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ArticleId: 2645magazineBei der Textilproduktion gelangen häufig gefährliche Chemikalien in Gewässer. Besonders Asien ist betroffen. Aber die Situation verbessert sich – auch dank des Detox-Programms der REWE Group.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/5/1/csm_Detox_standard_teaser_da5de897da.jpgRaus mit dem GiftTextilen ohne Schadstoffe
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Bild: Getty Images | dutourdumonde
Textilproduktion ohne Schadstoffe

Textilproduktion ohne Schadstoffe

06.04.2020

Schäumende Brühen, vollgepumpt mit gefährlichen Chemikalien. So sehen in Asien viele Gewässer in der Nachbarschaft von Textilfabriken aus. Aber die Situation verbessert sich – auch dank des Detox-Programms der REWE Group.

Anfangs waren Chubhra Chanda und seine Kollegen beim Textilproduzenten Modele De Capital in Bangladesch unsicher gewesen. Was würde da auf ihr Unternehmen zukommen? Die REWE Group, für die Modele De Capital seit vielen Jahren T-Shirts, Hosen und Kleider produzierte, hatte angekündigt, krankmachende und umweltbelastende Chemikalien aus der Textilproduktion verbannen zu wollen. Wie fast alle Bekleidungshersteller verwendete Modele De Capital zum Waschen und Färben seiner Produkte Chemikalien mit gefährlichen Eigenschaften. Sie wurden ins Abwasser gespült und gelangten von dort in die Flüsse, aus denen Menschen ihr Trinkwasser entnahmen.

Künftig sollte das Ziel lauten: Giftfrei produzieren – so wie es Greenpeace in seiner Detox-Kampagne forderte, der sich die REWE Group angeschlossen hatte. Das war 2014. „Wir haben bald erkannt, dass ein gutes Umwelt- und Chemikalienmanagement der Schlüssel zu einem nachhaltigen Wirtschaften ist und dass auch unsere Kunden das immer stärker fordern. Also haben wir gemeinsam mit der REWE Group begonnen, etwas zu verändern“, sagt Chubhra Chanda, der heute bei Modele De Capital das Umwelt- und Chemikalienmanagement verantwortet.

„Es reicht nicht, nur an einer Stellschraube zu drehen“

Christine Alfken

Mit der Einsicht, dass Veränderungen notwendig sind, ist nach Beobachtung von Christine Alfken die erste Hürde auf dem Weg zu einer schadstofffreien Textilproduktion genommen. Die Referentin Nachhaltigkeit Ware Non Food der REWE Group hat mehrfach in Asien Fabriken besucht und Mitarbeiterschulungen begleitet. „Am Anfang wissen Fabriken oft nicht, wo sie ansetzen müssen, um giftfrei zu produzieren. Sie erwarten, nur an einer Stellschraube drehen zu müssen und sehen nicht, dass ganze Prozesse geändert werden müssen, denn alles hängt mit allem zusammen.“ Welche Chemikalien sind schadstoffbelastet? Welche Alternativen gibt es? Wie kann eine Prüfung im Einkauf erfolgen? Wie müssen diese Substanzen gelagert und dosiert werden? Wie ist ihr Zusammenspiel mit anderen bei der Textilproduktion eingesetzten Chemikalien? Und: Wie wird mit dem Abwasser umgegangen? Ist die Abwasseraufbereitung darauf eingestellt, kritische Chemikalien zu filtern? „Solche Fragen müssen geklärt werden und es muss in jeder Fabrik dafür einen Verantwortlichen geben“, betont Christine Alfken. Modele De Capital-Mitarbeiter Chubhra Chanda räumt ein, dass er und seine Kollegen anfangs wenig wussten über den Umgang mit Chemikalien. „Wir hatten nur begrenzte Kenntnisse. Also haben wir interne Schulungen für unsere Mitarbeiter durchgeführt, zum Beispiel zur Sicherheit von Chemikalien. In Trainings haben wir gelernt, wie wir ein aktives Chemikalienmanagement umsetzen können.“ 

Abwassertest zeigen Fortschritte 

Die REWE Group hat alle Chemikalien, die sie als gefährlich einstuft und die nicht in ihren Lieferketten eingesetzt werden dürfen, in einer Liste (Manufacturing Restricted Substances List, MRSL) zusammengefasst. Neben den elf im Detox Commitment festgelegten Chemikaliengruppen umfasst diese Aufstellung fünf weitere Chemikaliengruppen, die in der Produktion verboten sind. Da es inzwischen eine branchenweite, regelmäßig aktualisierte MRSL der Initiative ZDHC (Zero Discharge of Hazardous Chemicals) gibt, die für einheitliche Standards in der Industrie sorgt, verwendet die REWE Group seit 2020 diese MRSL.

In Zusammenarbeit mit ausgewählten Prüfinstituten kontrolliert die REWE Group regelmäßig in allen Produktionsländern die Abwässer der Nassproduktionsstätten in der textilen Lieferkette ihrer Eigenmarken auf gefährliche Chemikalien. „Die Abwassertests 2019 zeigten erneut deutlich bessere Ergebnisse“, heißt es im gerade veröffentlichten Detox-Fortschrittsbericht. In China, wo sich der Großteil der Nassproduktionsstätten der REWE Group befindet, ist die Substitution gefährlicher Chemikalien dem Befund zufolge noch am wenigsten fortgeschritten. Deshalb engagiert sich die REWE Group mit ihrem Trainingsprogramm für Lieferanten und deren Nassproduzenten schwerpunktmäßig dort. Wer nicht mitzieht, wird aussortiert. „Im vergangenen Jahr haben zwei Produktionsstätten in unserer Lieferkette das Trainingsprogramm aufgrund zu hoher Anforderungen abgebrochen. Somit werden sie künftig nicht mehr für die REWE Group produzieren“, betont Christine Alfken.

Nur wer mitmacht, bleibt wettbewerbsfähig

Das gemeinsam mit Tchibo und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) entwickelte Trainingsprogramm wurde 2019 vom Textilbündnis aufgegriffen und die Trainings sind nun für weitere Unternehmen buchbar. Christine Alfken: „Diese Kooperation ist effektiv, da alle Partner ähnliche Anforderungen stellen. Auf diese Weise können Kosten und Trainingsstrukturen geteilt werden.“ 
Die Fabriken stellen fest, dass immer mehr Auftraggeber verbindliche Anforderungen an ihr Chemikalienmanagement stellen. Damit nimmt der Druck zu, Veränderungen vorzunehmen. Modele De Capital in Bangladesch hat das zu spüren bekommen: „Letztlich haben uns die Trainings geholfen, auf den globalen Märkten wettbewerbsfähig zu bleiben“, meint Chubhra Chanda. 

Aber: Gefährliche Chemikalien vollständig aus einer Fabrik zu verbannen ist schwierig, weil neben der REWE Group auch andere Unternehmen dort produzieren lassen und dabei oft nicht dieselben Anforderungen an das Chemikalienmanagement stellen. „Besonders komplex“, so heißt es im Detox-Fortschrittsbericht, „ist die Eliminierung der häufig in Waschmitteln enthaltenen Flammschutzmittel.“ Auch Schwermetalle seien nur schwer auszumerzen, weil bereits das für die Produktion verwendete Eingangswasser mit diesen Substanzen belastet sei.

Ab 2020 berücksichtigt die REWE Group nur noch Fabriken aus einem geprüften Pool für eine Zusammenarbeit. Die Fabriken müssen über einen gültigen Abwassertest verfügen, ein Inventar aller verwendeten Chemikalien vorweisen können und an einem Training teilgenommen haben. Bestehende Lieferbeziehungen zu Fabriken, die nicht bereit sind, diese Kriterien zu erfüllen, sollen nicht fortgeführt werden.
Die REWE Group will ihr Sortiment an nachhaltigen Baumwolltextilien ausweiten: Bis 2025 sollen alle bei REWE und PENNY angebotenen Textilien aus nachhaltiger Baumwolle hergestellt sein.

Wo setzt das Detox-Programm der REWE Group an?

Die REWE Group hat für sich vier Handlungsfelder definiert.

Im Rahmen ihres Chemikalienmanagements will sie dazu beitragen, gefährliche Substanzen bei der Textilherstellung zu identifizieren und Strategien für die Umstellung auf alternative Stoffe zu entwickeln.  

Ein intensives Lieferantenmanagement soll die Beziehungen zu den Vertragspartnern vertiefen und sie für das Programm sensibilisieren. Der Blick auf die gesamte Lieferkette ist wichtig, weil schädliche Chemikalien meist nicht von den direkten Geschäftspartnern der REWE Group eingesetzt werden, sondern von deren Vorlieferanten. 

Kooperationen und Dialog mit den Lieferanten liefern Erkenntnisse, die bei der Umsetzung der Maßnahmen wichtig sind. Eine Zusammenarbeit mit Initiativen und Bündnissen hilft, einheitliche Anforderungen zu entwickeln und die Bedingungen in der textilen Lieferkette gemeinsam zu verbessern.

Materialien im Kreislauf halten und so Ressourcen schonen sowie einen nachhaltigen Konsum fördern – dieses Ziel verfolgt der Closed-Loop-Ansatz. Entsprechend bietet die REWE Group vermehrt nachhaltigere Produkte und umweltfreundlichere Verpackungen an und trägt dazu bei, dass weggeworfene Textilien verstärkt wiederverwertet werden.

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„Gesetze sind oft nicht durchsetzbar“
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Rahel Lemke betreut beim Bündnis für nachhaltige Textilien die Initiative zum Chemikalien- und Umweltmanagement. Das Bündnis wurde 2014 als Reaktion auf die tödlichen Unfälle in Textilfabriken in Bangladesch und Pakistan ins Leben gerufen. Mitglieder sind neben Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen, Gewerkschaften sowie die Bundesregierung. 

Rahel Lemke

Frau Lemke, jedes Textilunternehmen könnte auch alleine aktiv werden. Wie profitieren die Mitglieder vom Engagement in der Bündnisinitiative?
Rahel Lemke:
Fabriken produzieren oft für mehrere Textilunternehmen, so dass von einer Verbesserung im Chemikalienmanagement letztendlich alle profitieren. Die Herausforderungen entlang weit verzweigter, internationaler Lieferketten sind groß – im Bündnis können sich die Mitglieder austauschen und gemeinsam an Lösungsansätzen arbeiten. Das Bewusstsein für die Relevanz von Umweltstandards hat in den vergangenen Jahren zugenommen und der Einsatz schädlicher Chemikalien konnte zum Teil bereits deutlich reduziert werden. Herausfordernd ist die flächendeckende Umsetzung der Nachhaltigkeitsanforderungen.

Das Bündnis und seine Mitglieder unterstützen die Produktionsstätten aktiv. Wie kam dies zustande?
Rahel Lemke:
Die Bündnis-Unternehmen haben gemeinsam  Videos und Trainingsmaterialen entwickelt und zunächst in ausgewählten Fabriken mit Nassprozessen erprobt. Bei der Entwicklung der Trainings hat die REWE Group federführend mitgewirkt. Seit diesem Jahr werden die entwickelten Trainings auch Nicht-Bündnismitgliedern zur Verfügung gestellt. So erhält die gesamte Branche die Chance, aktiv zu einem besseren Chemikalienmanagement bei ihren Zuliefern beizutragen.

Welche Themen wollen Sie in naher Zukunft angehen?
Rahel Lemke: Wir werden unsere Trainingsprogramme ausweiten und kontinuierlich verbessern. Zudem soll unser Angebot in weiteren Ländern verfügbar sein. Eine große Herausforderung für ein globales, umweltfreundliches Chemikalienmanagement sind unterschiedliche gesetzliche Rahmenbedingungen in den einzelnen Ländern. Wo Gesetze vorhanden sind, mangelt es oft an ihrer Durchsetzung. Über die Kooperation mit internationalen Initiativen versuchen wir mit einer Stimme zu sprechen.

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