
Mit fiktionalen Geschichten um wahre Eckdaten trumpft der deutsche Film in diesem Kinoherbst auf. Der polnische Regisseur Pawel Pawlikowski lässt in „Vaterland“ Thomas Mann 1949 mit Tochter Erika das Nachkriegsdeutschland bereisen, wozu Hanns Zischler und Sandra Hüller die perfekte Miene zum bösen Spiel machen. In Pauline Roennebergs familiärer Psychokomödie „Kalter Hund“ tun sich zum 100. Geburtstag des Patriarchen tödliche Abgründe auf. Und mit Hitlers Machtübernahme 1933 kommt das ruchlose Babylon in der fünften Staffel von „Berlin Babylon“ zu seinem Ende. Vorher aber gilt es noch eine letzte Mordserie aufzuklären, ab 10.9. in der ARD Mediathek.
Plakat © Neue Visionen Filmverleih
Erika Mann begleitet ihren Vater Thomas 1949 auf seiner ersten Reise nach dem Krieg durch Deutschland. Frankfurt am Main steht auf dem Plan und das sowjetisch besetzte Weimar. Dazwischen Treffen mit alten Bekannten, neuen Unbekannten und die Nachricht vom Selbstmord des Sohnes und Bruders Klaus. Die beredte Mimik von Sandra Hüller und Hanns Zischler spiegelt das ungläubige Entsetzen wider, unterstrichen noch vom körnigen Schwarz-Weiß der Bilder. Regisseur Pawel Pawlikowski unterzieht mit einer Mixtur aus wahren Eckdaten und fiktionalen Begegnungen das „Vaterland“ einer harten Analyse.
Pawel Pawlikowski
Bilder ©Agata Grzybowska
Die Karriere des 1957 in Warschau geborenen, aber in Deutschland, Italien und Großbritannien aufgewachsenen Regisseurs Pawel Pawlikowski gleicht einer stürmischen Achterbahnfahrt. Mehrfach ausgezeichnet für seine Dokumentarfilme, legt er 1998 mit seinem ersten Spielfilm, „The Stringer“ eine Bauchlandung hin. Erst sechs Jahre und drei Filme später gelingt ihm mit der Jugendromanze „My Summer of Love“ der Durchbruch in Europa. Sein in Schwarz-Weiß gedrehtes Drama über eine zweifelnde Nonne, „Ida“, wird 2014 mit dem Europäischen Filmpreis und dem Oscar für den besten fremdsprachigen Film gekürt.
Filmgenre: Drama
Länge: 82 Minuten
Regie: Pawel Pawlikowski
Mit: Sandra Hüller, Hanns Zischler, August Diehl, Anna Mandeley, Devid Stresow
Altersfreigabe: o.A
Verleih: Neue Visionen Filmverleih
Start: 3.9.2016
Plakat: ©Weltkino
„Hermann, du bist jetzt 100 und damit bekanntermaßen weise!“ Sogar so weise, dass er sich mit einer Überdosis Barbiturate den Festivitäten entzogen hat. Seiner Gattin Marianne obliegt es in den folgenden zwei Stunden von „Kalter Hund“ den Schein zu wahren vor neugierigen Gratulanten und schleichenden Erben.Was als schwarze Komödie mit spitzen Dialogen beginnt, weitet sich zum Psychothriller per Familienaufstellung, lässt Fassaden bröckeln und Abgründe aufgehen. Vor allem Corinna Harfouch, Karoline Eichhorn und Lea Drinda („In die Sonne schauen“) bringt das sichtlich in Spiellaune.
Pauline Roenneberg
Bild: ©Miik Pictures
Ihren Abschluss an der Hochschule für Film und Fernsehen machte die 1984 in München geborene Pauline Roenneberg mit der dokumentarischen Mini-Serie „früher oder später“. Nachdem sie fünf Jahre Erfahrungen in der deutschen Filmbranche gesammelt hat, darunter auch als Regisseurin von zwei Folgen der Netflix-Serie „Farm Rebellion“, startet Roenneberg mit zwei Kolleginnen einen Aufruf: „Angst essen Kino“ fordert mehr Mut und Risikobereitschaft im deutschen Filmschaffen. „Kalter Hund“ ist Roennebergs erste Spielfilm ihrer eigenen Produktionsfirma Milk Pictures.
Filmgenre: Tragikomödie
Länge: 144 Minuten
Regie: Pauline Roenneberg
Mit: Corinna Harfouch, Victoria Mayer, Lea Drinda, Karoline Eichhorn
Altersfreigabe: ab 12
Verleih: Weltkino
Start: 17.9.2026
© ARD
Nun neigt sie sich die erfolgreichste Serie Deutschlands tatsächlich ihrem Ende zu. „Berlin Babylon“ wurde von seinen Kreatoren Tom Tykwer, Achim von Borries und Hendrik Handloegten von Anfang (2016) an groß angelegt in Inhalt, Anspruch, Ausstattung und Budget. Mit den acht finalen Episoden der fünften Staffel erreicht die Serie ihr Ziel: dem Ende der Weimarer Republik und damit dem Ende des Babylons in Berlin mit Drogen, Sex und wilden Nächten im Moka Efti. Frei nach Volker Kutschers Roman „Märzgefallene“ bekommt es Kriminalassistentin Charlotte Ritter 1933 nicht nur mit Hitlers Ernennung zum Reichskanzler zu tun, sondern auch mit einer Mordserie an Soldaten aus dem ersten Weltkrieg.
Genre: Drama
Länge: 8 Episoden a ca. 60 Minuten
Entwickler/Regie: Tom Tykwer, Achim von Borries, Hendrik Handloegten
Mit: Volker Bruch, Liv Lisa Fries, Jens Harzer, Godehard Giese, Christian Friedel
Altersfreigabe: ab 12
Streaming: ARD
Ab: 10.9.2026 in der ARD Mediathek, Ausstrahlung am 19. und 25.9. auf DAS Erste
© Square Glade Games
Keine Klimakrise, kein Atomkrieg, keine Apokalypse. Die Zukunft in „Outbound“ ist stattdessen einfach nur schön, die Natur gesund, die Stimmung entspannt und die Menschen freundlich. Ziel des Abenteuers ist es nicht, herauszufinden, wie das passieren konnte, sondern wie man sich da am besten einbringt. Zur Verfügung stehen den Spielern ein VW E-Bus und unzählige Stationen, in denen sie alles zusammensuchen und -bauen können, was sie im Einzelmodus oder online mit bis zu vier Freunden, für ein nachhaltiges Leben brauchen.
Art: Point and Click Abenteuer
Entwickler: Square Glade Games
Für: Windows, Nintendo Switch, PS, Xbox
Adresse: adrift.site/











