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ArticleId: 604magazineErst Abitur, dann Studium – so stellen sich die meisten Eltern den Werdegang ihrer Sprösslinge vor. Benedikt Egelkraut plädiert für mehr Mut zur Ausbildung und Wybke Reuther erklärt, warum es manchmal vernünftiger ist, ein wenig verrückt zu sein.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/f/1/csm_TT_0915_Ausbildungsmythen_mgt_standard_03e9674aeb.jpgVon Mutigen und VerrücktenAzubi-Plädoyer für Ausbildung
Benedikt Egelkraut
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Zwei Azubis plädieren für die Lehre
Ausbildung ist auch Bildung
von Wybke Reuther und Benedikt Egelkraut

Erst Abitur, dann Studium so stellen sich heute die meisten Eltern den Werdegang ihrer Sprösslinge vor. Aber ist das tatsächlich die richtige Laufbahn für alle jungen Menschen? Benedikt Egelkraut plädiert für mehr Mut zur Ausbildung, und Wybke Reuther erklärt, warum es manchmal vernünftiger ist, ein wenig verrückt zu sein.

von Benedikt Egelkraut // „Die beste Entscheidung meines Lebens“
„Als Azubi kann ich es nicht mehr hören: ,Es ist ja nur eine Lehre…‘ In der allgemeinen Gesellschaft wird die Lehrausbildung leider noch immer negativ dargestellt. Doch als aktueller Auszubildender und angehender Medienfachmann will ich es einfach nicht verstehen. Liegt es an den Medien? Den Vorurteilen? Mangel an Infos? Engstirnigkeit? Es ist mir ein persönliches Anliegen zu erläutern, wie wertvoll eine Ausbildung in einem Lehrbetrieb für das eigene Leben ist!

Man ist um die 14 Jahre alt, gerade aus dem Kindesalter. Die Pflichtschule ist vorbei. Was nun? Meines Erachtens ist man viel zu jung, um solch wichtige Entscheidung treffen zu können. Doch es bleibt einem nicht erspart. Prompt wird der Rat der Eltern eingeholt. Umfragen zufolge erhält man meist Antworten wie: ,Was interessiert dich, was willst du mal werden?‘ oder ,Eine ordentliche Schulausbildung musst du machen, damit etwas Vernünftiges aus dir wird!‘ Das stimmt nicht ganz, denn eine Lehrausbildung – wie der Name schon sagt – ist ebenfalls eine Bildung!

Und zur Antwort was man mal werden möchte, kann ich aus eigener Erfahrung berichten, dass zwar ein gewisses Wunschdenken vorhanden ist, man schlussendlich aber noch nicht in der Lage ist, sich hundertprozentig festzulegen. Daher macht man lieber das, was die Eltern erwarten.

So begann auch ich meine – aus Angst, ohne diese ,nichts‘ zu werden – Schulausbildung. An und für sich sehr spannend, nur machte es mich auf Dauer unglücklich, so viele Unterrichtsinhalte zu haben, die mich gar nicht begeisterten. Monat für Monat verließ mich meine Lernfreude und mir fehlte etwas – nicht nur die guten Noten. Ich war unausgelastet.

Das einzige Fach, welches mich fesselte, war Medientechnik. Also dachte ich mir: Irgendetwas muss es doch in diese Richtung geben! Siehe da, es gibt sogar einen eigenen Lehrberuf. Mit der Einstellung: ,Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg‘, kam ich zum Entschluss, mich für diesen Lehrberuf zu bewerben. Überglücklich bekam ich die Zusage von der Inhouse-Agentur der REWE Group Zentrale in Österreich, dem Werbestudio MARIAN.

Vor Beginn der Lehrzeit, hatte ich natürlich ein mulmiges Gefühl im Bauch. Ich war sehr jung und hatte gerade meine Schulausbildung abgebrochen. Es war eine schwere Phase und viele Sorgen plagten mich: Kann ich langfristig etwas erreichen? Wie sieht durch diese Entscheidung meine Zukunft aus? Bin ich abgestempelt als jemand, der nicht ehrgeizig genug ist? Heute kann ich mit Stolz sagen: Es war die beste Entscheidung meines Lebens – MUT ZUR LEHRE!

Eine langjährige Schulausbildung ist nun mal nicht jedermanns Sache. Daher meine Bitte an alle Eltern, deren Kind sich für einen Ausbildungsweg entscheiden muss: Zwingen Sie es zu nichts! Sprechen Sie mit Ihrem Kind über vorhandene Ausbildungsmöglichkeiten. Fragen Sie nach den Interessen. Wie die meisten Schulen einen Tag der offenen Tür anbieten, kann man auch bei Lehrbetrieben so genannte Schnuppertage absolvieren. Wenn Ihr Kind gerne einen Beruf erlernen möchte, der dort präsentiert wird, unterstützen Sie es dabei! Kein Ausbildungsweg ist falsch oder weniger wert als der andere. Nur was man gern macht, macht man gut!

Was mich persönlich sehr begeisterte war das Gespräch mit REWE Group-Vorstand Lionel Souque, bei der Redaktionskonferenz dieser one-Ausgabe.

Auch er bestätigte, dass eine Lehrausbildung genau so viel Wert ist, wie ein jahrelanges Studium. Er betonte auch, dass der Großteil der REWE Group Mitarbeiter/Innen, egal ob in den Filialen oder in der Geschäftsführung, eine Lehre absolviert haben.

Was ich jetzt schon mit Überzeugung im Beruf und fürs Leben gelernt habe: Erfolgreich sind diejenigen, die mit Interesse und vollem Einsatz an eine Sache herangehen. Welchen Weg sie bis zum Ziel gegangen sind, spielt keine Rolle.“

Vom Studium zur Ausbildung
„Placken“ statt Pauken

Eigentlich war für Wybke immer klar: Mit dem bestandenen Abitur in der Tasche geht es direkt an die Uni. Doch mitten im Achitekturstudium merkt sie, dass ihr Nebenjob bei PENNY ihr viel mehr Spaß macht. Entgegen vieler Ratschläge von außen entscheidet Wybke sich für die Ausbildung. Hier erzählt sie, warum sie das nie bereut hat.

Wybke Reuther

von Wybke Reuther //„Ich bin gern ein bisschen verrückt“
„,Manchmal ist es das Vernünftigste, einfach ein bisschen verrückt zu sein.‘ Das sagte meine Mutter mir, als ich feststellte, dass der Weg, den ich ging, nicht der war, den ich wollte. Früher dachte ich, alles wäre klar – Schule, Abitur, Studium. Und da saß ich nun, mitten im Architekturstudium und stellte fest: Halt, Stopp! Ich will das nicht!

Ich hatte Spaß an dem, was ich tat, keine Frage. Aber die Arbeit bei PENNY machte mir mehr Spaß. Schon während meiner Schulzeit arbeitete ich dort mit viel Leidenschaft und nach einer kurzen Pause zum Studienstart, zog es mich dorthin zurück. Also traf ich eine Entscheidung und brach das Studium ab. Ich gebe zu: Eigentlich hatte ich vor, das duale Studium bei PENNY durchzuziehen. Das hat nicht sein sollen. Und von allen Seiten hörte ich ,Du bist doch verrückt!‘ – ,Ein Studium für eine Ausbildung aufgeben? Das wirst du noch bereuen!‘ – und vieles mehr in dieser Richtung.

Im Nachhinein bin ich ganz froh darüber, wie es gelaufen ist. Ich stelle fest, wenn ich hart arbeite, weiterhin mit Leidenschaft meinem Job nachgehe und niemals aufhöre, an mir und meinen Fähigkeiten zu arbeiten, dann öffnet mir nicht ein Studium alle Türen – sondern ich selber. Wer kann schon von sich behaupten, dass er seine Studienzeit halbiert? Wenn ich fertig bin, habe ich 18 Monate investiert. Ohne ein Ende erreicht zu haben.“

Die Möglichkeiten sich weiterzubilden sind vielfältig. Auch dann noch, wenn man mittendrin ist. Derzeit mache ich den Handelsassistenten als Zusatzqualifikation. Danach folgt noch eine Weiterbildung. Und wenn ich wollte, könnte ich immer noch überlegen, ein Studium dran zu hängen.

Jetzt treffe ich viele Freunde, die gerade mit ihrem Studium fertig sind oder schon eine Weile ihren Abschluss haben - und auf der Strecke bleiben. Die wenigsten schaffen es, ein gutes Studium hinzulegen und gleichzeitig genug Praxiserfahrung zu sammeln. Doch leider fordern die meisten Unternehmen genau das. In Kombination mit einer großen Anzahl an Studierten, sorgt dies dafür, dass einige ihr Geld nun mit einem Job verdienen, für den sie ihr Studium nicht gebrauchen können. Ich habe allerdings schon beide Füße in der Tür – und muss nur noch durchgehen. Dafür bin ich gern ,ein bisschen verrückt‘.“

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