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ArticleId: 32magazineSie sind Außenminister, Trouble Shooter und Netzwerker: Emilie Bourgoin und Anja Lörcher vertreten die REWE Group in Berlin und Brüssel. Das Duo könnte bald Verstärkung bekommen.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/4/1/csm_0048_mgt_standard_87f2258b48.jpgDie ÜberzeugungstäterinnenPublic Affairs im Porträt
Emilie Bourgoin, Anja Lörcher, Kristin Hühnergarth (Assistentin Public Affairs) (v. l.)
Public Affairs im Porträt
Die Überzeugungstäterinnen
von Julia Klotz
Strategie
REWE Group
Strategie
REWE Group
1
Sie sind Außenminister, Trouble Shooter und Netzwerker: Emilie Bourgoin und Anja Lörcher vertreten die REWE Group in Berlin und Brüssel. Das Duo könnte bald Verstärkung bekommen. Neben der Eröffnung eines Berliner Büros sollen jetzt auch Kaufleute fit für die regionale Lobbyarbeit gemacht werden.
Mit Fakten überzeugen: Der ursprüngliche Vorschlag der EU-Kommission zur Nährwertkennzeichnung (rechts) erwies sich in der Praxis als untauglich

Jeder Kunde sollte direkt auf der Verpackung erkennen können, wie viel Fett, Zucker oder Kohlenhydrate ein Produkt enthält. „Für die Angaben war eine Größe von drei Millimetern vorgesehen. Was wenig klingt, war in der Praxis jedoch viel zu groß. Wir hätten viele Verpackungen komplett umgestalten müssen, damit die Kennzeichnung genug Platz hat“, schildert Lörcher das Problem. Um das zu verdeutlichen, stellte sie einige solcher Verpackungen als Prototyp her und nahm sie mit ins EU-Parlament - darunter ein Joghurtbecher mit einem überdimensionalen Deckel. Das überzeugte auch die Abgeordneten. Man einigte sich schließlich auf eine kleinere Schriftgröße. 

Informationen zum richtigen Zeitpunkt in der richtigen Form an den richtigen Mann bringen - da ist ein gutes Netzwerk unverzichtbar. Fachwissen ist jedoch mindestens genauso wichtig, sonst ist das aufgebaute Vertrauen schnell verspielt. „Wer einmal falsche Informationen verbreitet, kann seine Arbeit in Brüssel an den Nagel hängen“, weiß Anja Lörcher.

Europaabgeordnete Britta Reimers im Interview:
„Keinen Tunnelblick bekommen“
Britta Reimers

one: Frau Reimers, als Landwirtin hatten Sie bereits einen Vollzeitjob. Was hat Sie dazu bewogen, sich auch noch politisch zu engagieren?
Britta Reimers:
Ich habe mich damals über die Politik geärgert und mir schließlich gedacht: Entweder kann man weiter jammern, oder aktiv werden und etwas verändern. Agrarpolitik wird auf EU-Ebene gemacht. Also habe ich mir eine passende Partei gesucht, die meine Interessen vertritt und mich dort engagiert. Inzwischen bin ich eine Vollzeit-Politikerin statt einer Vollzeit-Landwirtin.

one: In Ihren Aufgabenbereich fallen sehr viele verschiedene Themen, wie Tier- und Pflanzengesundheit, Lebensmittelsicherheit oder Fischerei. Wie gehen Sie vor, wenn über einen neuen Gesetzesvorschlag abgestimmt werden soll?
Britta Reimers:
Zunächst lese ich den Vorschlag der EU-Kommission, damit ich verstehe, worum es genau geht. Dann hole ich Informationen von den verschiedensten Seiten ein, zum Beispiel den Ländervertretungen und Umweltorganisationen, aber auch von Wirtschaft und Handel. Also eigentlich alles, was ich an relevanten Informationen bekommen kann. Da die Menge an zu bearbeitenden Themen oft groß und die Zeit knapp ist, bin ich froh, dass mir inzwischen viele Gesprächspartner schon frühzeitig von selbst Informationen liefern. Auf der Basis treffe ich dann eine Entscheidung.

one: In Brüssel und Berlin gibt es unzählige Interessenverbände und Unternehmen, die versuchen, den Parlamentariern ihre Sichtweise nahezubringen. Hören Sie die alle an?
Britta Reimers:
Lobbyismus gehört für mich zur Arbeit dazu, denn das bedeutet nichts anderes als Interessensvertretung. Ich vertrete als Abgeordnete die Interessen der Bürger, daher ist es sogar meine Pflicht, mir zu einem Thema verschiedene Meinungen anzuhören. Ich muss mir immer ein komplettes Bild machen, damit ich keinen Tunnelblick bekomme und meine Entscheidung später nicht einseitig ausfällt. Da sind auch Handel und Verbände wichtige Gesprächspartner.

one: Sie treten für eine neue Legislaturperiode an. Bedeutet das, dass Sie wirklich etwas verändern konnten?
Britta Reimers:
Ich bin überzeugt, dass man immer etwas verändern kann, wenn man sich engagiert und seine Meinung weitergibt. Das fängt schon im Kleinen an, zum Beispiel wenn man ein Ehrenamt übernimmt. Ich denke, dass ich in den vergangen Jahren durchaus einen bodenständigen und vor allem praxisorientierten Einfluss auf die Brüsseler Politik hatte.

Britta Reimers ist Landwirtin und lebt mit ihrer Familie auf einem Milchvieh-Futterbaubetrieb in Schleswig-Holstein. Seit 2009 ist sie Mitglied des Europäischen Parlamentes.

Das Gespräch führte Julia Klotz

Interview mit den REWE-Kaufleuten Sahin Karaaslan und Erich Stockhausen
Public Affairs vor Ort

Auch auf lokaler Ebene ist Public Affairs ein Thema. Die meisten Kaufleute nutzen ihre Kontakte zu Vereinen und Lokalpolitikern, um ihre Anliegen - sei es der Wegweiser zum Markt, der neue Standort oder ein bundespolitisches Thema, wie der Energiepolitik - zu erläutern. Wir sprachen mit zwei REWE-Kaufleuten, die ein unverzichtbarer Teil der lokalen Bühne geworden sind.

Interview mit Sahin Karaaslan, selbstständiger Kaufmann in der Region Südwest
„Die Möglichkeit zu erklären“
Sahin Karaaslan

one: Wie sieht Public Affairs auf lokaler Ebene in der Praxis aus? Welche Möglichkeiten haben Sie vor Ort Ihre Interessen zu vertreten?
Sahin Karaaslan:
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, vor Ort die eigenen Interessen als Händler und die des Unternehmens, zu vertreten. Zum einen spielen die Verbände und Institutionen eine wichtige Rolle, seien es Handelsverbände oder das lokale Stadtmarketing. Für den Bereich Nachwuchsrekrutierung und -förderung sind Kontakte zu Berufsschulen wichtig.

Die Aktivitäten in den Märkten wiederum dienen nicht allein der Interessenvertretung, sondern auch der Gemeinschaft vor Ort. In den Stadtteilen Heidelberg-Neuenheim und Heidelberg-Handschuhsheim unterstützte ich die Kindergärten oder veranstalte Feste, deren Erlös den ´Ärzten ohne Grenzen´oder ´Ein Herz für Kinder´ zugute kommen. Ein praktischer Nebeneffekt ist, dass die regionale Presse regelmäßig über unsere Aktivitäten berichtet.

one: Zu welchem Zeitpunkt haben Sie begonnen, sich vor Ort zu engagieren?
Sahin Karaaslan:
Der 1. August 2003 war mein erster Arbeitstag im Handel, als Chef eines Supermarktes. Damals habe ich festgestellt, dass wir Beziehungen brauchen und bin in Kontakt mit dem lokalen Handelsverband getreten, für den ich immer noch aktiv bin.

Wenn man in Verbänden oder Institutionen aktiv ist, wird man anders wahrgenommen. Das zeigt sich nicht nur in Presseberichten, sondern auch dann, wenn man mit einem Anliegen zur Stadtverwaltung kommt.

Ein Beispiel: Nicht jede Stadt genehmigt jeden Wegweiser zum Markt. Für die Märkte ist es aber entscheidend, dass die Kunden sie schnell und einfach finden. Wer einen guten Draht zur Stadtverwaltung oder zum Stadtrat hat, bekommt die Möglichkeit zu erklären, warum die Beschilderung nicht nur für den Markt, sondern auch für die Kunden wichtig ist.

one: Wo liegen die Schwerpunkte in Ihrer Public Affairs-Arbeit? Wo die Herausforderungen?
Sahin Karaaslan:
Vor allem konzentriere ich mich auf die Punkte Nahversorgung und Energiekosten. Hier gibt es viel Erklärungsbedarf.

Während des Wahlkampfs war ich zu einer Podiumsdiskussion zum Thema Energiepolitik als Experte eingeladen. Da wird dann deutlich, dass die meisten Menschen - die ja auch meine Kunden sind - gar nicht wissen, welche Auswirkungen die EEG-Umlage für uns Händler hat. Und eine solche Diskussion bietet die Möglichkeit, das zu erklären. Aber dort wäre ich nicht eingeladen worden, wenn ich nicht in Verbänden und politischen Gremien aktiv wäre.

Und dabei geht es ja nicht nur um meine eigenen Interessen als lokaler Händler, sondern auch um Interessen des Unternehmens. Stellen Sie sich vor, alle Kaufleute der REWE würden hier mit Engagement vorangehen!

one: Welche Ziele haben Sie sich für das neue Jahr gesetzt? Haben Sie bereits konkrete Pläne?
Sahin Karaaslan:
Die Expansion vorantreiben: Ich habe einen neuen, ausgesprochen attraktiven Standort anvisiert und die nächsten Wochen werden zeigen, ob ich den realisieren kann. Gerade hier kommt es darauf an, überhaupt die Möglichkeit zu bekommen, die eigenen Argumente für den Standort vortragen zu können.

Das Gespräch führte Judith Morgenschweis

Interview mit Erich Stockhausen, Selbstständiger Kaufmann in Erkrath (Region West)
„Von der Strahlkraft profitieren“
Erich Stockhausen

one: Wie sieht Public Affairs auf lokaler Ebene in der Praxis aus? Welche Möglichkeiten haben Sie vor Ort, ihre Interessen zu vertreten?
Erich Stockhausen:
Wichtig ist der Blick über den Tellerrand: Was passiert um mich herum? Hierzu ist es hilfreich, ein Netzwerk aufzubauen, welches mir als Stütze dienen kann. Unter anderem vertrete ich die Interessen der REWE aktiv im Wirtschaftskreis Erkrath, einem Zusammenschluss von rund 70 ansässigen Firmen. Wir treffen uns mehrmals im Jahr, unter anderem zu einem Unternehmerfrühstück oder zu Aktionstagen. Von zentraler Bedeutung ist hier neben dem Netzwerken der gute Draht zur Stadt. Die Erkrather Wirtschaftsförderung sitzt mit am Tisch und ist eingebunden. So bleiben stets alle auf dem aktuellen Stand. Wichtig ist zudem die Darstellung nach außen, zu den Bürgern und Kunden. Große – auch mediale – Beachtung fand beispielsweise eine Börse für Projekte mit gesellschaftlichem Engagement. Am Ende haben wir mit 300 Helfern eine Vielzahl an Projekten tatkräftig umgesetzt.

one: Zu welchem Zeitpunkt haben Sie begonnen, sich vor Ort zu engagieren?
Erich Stockhausen:
Ich bin bereits kurz nach dessen Gründung dem Wirtschaftskreis beigetreten. Vom ersten Tag an, seit der Eröffnung unserer Märkte, unterstützen wir viele örtliche Vereine als Sponsoren und Förderer. Der SC Unterbach zum Beispiel wird permanent gesponsert. 

one: Wo liegen die Schwerpunkte in Ihrer Public Affairs-Arbeit? Wo liegen die Herausforderungen?
Erich Stockhausen:
Wir müssen weg vom Image des bösen Händlers und immer wieder verdeutlichen, welche Bedeutung die REWE und der LEH insgesamt haben. Mit bundesweit 500.000 Beschäftigten sind wir ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Das kommt meiner Meinung nach kommunikativ noch nicht voll rüber. Ich finde, wir verkaufen uns unter Wert, dabei müssen wir uns nicht verstecken. Meinen Kollegen aus der REWE-Kaufmannschaft empfehle ich, sich ebenfalls in ihrer Stadt zu engagieren und den Kontakt zu anderen Unternehmen und der Verwaltung zu suchen. Gemeinsam können wir viel bewegen und erreichen. Wir tun deshalb gut daran, über Public Affairs unsere Interessen zu vertreten und den selbstständigen Kaufleuten eine Stimme zu geben. Auf lokaler Ebene kann es zum Beispiel ein Erfolg sein, wenn ein neuer Wettbewerber-Standort verhindert wurde, oder Politik und Verwaltung ein offenes Ohr für die Interessen der Selbstständigen haben.

Aus eigener Erfahrung weiß ich: Das erleichtert schon bei kleinen Vorhaben wie Markt-Umbauten und Erweiterungen die Umsetzung. Kurzum, es geht darum, von der Strahlkraft des großen Konzerns zu profitieren und die unternehmerische Verantwortung, die wir als Mittelständler tragen, herauszustellen.

one: Welche Ziele haben Sie sich für das neue Jahr gesetzt? Haben Sie bereits konkrete Pläne?
Erich Stockhausen:
Vor Ort wollen wir den älteren unserer beiden Märkte renovieren und vergrößern und die Attraktivität für den Kunden steigern. Dass wir dabei große Unterstützung erfahren, ist gewiss auch ein Erfolg von Public Affairs. Überregional möchte ich die REWE Group weiter auf ihrem nachhaltigen Weg tatkräftig und kommunikativ begleiten. Wir befinden uns in einem Entwicklungsprozess, der letztlich nie abgeschlossen ist. Denn der Schutz der Umwelt und die Schonung von Ressourcen sind eine Geisteshaltung und ein Dauerauftrag. Das alles geht in einem 50-Milliarden-Konzern nicht von heute auf morgen. Mein Wunsch wäre, dass auch die Medien diesen Prozess positiv begleiten. Als ich bei einem Treffen des Wirtschaftskreises Erkrath die REWE Group und ihr Nachhaltigkeitsengagement vorgestellt habe, waren die meisten überrascht. Die tatsächliche Größe und das Engagement der REWE Group waren vorher kaum bekannt. Ich sehe die Nachhaltigkeit ganz klar als Investition in die Zukunftssicherung der REWE Group.

Das Gespräch führte Achim Bachhausen

12 + 1: Das Public Affairs Glossar
Strategie
REWE Group
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Mein Kommentar

KOMMENTARE

Anonym
vor 6 Jahren und 8 Monaten
Wirklich interessanter Artikel und sehr spannend, auf diese Weise einen Einblick in die Arbeitswelt von Public Affairs zu erhalten!
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