainer auf mich zu, in der Regel wenn der Azubi auffällig wird, also zum Beispiel Fehlzeiten in der Berufsschule aufweist oder auf der Arbeit unzuverlässig wird. Anders als bei älteren Mitarbeitern mit einer langen oder längeren „Suchtkarriere“, haben Jugendliche viel seltener die Einsicht, dass sie ein Problem haben. 

one: Was erzählen Sie den Azubis?
Peter Hildebrandt:
 Im Rahmen von „Voll im Leben - Kenn Dein Limit“ schildere ich schon mal aus meinen Erfahrungen, die ich als Rettungssanitäter mit suchtkranken Menschen gemacht habe. Junge Menschen, die mit schweren Vergiftungen, von Alkohol oder anderen Suchtmitteln, in eine Intensivstation eingeliefert werden müssen. Oder Ältere, die nach einer jahrzehntelangen „Raucherkarriere“ eine zerstörte Lunge haben und dauernd beatmet werden müssen. Das sind traurige und abschreckende Beispiele. Das kommt an. Da zieht so mancher die Augenbrauen hoch und ich kann sehen, wie es im Kopf arbeitet. 


Mojito (alkoholfrei)
Erfrischender Cocktail ohne Alkohol

Zutaten:
1 Limette
Tonic Water
Mineralwasser
2 TL (gestrichen) Rohrzucker
Crushed Ice
Minze

Zubereitung:
1 Die Limette und die Minzeblätter waschen, danach die Limette achtelt und jeweils 4 Achtel davon mit Minze in ein Glas geben.
2 Nun noch 2 TL Rohrzucker hinzugeben und das ganze mit einem Stößel zerdrücken.
3 Anschließend das ganze mit Crushed Ice bedecken und das Glas zu 3/4 mit Tonic Water und 1/4 zu Mineralwasser auffüllen - Fertig!:-)
4 Tipp: Limettenscheiben und Minzeblätter als Dekoration verwenden.


Hugo (alkoholfrei)

Zutaten für 4 Gläser:
350 ml Ginger-Ale
70 ml Holunderblütensirup
Saft von 2 Limetten
1 Bio-Limette
1 Bio-Zitrone
3 Minzezweige
400 ml gekühltes Mineralwasser, Eiswürfel

Zubereitung:

1 Ginger-Ale, Holunderblütensirup und Limettensaft mischen, die Minzweige zugeben und mit gut gekühltem Mineralwasser auffüllen.
2 Die Bio-Limette heiß waschen, trocken tupfen und in Scheiben schneiden, die Zitrone heiß waschen in Scheiben schneiden, halbieren. Bis auf 4 Limettenscheiben zum Hugo geben.
3 4 hohe Gläser bis zur Hälfte mit Eiswürfeln auffüllen und mit Hugo (alkoholfrei) aufgießen, mit je einer Limettenscheibe garniert servieren.

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