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ArticleId: 3311magazineAuch wenn es statt der zunächst geplanten zwei Wochen nur vier Tage waren: Den Einsatz im Flutkatastrophengebiet wird Björn Winterhalter wohl nie vergessen. Dabei hat der IT-Fachmann, der sich ehrenamtlich in der Feuerwehr engagiert, schon so einiges erlebt.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/7/f/csm_Fluthelfer_Winterhalter-main_standard_teaser_ccdc5e2f9c.jpgMit nichts vergleichbarFluthelfer Björn Winterhalter
Auf dem Weg ins Katastrophengebiet: der Feuerwehr-Konvoi aus Erlensee
Fluthelfer Björn Winterhalter
Mit nichts vergleichbar
von Achim Bachhausen

Auch wenn es statt der zunächst geplanten zwei Wochen nur vier Tage waren: Den Einsatz im Flutkatastrophengebiet wird Björn Winterhalter wohl nie vergessen. Dabei hat der IT-Fachmann, der sich ehrenamtlich in der Feuerwehr engagiert, schon so einiges erlebt.

Björn Winterhalter

In seinen 27 Jahren bei der Feuerwehr hat Björn Winterhalter so manchen Großeinsatz gehabt, einige sogar geleitet. Das Jahrhunderthochwasser an der Elbe war so ein Katastrophenfall. Oder ein Großbrand in seiner Heimatstadt Erlensee, als Hunderte Wehrleute drei Tage gegen die Flammen kämpften. „2017 war das und bis dahin das größte Schadensereignis, an das ich mich erinnere“, sagt er rückblickend. 
Doch sein jüngster Einsatz sollte alles Dagewesene in den Schatten stellen. In one schildert Winterhalter das Erlebte, wobei er großen Wert auf die Feststellung legt, dass er nur einer von vielen Helferinnen und Helfern war.

„Am 15. Juli, einem Donnerstag, wurden wir vom Kreisbrandinspektor der Main-Kinzig-Kreises mit einer Vorlaufzeit von 30 Minuten für 11.30 Uhr zu einer Online-Dienstversammlung via Teams eingeladen. Dort ging es darum abzuklären, wer im Flutgebiet an der Ahr helfen kann. Es meldeten sich mit mir sechs Leute für einen 14-tägigen Einsatz. Also hieß es: schnell Sachen packen, Verpflegung und Ausrüstung organisieren, mit den Arbeitgebern die kurzfristige Freistellung abklären, denn schon um 15.30 Uhr starteten die Helfer des Katastrophenzuges des Main-Kinzig-Kreis vom Treffpunkt Freigericht.

Es galt, sich gegen 17 Uhr mit dem Einsatzverband Hessen mit circa 900 freiwilligen Helfern von Feuerwehr, Rettungsdiensten und Feuerwehren an der Autobahnraststätte Medenbach zu vereinen. Um 23 Uhr kamen wir in der zentralen Sammelstelle, der Messe Düsseldorf an, von wo wir um 4.30 Uhr am nächsten Morgen nach Erftstadt, unserem Einsatzort, fuhren. Dort haben wir bei der Schadenserhebung und der Evakuierung der Bewohner geholfen. Der Ort ist auf absehbare Zeit nicht bewohnbar. Daher mussten zu dem Zeitpunkt noch etwa 200 Menschen evakuiert werden. Am zweiten Tag, dem Samstag, war unser Zug in Stolberg eingesetzt. In der Stadt war ein Damm gebrochen, die drei bis vier Meter hohe Flutwelle hatte viel verwüstet. Eine Erdgasleitung war zerstört, der ganze Ort war ohne Wasser und Strom. Wir haben den Unrat weggeräumt und einige Keller leergepumpt. Danach haben wir erfahren, dass unser Einsatz beendet war. Wir fuhren zurück zum Aufstellplatz auf dem Düsseldorfer Messegelände. Ich war sehr überrascht, dass es schon vorbei ist und fand es ein bisschen schade, denn wir hatten uns ja auf zwei Wochen eingestellt. Aufgrund des Ausmaßes der Schadenlage und den vielen Zerstörungen, die noch zu beheben waren, war es für uns alle unbegreiflich, dass der Einsatz für die Helfer aus Hessen beendet wurde.“

„Der Einsatz war mit nichts vergleichbar. Ganze Häuser und Straßenzüge sind weg.“
Björn Winterhalter

Winterhalters Erklärung für das abrupte Ende: Das Land NRW hatte den Katastrophenfall für beendet erklärt und damit auch den Einsatz der Helfenden aus anderen Bundesländern gestoppt. Die weiteren Hilfsmaßnahmen werden seitdem über die einzelnen Landkreise und Kommunen organisiert.

So sachlich-nüchtern der 45-Jährige von seiner Zeit im Flutgebiet auch berichtet – im Gespräch wird spürbar, dass sich die wahre Dimension der Zerstörung erst nach und nach erschließt. Vor Ort im Einsatz konzentrierte sich der Feuerwehrmann auf die gerade notwendige Arbeit. 

...und plötzlich ist die Straße weg. Das Ausmaß der Überschwemmung ist nur schwer zu fassen (Fotos: Björn Winterhalter)

Mit welcher Wucht das Wasser über die Bewohner hereinbrach, verdeutlicht eine Begegnung, die Winterhalter besonders in Erinnerung geblieben ist: „Ich stand in einem von der Flut heimgesuchten fensterlosen Keller und fragte den Hausbesitzer, wie das Wasser hier hereingekommen sein könne, wo es doch keine Fenster gab. Daraufhin führte mich dieser ins Erdgeschoss seines Hauses, das ebenfalls voller Schlamm war. Da war mir klar: Das Wasser musste vom Erdgeschoss in den Keller geströmt sein.“

Jeder hilft jedem 

Bereit zum Einsatz: Stefan Reichholt, Björn Wagener, Kevin Paulus, Thomas Wacker, Moritz Botte und Björn Winterhalter (v.l.) von der Freiwilligen Feuerwehr Erlensee vor der Abfahrt

Bei aller Tragik: Für Winterhalter bleibt auch das Positive im Gedächtnis. „Es gab eine sehr starke Hilfsbereitschaft unter den Nachbarn, der Zusammenhalt in den einzelnen Kommunen war sehr groß. Beeindruckt hat mich auch, wie viele junge Menschen angepackt haben und fremden Menschen geholfen haben.“ Auch die Zusammenarbeit der verschiedenen Hilfsorganisationen wie THW, Feuerwehr und Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) fand er beachtlich. „Es ging alles Hand in Hand, das war angesichts der kurzen Vorlaufzeit beachtlich“, so sein Fazit.

Den aktuellen Spendenstand der Mitarbeiter:innen-Spenden für betroffene Kolleg:innen sowie alle Informationen, wie Sie selbst helfen können, finden Sie hier.

Zur Person

Björn Winterhalter, 45, ist Hauptbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr und Leiter der Freiwilligen Feuerwehr der Stadt Erlensee bei Hanau. Hauptberuflich leitet er die IT-Abteilung der REWE-Produktionsbetriebe Glockenbrot und Wilhelm Brandenburg.

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