
Debora Agelidu hat den Grundstein für ihr Familienunternehmen gelegt: Mit 57 Jahren, Zuversicht, Selbstbewusstsein, mit und für ihren Sohn hat sie sich die erfahrene REWE-Marktleiterin selbständig gemacht. Selbständigkeit ist für die Kölnerin nicht eine Sache des Mutes, sondern des Vertrauens in die eigenen Fähigkeiten als Führungskraft. Zum Beispiel: organisieren und kommunizieren. Und wer, so Agelidu, könne das besser als Frauen?
one: Frau Agelidu, Sie haben sich für die Selbstständigkeit entschieden mit einem Kölner REWE-Markt, den Sie viele Jahre erfolgreich geführt haben. Was hat für Sie den Ausschlag gegeben, diesen Schritt zu gehen?
Debora: Den Ausschlag gab nicht nur, aber auch, mein Sohn. Er hat seine Ausbildung bei REWE absolviert und arbeitet mittlerweile hier bei mir in der Filiale. Als ich hörte, dass Märkte privatisiert werden sollen, habe ich im November 2024 schon mal vorsorglich das Assessment Center durchlaufen. Ich dachte, wenn sich eine Gelegenheit ergibt und ich dann noch fit bin und Lust auf so ein Abenteuer habe – dann habe ich diesen „Führerschein fürs Unternehmertum“ schon mal in der Tasche. Im vergangenen Sommer erfuhr ich, dass meine Filiale ausgeschrieben ist. Und diese Filiale hier ist mein Baby. Und wenn mein Baby verkauft wird – und mein großes Baby, also mein Sohn, hier arbeitet… Für mich war das ein wunderschöner Zufall, und ich habe Interesse angemeldet.
one: Der Zufall kam Ihnen zu Hilfe. Aber Mut braucht es schon ?
Debora: Mut hatte ich schon immer. Als Quereinsteigerin weiß ich, wie viel und was ich leisten kann. Und dadurch, dass ich alleinerziehend war, habe ich viel Selbstvertrauen. Die Selbstständigkeit ist jetzt meine Möglichkeit, ein Familienunternehmen zu gründen und es an meinen Sohn weiterzugeben, ihm eine Zukunft sichern. Für eine Mutter kann es gar nichts Besseres geben. Es ist gut zu wissen, dass er in der Genossenschaft abgesichert ist. Überhaupt, diese Genossenschaft ist toll. Man muss das Rad nicht neu erfinden, man hilft sich gegenseitig, tauscht Erfahrungen und auch mal überzähliges Mehl aus. Ich bin dort nicht alleine, mein Netzwerk wächst und wächst.
one: Sie gehen mit 57 Jahren in die Selbstständigkeit…
Debora: …ein wunderbares Alter, in der Mitte meines Lebens. Mein Großvater und mein Urgroßvater sind beide über 100 geworden, ich habe gute Gene und ich fühle mich nicht alt. Und dieser Job hält jung und fit im Kopf: neue Technik, neues Fachwissen, neue Ideen, neue Produkte. Als Quereinsteigerin habe ich bei REWE so viel gelernt. Man muss immer offen sein, das Leben fließen lassen und sich einlassen auf das, was kommt.
„Als Quereinsteigerin habe ich bei REWE so viel gelernt. Man muss immer offen sein, das Leben fließen lassen und sich einlassen auf das, was kommt.“ Debora Agelidu
one: Viele Kolleginnen zögern vor dem Schritt, sich selbstständig zu machen, nur rund 20 Prozent der Kaufleute sind weiblich. Welche Argumente haben Sie für diesen Schritt?
Debora: Gegenfrage: Warum sollte ich überhaupt zögern? Sollte ich mich nicht lieber fragen: Was habe ich zu verlieren? Man kann doch nur dazulernen. Die meisten Frauen bleiben leider unter ihren Möglichkeiten. Viele trauen sich nicht. Dabei sind die meisten Frauen doch so gut organisiert. Sie schaffen Job, Haushalt, Kinder. Arbeit ist ja auch vor allem Organisation. Den Rest kann man lernen, Menschen zu führen, kann man lernen. Denn: Wer kommuniziert mehr, wir Frauen oder die Männer?
one: Was braucht es denn, um einen Markt erfolgreich zu führen?
Debora: Es braucht eine Leidenschaft für den Job, für Lebensmittel aber auch für die Arbeit mit dem Team, den Kontakt mit der Kundschaft. Für mich ist es genau das Richtige. Ich bin ein Mensch, der Menschen mag. Und ich bin Griechin. Ich liebe Lebensmittel.
one: Zum Abschluss die Frage: Was wollen Sie aus ihrer beruflichen Erfahrung Ihrem Sohn und künftigen Arbeitspartner mitgeben?
Debora: Ich möchte, dass er mit Spaß seine Arbeit macht. Und dass er weiß: Je mehr man gibt im Leben, umso mehr bekommt man zurück.

- Ausbildung zur Arzthelferin, gefolgt von einer Ausbildung zur Kosmetikerin. „Beides war nicht meins”. Es folgten 26 Jahre als Restaurantleiterin einer McDonald-Filiale, anschließend fünf Jahre als Leiterin einer Kodi-Filiale.
- Ab 2017: Marktleiterin im REWE to Go Kölner Hauptbahnhof und Hohe Straße (Kölner Stadtzentrum)
- Seit 2022 Marktmanagerin im REWE-Markt Widdersdorfer Straße, Köln-Ehrenfeld.
- 2026: Selbstständigkeit als REWE-Kauffrau.










