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Elisabeth Promberger | Foto ©REWE Group
Lesedauer: 4 Minuten
Mit Frauen in Führung
„Mut machen, fördern, Fragen stellen"
von Bettina Rees, Film und Fotos: REWE Group

REWE Süd-Regionschefin Elisabeth Promberger legt Wert darauf, Frauen in ihrer Entwicklung gezielt zu unterstützen und zu ermutigen. Geprägt von Teamgeist und Menschen, die an sie geglaubt haben, gibt die einstige Leistungssportlerin heute genau dies weiter. Im Interview erklärt sie, wie Mentoring Türen öffnen kann – und weshalb sie lieber Fragen stellt als Ratschläge erteilt.

one: Elisabeth, warum ist es dir persönlich wichtig, Frauen in ihrer Entwicklung gezielt zu unterstützen?

Elisabeth Promberger: Für mich ist es selbstverständlich, dass wir uns gegenseitig unterstützen. Damit bin ich aufgewachsen, zuerst in meiner Familie und später auch im Leistungssport, wo der Teamgedanke eine große Rolle spielt. Mein erster Trainer hat mich besonders geprägt: Er hat an mich geglaubt und mir damit Mut und Kraft gegeben. Diese Erfahrung hat mich stark beeinflusst und wurde zu meinem Lebensmotto: Alles ist möglich.

Auch auf meinem beruflichen Weg bin ich immer wieder Menschen begegnet, die mir Vertrauen entgegengebracht und an mich geglaubt haben. Das hat mich ermutigt, meinen Weg weiterzugehen. Genau deshalb ist es mir heute wichtig, Mut, Kraft und Vertrauen, gerade an Frauen, weiterzugeben.

Ich bin davon überzeugt, dass Frauen Teams bereichern. Nicht, weil sie besser sind, sondern weil sie andere Perspektiven einbringen. Diese Vielfalt ist entscheidend, denn sie macht Unternehmen nachweislich erfolgreicher. Mir geht es darum, die vielen Talente von Frauen sichtbarer zu machen und dadurch wiederum andere Frauen zu inspirieren. Wenn Frauen sichtbar werden und sich gegenseitig stärken, entstehen Vorbilder. Vorbilder, die Mut machen, über sich hinauszuwachsen und neue Aufgaben anzunehmen.

one: Sichtbarkeit entsteht ja nicht von allein – oft braucht es Menschen, die das Licht auf einen richten. Wie gehst du zum Beispiel als Mentorin bei Women’s Drive vor?

Elisabeth Promberger: Durch diese Sichtbarkeit kommt es immer wieder vor, dass mich auch Frauen außerhalb von Women’s Drive ansprechen und fragen: Wie hast du das gemacht? Was würdest du mir raten?

Ich versuche dann immer, sehr offen zu sein. Von außen sieht vieles vielleicht leicht und selbstverständlich aus, aber in Wirklichkeit ist jeder Weg ein Prozess. Auch ich bin noch immer auf meinem Weg. Ich glaube, es stärkt sehr, wenn wir ehrlich darüber sprechen, dass Entwicklung Zeit braucht.

one: Was motiviert dich als Mentorin – und was macht dich besonders stolz?

Elisabeth Promberger: Mich motiviert vor allem die Entwicklung, die ich bei meinen Mentees beobachten darf. Es ist inspirierend zu sehen, wie sie wachsen und ihren eigenen Weg finden. Gleichzeitig bereichern ihre Perspektiven auch mich und meinen Alltag. Am Anfang eines Mentorings geht es für mich vor allem darum, zuzuhören und Fragen zu stellen: Warum ist dir das wichtig? Was möchtest du wirklich erreichen? Diese Fragen helfen, ins Nachdenken zu kommen und Klarheit zu gewinnen. Oft entstehen dadurch neue und überraschende Blickwinkel.

Schnelle Ratschläge im Sinne von „Du musst das so oder so machen“ gebe ich bewusst nicht. Jede Frau hat ihre eigene Lebenssituation, ihr eigenes Tempo und ihren eigenen Weg. Meine Rolle sehe ich darin, Frauen zu bestärken: an sich selbst zu glauben, Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten zu entwickeln, den Mut zu finden, ihren eigenen Weg zu gehen.

Eine meiner Mentees mit Führungsverantwortung hat mir einmal erzählt, dass sie nach unserem Austausch viel sicherer in schwierige Mitarbeitendengespräche gegangen ist und dadurch das Vertrauen ihres Teams stärken konnte.

„Man wächst über sich hinaus, wenn jemand an einen glaubt -manchmal, bevor man selbst daran glaubt“ Elisabeth Promberger

one: Was braucht es deiner Meinung nach, um auf den oberen Führungsebenen ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis zu erreichen? Und welchen Beitrag können Führungskräfte heute schon leisten?

Elisabeth Promberger: Ein ausgewogeneres Verhältnis entsteht nicht von allein. Es braucht bewusste Förderung und echte Aufmerksamkeit. Entscheidend ist, Talente früh zu erkennen und Frauen gezielt auf Führungsrollen vorzubereiten. Damit sind wir wieder beim Thema Sichtbarkeit: Frauen müssen frühzeitig gesehen und gefördert werden. Ein Mensch wächst mit jeder neuen Verantwortung - unabhängig vom Geschlecht.

one: Kannst du ein Beispiel für dieses aktive Fördern aus deinem Alltag nennen?

Elisabeth Promberger: Wenn ich einen REWE besuche, spreche ich manchmal gezielt Marktleiterinnen an und frage sie, ob sie sich eine Selbstständigkeit mit uns vorstellen können. Oft höre ich dann zunächst überrascht: „Ach, das trauen Sie mir zu?“ Und genau in diesem Moment passiert etwas. Plötzlich beginnt jemand, sich selbst mehr zuzutrauen und diesen Weg tatsächlich zu gehen. Das habe ich öfters erlebt, und das freut mich ganz besonders.

Dieses aktive Mutmachen ist oft ein echter Türöffner. Und damit komme ich wieder auf meinen ehemaligen Trainer zurück: Man wächst über sich hinaus, wenn jemand an einen glaubt -manchmal sogar schon, bevor man selbst daran glaubt.

Elisabeth Promberger | Foto ©REWE Group
Elisabeth Promberger in vier Stationen

ab 2005: 
REWE International AG (Österreich): Verschiedene Vertriebs- und CEE-Aufgaben, zuletzt stellvertretende Leiterin Zentraleinkauf

2016–2019: 
REWE Group (Deutschland): Referentin des CEO, anschließend Vertriebsleiterin REWE Süd

2020–2022: 
WASGAU AG: Vorstandsmitglied; seit 2023 Mitglied des Aufsichtsrats

seit 2022: 
REWE Markt GmbH Süd: Vorsitzende der Geschäftsleitung; verantwortlich für das regionale Supermarktgeschäft und Mitglied der nationalen Geschäftsleitung

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