
Mit der aktuellen Schirmherrschaft des Kölner Bündnisses „Mit Frauen in Führung“ und der Initiative „Frauen auf die 1“ setzt die REWE Group ein deutliches Zeichen für Sichtbarkeit, Chancengleichheit und moderne Führung. Im Interview spricht People-Vorständin Daniela Büchel darüber, warum der Fokus auf Frauen in Führung für sie der entscheidende Schritt ist, um diese zu stärken. Sie beschreibt offen, wo die REWE Group heute steht – und warum das Ziel 50:50 trotz Fortschritten noch nicht erreicht ist. Gleichzeitig macht sie deutlich, dass echter Wandel nur gelingt, wenn Haltung, Kultur und Frauenförderung konsequent zusammen gedacht werden.
one: Daniela, zum Weltfrauentag startet die REWE Group ihre Kommunikationsinitiative „Frauen auf die 1“. Was hat es mit diesem Statement auf sich?
Daniela Büchel: Wir wollten mit diesem klaren Statement das klassische Muster umdrehen: Es geht nicht darum, dass Frauen sich ständig neu beweisen müssen, sondern darum, dass wir sie sehen. „Frauen auf die 1“ ist eine klare Haltung, eine Positionierung der REWE Group als aktiver, langfristiger und authentischer Förderer weiblicher Führungskräfte.
Die „1“ steht dabei symbolisch für Sichtbarkeit, für Verantwortung und für Relevanz. Wir wollen weibliche Führungskräfte als Role Models stärker sichtbar machen, um andere Frauen zu ermutigen selbst eine Führungsposition zu übernehmen beziehungsweise sich auf dieser weiterzuentwickeln. Insgesamt unterstützt „Frauen auf die 1“ unser Ziel und unser REWE Group Commitment, ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in Führungspositionen zu erreichen. Das haben wir Stand heute noch nicht erreicht, aber wir arbeiten aktiv darauf hin.
„Es geht nicht darum, dass Frauen sich ständig neu beweisen müssen, sondern darum, dass wir sie sehen.“
Daniela Büchel
one: Erreichen wollten wir 50:50 bis 2025 – wir sind jetzt bei 44,9 Prozent weibliche Führungskräfte gesamt. Wo stehen wir bei den höheren Leitungsebenen? Braucht es noch eine Kampagne wie „Frauen auf die 1“?
Daniela Büchel: Auf den ersten Blick klingt der Wert von 44,9 Prozent gut, aber gerade auf den höheren Leitungsebenen 1 und 2 sind Frauen immer noch deutlich unterrepräsentiert. Dadurch geht uns wertvolle Innovationskraft verloren – genauso wie Teamstärke und Resilienz, die vielfältige Führungsteams auszeichnen.
Zugleich wollen wir ein sichtbares Zeichen für Chancengleichheit setzen. Eine Kampagne schafft dafür den nötigen Rahmen, denn sie macht die Frauen im Unternehmen sichtbar, stärkt ihr Selbstvertrauen und zeigt, wie moderne Führung bei uns gelebt wird.
one: Mit welchen konkreten Maßnahmen wollen wir nachhaltig mehr Frauen auch in höhere Leitungsebenen bringen?
Daniela Büchel: Zuerst einmal, und das ist wesentliche Voraussetzung für den Erfolg: Wir haben ein klares Commitment des Vorstands. Zu den Maßnahmen gehört zum einen das Einsetzen konkreter KPIs, die wir regelmäßig überprüfen. Es gibt zudem mit beispielsweise Women´s Drive Entwicklungsprogramme, die sich explizit an Frauen richten; darüber hinaus begleiten wir sehr gezielt individuelle Entwicklungswege.
Mit unserem Frauennetzwerk f.ernetzt schaffen wir einen Raum für Austausch und Sichtbarkeit. Hinzu kommen zahlreiche Maßnahmen rund um Vereinbarkeit, etwa im Rahmen unserer Zertifizierung gemäß dem Audit „berufundfamilie“ und – neu seit vergangenem Jahr –dem Audit „beruf&vielfalt“. Und nicht zuletzt arbeiten wir mit Step up an unserer Unternehmenskultur, indem wir Eigeninitiative, Veränderungsbereitschaft und Vertrauen stärken.
one: Unternehmenskultur ist ein gutes Stichwort. Denn die Forderung nach einem höheren Frauenanteil in Führungspositionen ist ja vor allem eine kulturelle Frage. Wie wirken wir auf die Kultur ein – und wo liegen die größten Hürden?
Daniela Büchel: Eine zentrale Herausforderung bleibt, dass Frauen weiterhin einen Großteil der Carearbeit übernehmen. Dazu kommen lange Arbeitszeiten, starre Schichten und Präsenzanforderungen, die Karrierewege erschweren.
Im Markt sind die Hürden besonders spürbar: Hohe Präsenz zu operativen Zeiten, frühe und späte Schichten und der Bedarf an Flexibilität belasten Frauen oft stärker. In der Zentrale wirken die Hürden anders – zum Beispiel durch viele Meetings, Reiseanteile oder Projektspitzen.
Wir arbeiten an all diesen Punkten, etwa durch die Weiterentwicklung flexibler Arbeitszeitmodelle, die auch im Markt Anwendung finden. Führung in Teilzeit oder im Co-Leadership unterstützt ebenfalls den Kulturwandel. Und mobiles Arbeiten schafft zusätzliche Möglichkeiten, Vielfalt zu fördern. Viele dieser Maßnahmen sind fest im aktuellen „berufundfamilie“-Audit verankert.
one: Und welche Erfolge können wir bereits feiern?
Daniela Büchel: Wir sehen klar, dass der Frauenanteil in Führung steigt – inzwischen liegen wir, wie gesagt, bei fast 45 Prozent und damit deutlich über vielen anderen Branchen. Auch auf den Leitungsebenen 2 und 3 nimmt der Anteil spürbar zu.
Ein weiterer Erfolg ist, dass wir auf nachhaltige Besetzungen setzen. Wir arbeiten bewusst nicht mit schnellen Symbolbesetzungen, sondern mit langfristigen Lösungen, die Frauen stabil in Führung bringen.
Strukturell sind wir ebenfalls weiter: In allen Geschäftseinheiten gibt es Ist/Soll-Analysen, aus denen passgenaue Maßnahmen abgeleitet werden. Ein jährliches Reporting sorgt dafür, dass wir transparent bleiben und aus dem Prozess lernen.
Und nicht zuletzt wirken unsere Förderinstrumente: Entwicklungsprogramme, die sich ausdrücklich an Frauen richten, erfreuen sich großer Beliebtheit. Das Netzwerk f.ernetzt schafft Sichtbarkeit, Austausch und unterstützt Frauen dabei, ihren Blick über den eigenen Bereich hinaus auszurichten. Und die Maßnahmen aus dem Audit „berufundfamilie“ unterstützen die Vereinbarkeit – ein entscheidender Baustein für mehr weibliche Karrierewege.
All das zeigt: Wir haben solide kulturelle Voraussetzungen geschaffen, auf denen wir weiter aufbauen können.








