
Kein Ort auf der Welt entzieht den Nachwuchs besser vor dem elterlichen Zugriff als ein Ferienlager. Kein Wunder also, dass sich darum jede Menge Mythen und Legenden, wahre und erfundene Geschichten, ein Haufen Filme, ja sogar eigene Film-Subgenres ranken – gruselige ebenso wie romantische. Zwei ausgesprochen originelle Updates dazu gibt es in diesem Sommer auf der Leinwand zu sehen. In der dunkelbunten Komödie „Sunny Dancer“ holt die 18-jährige Ivy ihre Jugend in einem Chemo Camp nach. Zum satirischen Horror Film im Film entwickelt sich „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ mit prominenter Besetzung. Und Comedian Ricky Gervais streift auf Netflix in sechs Teilen als fetter Kater mit seinen „Alley Cats“ durch Zeichentrick-Gassen.
Plakat ©capelight pictures
Überlebt hat Ivy schon. Jetzt gilt es, wieder so richtig aufzuleben. Deswegen schicken die Eltern ihre fast 18jährige Tochter in ein Summercamp für Jugendliche, die sich von ihrer Krebserkrankung erholen. Doch Ivy weigert sich strikt, im Chemo Camp Spaß zu haben. Bis sie Jake kennenlernt.
Profan, laut mit leisen Untertönen, manchmal cringe, manchmal zynisch, aber meistens lebensbejahend, geht „Sunny Dancer“ ebenso ans Herz wie „Don’t Feel Like Dancin‘“ von den Scissor Sisters in die Hüften. Perfekt besetzt zudem mit der androgynen und enthusiastisch bockigen Bella Ramsey in der Hauptrolle.
Bella Ramsey
Bild ©Colin J Smith SUNNY DANCER Distribution Limited
Bella Ramsey passt in kein Klischee, weder vom Alter, noch vom Geschlecht her. Schon mit ihrem ersten Auftritt 2016 als Lyanna Mormont in der Serie „Game of Thrones“ (2011-2019) brennt sie sich dem Zuschauer ins Gedächtnis ein. Dafür hat die 2003 in Nottingham geborene Engländerin eigens einen Television Workshop besucht, in dem sie ihre zukünftige Bildschirm- und Leinwandpräsenz entwickeln konnte. Diese baut sie in der Endzeit-Serie „The Last of Us“ (2023- ) und in ihrem Leinwanddebüt in „Catherine, Lady wider Willen“ (2022) weiter aus. Ramsey versteht sich als non-binär.
Filmgenre: Tragikomödie
Länge: 106 Minuten
Regie: George Jaques
Mit: Bella Ramsey, Ruby Stokes, Daniel Quinn-Toye, Neil Patrick Harris, Earl Cave
Altersfreigabe: ab12
Verleih: capelight pictures
Start: 13.8.2016
Plakat ©MUBI
„Camp Miasma“ war einer der erfolgreichsten Horrorstreifen der 80er Jahre mit allem, was dazu gehört: Forstsetzungen, Blutfontänen und geballte Misogynie. Die queere Regisseurin Kris soll dem Franchise mit einem weiteren Film nun eine woke Wendung geben. Dazu fährt sie an den Originalschauplatz des ersten Teils, in dem sich Billy, die einzige Überlebende, häuslich niedergelassen hat. Ein filigranes Wechselspiel aus Fiktion und Realität, Klischee und purem Wahnsinn nimmt seinen Lauf. Im Zentrum Hannah Einbinder und Gillian Anderson als fleischgewordene Neuerfindungen des Slasher-Genres.
Jane Schoenbrun
Bild ©MUBI
Es ist wohl nicht übertrieben zu behaupten, dass Regisseurin Jane Schoenbrun ein Faible für das Horror-Genre hat. Davon zeugen schon die ersten beiden Spielfilme der 1987 in New York City geborenen Filmemacherin: ihr Spielfilmdebüt 2021, „We’re All Going to the World’s Fair“ ebenso wie „I Saw the TV Glow“ (2024). Auch in ihrem dritten Spielfilm, „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“, verschwimmt die fiktionale Erzählung mit einer verspielt scharfen Analyse des Genres. Autobiographisches, z.B. Erfahrungen im Internet, mit Serien und diversen Gummibärchen-Arten, fließen ganz nebenbei ein.
Filmgenre: Horrorkomödie
Länge: 112 Minuten
Regie: Jane Schoenbrun
Mit: Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Amanda Fix, Arthur Conti, Eva Victor
Altersfreigabe: ab 16
Verleih: MUBI
Start: 20.8.2026
Plakat ©Netflix
Stand Up-Comedian Ricky Gervais ist das Hirn und die Hauptfigur der britischen Serie „The Office“, dem Vorbild von „Stromberg“. Auf sein Konto gehen die schwarzhumorigen Serien „Extras“ (2005) und „After Life“ (2019) und die scharfzüngigen Moderationen des Golden Globes von 2010 bis zu seinem Rausschmiss 2020. In diesem Jahr segnete auch seine geliebte Katze Ollie das Zeitliche, was in den britischen Gazetten für Schlagzeilen sorgte. Mit den sechs Teilen der Animationsserie „Alley Cats“ erfüllt Gervais sich und seinen Fans den Traum, seine typisch weisen Profanitäten mit dem Körper einer fetten Katze zu vereinen.
Genre: Animation
Länge: 6 Episoden a ca. 30 Minuten
Entwickler/Regie: Ricky Gervais
Mit: -
Altersfreigabe: ab 12
Streaming: Netflix
Ab: 7.8.2026
„Adrift“ ist einer dieser stillen Orte im World Wide Web, auf die man zufällig trifft, und die zur inneren Einkehr einladen. In diesem Fall kann man seine Zweifel und Hoffnungen im Leben aufschreiben und zu kleinen weißen Schiffchen falten, die dann auf einem Meer aus schwarzen Wellen driften. Obwohl die Seite in Englisch verfasst ist, kann man dort Botschaften in allen existierenden und erfundenen Sprachen hinterlassen. Und man kann die Schiffchen anderer Menschen anklicken und lesen. Vieles an Sorgen und Hoffnungen wird einem dabei bekannt vorkommen.

Art: Dienst
Entwickler: Adrift
Für: jede Art Browser
Adresse: adrift.site/











