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ArticleId: 2773magazineViel wurde darüber berichtet wie Familien mit der Schließung von Kindergärten und Schulen umgehen. Doch was ist eigentlich mit Auszubildenden? Wie beeinflusst die Coronakrise ihren Ausbildungsplan und ihren Arbeitsalltag? Was hat sich mit Corona verändert?https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/a/b/csm_ausbildung-corona-zeiten_standard_teaser_9e3298d4ac.jpgAusbildung unter erschwerten BedingungenAzubis in der Corona-Zeit
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Azubis berichten über Corona-Zeiten

Ausbildung unter erschwerten Bedingungen

22.06.2020
von Judith Morgenschweis

Viel wurde darüber berichtet wie Familien mit der Schließung von Kindergärten und Schulen umgehen. Doch was ist eigentlich mit Auszubildenden? Wie beeinflusst die Coronakrise ihren Ausbildungsplan und ihren Arbeitsalltag? Was hat sich mit Corona verändert?

Eigentlich gar nicht so viel – zumindest wenn man Yannick Kirschen fragt. Der 21-Jährige macht eine Ausbildung zum Fachinformatiker Anwendungsentwicklung bei der REWE Systems. „Für mich hat sich im Vergleich zum Büro-Alltag nicht wirklich viel geändert. Ich habe auch schon vorher viel mit Kollegen via Teams telefoniert, da manche öfter im Homeoffice gearbeitet haben oder sogar in Spanien sitzen.“ Dazu kommt, dass bei der REWE Systems die Auszubildenden von Beginn an ins Team integriert sind. In der Praxis heißt das im Bereich Stammdatensysteme, „dass sie sich in ihrem Team täglich morgens kurz abstimmten, was bereits erledigt ist und was noch zu tun ist. Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Auszubildenden lernen selbstständig und eigenverantwortlich im Team zu arbeiten“, ergänzt Daniel Herche, Ausbildungsbeauftragter des Bereichs Stammdatensysteme. „Zudem kennen wir Yannick schon länger, daher hatte sich bereits eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt. 

„Mir fehlt das Mittagessen mit Kollegen“

Yannick Kirschen

Dennoch war der Umzug ins Homeoffice im Falle von Yannick Kirschen von einer Spur Skepsis begleitet: „Anfangs dachte ich, dass es mir zu Hause schwerer fallen würde, mich zu konzentrieren. Das hat sich dann aber zum Glück nicht bewahrheitet. Auch wenn ich es immer noch nicht gut finde an dem Ort zu arbeiten, an dem ich sonst entspanne, komme ich gut damit zurecht.“ Dennoch ist die Wahrnehmung des Homeoffices stark vom sonstigen Arbeitsumfeld geprägt. Während Kollegen, die an zentralen Schaltstellen sitzen, berichten, dass sie sich zu Hause besser konzentrieren können, stellte Yannick Kirschen fest, dass seine Konzentration im Büro deutlich höher ist. „Deshalb fahre ich jetzt, wann immer möglich, wieder ins Büro.“ Nur, dass dort eben auch nicht der gewohnte Büro-Alltag herrscht: „Mir fehlt das gemeinsame Mittagessen mit Kollegen, der anschließende gemeinsame Spaziergang oder der gelegentliche Austausch mit anderen Azubis und dualen Studierenden. Ich fand das immer sehr angenehm. Da können eine leere Kantine und die Ruhe wie auf einem Friedhof nicht wirklich mithalten.“ Eine wichtige Erfahrung nimmt er aus der Coronakrise mit: „Ich hoffe, dass uns allen klar ist, wie verdammt gut es uns vor der Krise ging. Und wie gut es uns auch jetzt noch geht. Sowohl in Deutschland, als auch bei der REWE Systems insgesamt.“

Auch Daniel Herche rechnet damit, dass sich einige Neuerungen des Ausnahmezustands etablieren werden: „Ich glaube unser Unternehmen hat die Herausforderung gut gemeistert. Die Krise wirkt wie eine Lupe - im Guten wie im Schlechten. Stärken und Fähigkeiten, die uns auszeichnen treten in den Vordergrund. Gleichwohl werden auch die Arbeitsabläufe sichtbar, die wir noch verbessern können. Eine große Hilfe war Microsoft Teams. Es ist eine gute Alternative zu den Präsenz-Meetings und vereinfacht die Organisation von Terminen erheblich, weil die Raumsuche entfällt. Das schafft Flexibilität und ist schon fast zu einfach, denn inzwischen verbringen viele Kollegen sehr viel Zeit mit Teams-Konferenzen.“

Unterm Strich, so Lennart Eick, der seit Anfang April die Auszubildenden und die und Dual Studierenden der REWE Systems im Bereich Nachwuchskräfte HR-Kompetenzcenter Zentrale betreut, habe sich gezeigt, dass die REWE Group die Situation gut gemeistert habe. Das Team um Martina Jalloh im HR-Kompetencenter Zentrale hat trotz Corona die passenden Fachbereiche für den jeweiligen Einsatz der Azubis und Dual Studierenden gefunden. „Deshalb halten wir auch an unserer Planung fest und werden alle Stellen, die wir vor der Coronakrise eingeplant hatten, besetzen. Das ist unser Anspruch - selbst wenn wir im nächsten Ausbildungsjahr immer noch im Homeoffice sein sollten", ergänzt Lennart Eick.

„Vorteil Hausunterricht“

Was im IT-Bereich noch recht gut zu organisieren war, stellte Auszubildende im Handel und deren Betreuer vor Herausforderungen. Denn hier gehörten Teams und Homeoffice noch nicht zum Alltag. Zudem fiel der Start des Lockdowns genau auf den Tag, an dem es einen Wechsel in den Berufsschulblöcken gab. 

Marvin Niklas Oberbach

Marvin Niklas Oberbach ist entspannt. Der angehende Groß- und Außenhandelskaufmann im ersten Lehrjahr hat gerade die Klausuren zu den Themen „Kaufmännische Steuerung und Kontrolle“ sowie „Wirtschafts- und Sozialprozesse“ hinter sich gebracht. Dabei war der Start in den Berufsschulblock holprig. Denn für ihn hätte am 16. März die Berufsschule losgehen sollen. Doch dann mussten alle Schulen schließen. Was tun? Die Schule behalf sich zunächst mit Aufgaben und Wochenplänen, die pro Fach ausgegeben wurden und durch Video-Calls ergänzt wurden. „Richtigen Online-Unterricht gab es erst nach den Osterferien“, so Marvin Niklas Oberbach. Ein Glück, dass es bei der REWE Group den Hausunterricht gibt. „Der zahlte sich für uns besonders aus, denn so war uns einiges von dem Stoff schon bekannt. Der Hausunterricht hat auch in der Berufsschule einen guten Ruf. Dort freuen sich die Lehrer, wenn die REWE-Schüler kommen.“ Der Ausfall der Berufsschule brachte zudem Zeit, die er sinnvoll einsetzen konnte. Deshalb meldete er sich sofort, als Helfer in den Märkten gesucht wurden. „Das war wirklich sehr spannend und hat mir auch für meinen Job weitergeholfen, denn ich war zuvor im Stammdatenmanagement eingesetzt. Im Markt sieht man sofort, war es wichtig ist, dass die Stammdaten korrekt sind.“ Aber auch sein Verständnis für die Mitarbeiter im Markt wurde geschärft: „Die Kunden war ganz schön nervös. Gerade als Einräumer wurde ich häufig gefragt, warum bestimmte Produkte nicht da sind. Und manche Kunden wurden auch laut, weil es kein Toilettenpapier gab.“ 

Anfang Juli geht es für ihn zurück in die Zentrale, den Bereich Ware. Das war für Patrick Tluczykont, der die Auszubildenden im Bereich Nachwuchskräfte HR-Kompetenzcenter Zentrale betreut, entscheidend: „Wir sind froh, dass wir für alle Auszubilden einen Einsatzort gefunden haben. Dafür möchte ich mich besonders bei den Ausbildungsbeauftragten bedanken. Für die Zukunft haben wir dabei auch im Blick, bei den technischen Voraussetzungen nachzubessern.“

Mehr zum Top Thema: NEU IM JOB WÄHREND CORONA

Der erste Tag in einem neuen Unternehmen: Doch wie gestalten sich die ersten Wochen im neuen Job, wenn Bürogebäude aufgrund der Coronakrise fast leer sind und Homeoffice angesagt ist?

„Glück im Unglück“

Was für Marvin Niklas Oberbach der erste Berufsschultag hätte sein sollen, war für Alicia Ayensa Lopez der letzte. „Ich hatte Glück im Unglück“, berichtet die 26-Jährige, die sich während der Prüfungsvorbereitung Zeit für ein kurzes Interview nimmt. „Unsere Berufsschule wurde am letzten Schultag geschlossen. So habe ich dort nichts verpasst. Allerdings fiel dadurch auch die individuelle Lernzeit für uns Prüflinge aus. Wir konnten zwar mit unseren Lehrern per Skype kommunizieren, aber das ist nicht dasselbe. Immerhin fand der hausinterne Unterricht bei der REWE Group statt. Das war eine große Hilfe.“

Alicia Ayensa Lopez

Auch organisierte die REWE Group Buying, dass die angehende Groß- und Außenhandelskauffrau wie geplant im Bereich Vollsortiment Trockensortiment 2 ihre Praxisphase antreten konnte, allerdings unter erschwerten Bedingungen: „Das war nicht leicht für meine Abteilung, denn außer mir mussten noch zwei weitere neue Kolleginnen eingearbeitet werden – und das alles in der Corona-Hochphase und aus dem Homeoffice.“ Nun bereitet sie sich auf ihre Prüfungen vor, was sich ebenfalls nicht wie geplant gestaltet: „Normalerweise finden zuerst die schriftlichen und etwa sechs Wochen später als die mündlichen Prüfungen statt. So weiß man, wie die Arbeiten ausgefallen sind und kann die Note durch die mündliche Prüfung noch versuchen zu verbessern. Zudem ist die mündliche Prüfung der eigentliche Abschluss der Ausbildung. Jetzt ist es bei einigen Absolventen umgekehrt: Sie werden erst mündlich und dann schriftlich geprüft. In meinem Fall findet nun die mündliche Prüfung nur wenige Tage nach der schriftlichen statt. Ich finde es schon schade, dass dies nun der Abschluss unserer Ausbildung ist.“

Das sieht die REWE Group genauso und plant eine Abschlussfeier, sagt Patrick Tluczykont: „Wir möchten Anfang nächsten Jahres mit allen Azubis ihren erfolgreichen Abschluss der Ausbildung feiern. Das haben sie verdient.“

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Die Coronakrise hat Arbeitsprozesse auf den Kopf gestellt. Kolleginnen und Kollegen berichten, was sie erlebt haben, was sie vermissen oder welche positiven Seiten sie der Situation abgewinnen können. Berichten auch Sie von Ihren Erfahrungen.

REWE Systems organisierte für Duale Studierende schnell den früheren Einstieg in die Praxisphase
„Wir mussten nicht improvisieren“

Als die Fachhochschule ihre Pforten von einem Tag auf den anderen schließen musste, fand Carmen Dercks, Duale Studentin der Wirtschaftsinformatik, schnell einen Platz im Bereich SAP Frontend & Cloud Solutions.

Carmen Dercks

Denn die Theoriephase an der Fachhochschule der Wirtschaft wurde kurzerhand um zwei Wochen verkürzt. Was tun? Carmen Dercks, seit September vergangenen Jahres Duale Studentin der Wirtschaftsinformatik bei der REWE Systems, hatte Glück, denn sie traf auf erfahrene Ansprechpartner im Unternehmen. Ausbilder Michael Wulff und Lennart Eick organisierten gemeinsam mit Mark Börner, Ausbildungsbeauftragter im Bereich SAP Frontend & Cloud Solutions einen früheren Einstieg in die Praxisphase. Zudem bekam sie mit Janis Burbach einen Kollegen als Mentor an die Seite. 

„Im Grunde mussten wir nicht improvisieren, denn der Einarbeitungsplan existierte bereits und eine Praxisaufgabe war schnell gefunden“, so Janis Burbach. Und Carmen Dercks ergänzt: „Der Plan enthielt zudem viele anschauliche Tutorials mit Lösungen, die ich auch weitestgehend alleine bearbeiten konnte. Zudem war Janis bei Fragen immer schnell für mich erreichbar.“ 

„Ein klarer Ausbildungs- bzw. Einarbeitungsplan bekommt im Homeoffice eine noch stärkere Bedeutung.“

Mark Börner

Dass die REWE Systems hinsichtlich des Dualen Studiums gut strukturiert und auch auf nicht vorherzusehende Herausforderungen vorbereitet ist, sieht auch Mark Börner als großes Plus: „Ein klarer Ausbildungs- bzw. Einarbeitungsplan bekommt im Homeoffice eine noch stärkere Bedeutung.“

Mark Börner

Zwei Dinge trugen dazu bei, dass Carmen Dercks auch über das mobile Arbeiten ohne Probleme im Bereich SAP Frontend & Cloud Solutions ankam. Erstens gehörten regelmäßige Team-Meetings zum Alltag und die Hürde, diese über Microsoft Teams zu organisieren, war schnell genommen. „Ein Tool, dessen Mächtigkeit uns schnell noch klarer wurde und dessen Möglichkeiten wir nun völlig selbstverständlich in den Arbeitsalltag integrieren“, erklärt Mark Börner. Inzwischen organisiert das Team zu Börners großer Freude virtuelle Mittagspausen und hin und wieder auch mal ein gemeinsames Teams-Feierabendbierchen. In der Zusammenarbeit mit Carmen Dercks haben sich zwei kurze Updatetermine in der Woche bewährt, in denen Mark Börner und Janis Burbach mit ihr den aktuellen Stand ihrer Einarbeitung und den Fortschritt ihrer Aufgabe besprechen. 

Zweitens war es das Bestreben, dass Carmen Dercks „zeitnah im Anschluss an die offizielle Einarbeitung eine Aufgabe bekam, die einen ganz praktischen Mehrwert für die Abteilung liefert“, so Mark Börner. „Da bei Carmen vom ersten Moment erkennbar war, dass Sie sehr engagiert, motiviert und selbständig arbeitet, war es einfach auf diesem Weg Wertschätzung mit praktischem Nutzen für uns zu verbinden.“

„Wenn auch die Distanz zu einigen Kollegen sicherlich größer geworden ist, hat sie sich zu vielen anderen Kollegen auch verkürzt.“

Janis Burbach

Daher hat sie bereits damit begonnen, eine App zur Unterstützung des Qualitätssicherungsprozesses zu programmieren. Die Applikation ermöglicht es den Kollegen der REWE Systems, eigenentwickelte Anwendungen zu dokumentieren, katalogisieren und über eine integrierte Checkliste sicherzustellen, dass Qualitätsstandards eingehalten werden. Dadurch soll es anderen Entwicklern auch möglich sein, sich schnell mit einer Anwendung vertraut zu machen.

Nebenbei musste Carmen Dercks während der Praxisphase noch vier Klausuren schreiben. Die wurden unter Corona-Bedingungen an mehreren Samstagen geschrieben, berichtet sie. „Grundsätzlich ist auch auf dem FH-Gelände das Tragen einer Maske Pflicht. Zudem bekamen wir im Vorfeld von der Fachhochschule einen Plan, auf dem jedem Studenten ein Raum und ein fester Sitzplatz zugewiesen wurde. Vor dem Gebäude wurde für jeden Prüfungsraum ein Wartebereich mit Abstandslinien markiert. Beim Betreten des Gebäudes, sprühte uns jemand reichlich Desinfektionsmittel auf die Hände. Erst dann durften wir hinein und den uns zugewiesenen Raum betreten. Am Platz selbst durften wir dann die Masken abnehmen.“ Ende Juni begann bereits die nächste Theoriephase. Die Vorlesungen werden jetzt online über Microsoft Teams abgehalten.

Janis Burbach

Bleibt noch die Frage, was das Team aus der Coronakrise für die Zukunft lernen kann: „Wenn auch die Distanz zu einigen Kollegen sicherlich größer geworden ist, hat sie sich zu vielen anderen Kollegen auch verkürzt. Vor allem der Kontakt zu den Fachbereichen ist meiner Meinungen nach enger geworden“, so Janis Burbach. Und Mark Börner ergänzt: „Grundsätzlich empfinde ich das Arbeiten bei räumlicher Distanz als sehr fokussiert und effizient. Man wird weniger abgelenkt und auch die Termine finden bemerkenswert diszipliniert und fokussiert statt. Sie starten nahezu immer pünktlich, man lässt sich aussprechen und hat in den meisten Fällen eine klare Vorstellung von der Zielsetzung. Ich habe das Gefühl, dass diese Art der Zusammenarbeit deshalb so gut funktioniert, weil wir es wirklich brauchen. Von daher sollten wir zukünftig öfter bzw. früher infrage stellen, ob wir bestimmte Strukturen, ein bestimmtes Vorgehen oder einen bestimmten Prozess wirklich benötigen.“

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