
Hitzewallungen im Meeting, Schlafmangel vor wichtigen Terminen: Berufstätigkeit trifft auf Wechseljahre. Gesundheitsmanagerin Katharina Galeazzi kennt die Herausforderungen – sowohl für betroffene Frauen als auch für Führungskräfte. Sie ist überzeugt: Lösungen lassen sich am besten gemeinsam finden.
one: Frau Galeazzi, die Wechseljahre verlaufen bei jeder Frau anders. Die einen haben starke Beschwerden, andere hingegen gar keine. Woher wissen Frauen eigentlich, dass ihre Beschwerden wechseljahresbedingt sind?
Katharina Galeazzi
Katharina Galeazzi: Grundsätzlich gibt es keinen Kausalzusammenhang, dass bestimmte Beschwerden zwingend mit den Wechseljahren einhergehen. Aber ein Großteil hat eben doch leichte bis schwere Beschwerden. Wenn also das Alter einigermaßen passt und keine Erkrankung vorliegt, sollte frau in Richtung Wechseljahre denken. Wichtig ist, wie gut die Frau informiert ist: Je mehr ich selbst über diese Phase weiß, desto eher kann ich meine Symptome einordnen. Auf der sicheren Seite sind Frauen mit einem Arztbesuch. Glücklicherweise wird das Thema mehr und mehr aus der Tabuzone geholt.
one: Nur als Beispiel: Schlaflosigkeit in der Nacht wirkt sich sicherlich auf die Leistungsfähigkeit am Tag aus. Wie kommunizieren betroffene Frauen das Thema Vorgesetzten gegenüber?
Katharina Galeazzi: Auch wenn der erste Schritt nicht einfach ist: Frauen sollten offen darüber sprechen, wie es ihnen geht und keine Scheu davor haben, damit Schwäche zu zeigen. Im Gegenteil: Wer sagen kann: „Mir geht es gerade nicht gut.“, zeigt Stärke, Selbstreflexion und Selbstfürsorge.
Als Führungskraft wiederum gehört es zu meiner Verantwortung, betroffene Frauen zu stärken, anstatt sie auszubremsen. Wenn ich als Führungskraft merke, dass es einer Mitarbeiterin nicht gut geht, ihre Leistungen vielleicht unbeständiger werden und sie von sich selbst aus nicht das Gespräch sucht, dann sollte ich auf sie zugehen. Eine gute Führungskraft nimmt Veränderungen wahr und sorgt grundsätzlich für eine Arbeitsatmosphäre, die den Mitarbeitenden signalisiert: Wir können über eure Anliegen sprechen. Ob kranke Kleinkinder, pflegebedürftige Angehörige oder eben Wechseljahre.
one: Was können die Führungskräfte, was die Frauen tun? Wie lassen sich Lösungen finden?
Katharina Galeazzi: Am besten gemeinsam. Wichtig ist festzuhalten, dass die Verantwortung auf beiden Seiten liegt: Stichworte Selbstfürsorge und Verantwortung als Führungskraft. Die Führungskraft kann nicht erwarten, dass eine Mitarbeiterin in dieser herausfordernden Lebensphase genauso gut „funktioniert“ wie immer. Fingerspitzengefühl ist dann ebenso gefragt wie lösungsorientiertes Denken – und zwar im Blick auf das gesamte Team. Vielleicht sind Homeoffice-Anteile denkbar, Teilzeitarbeit oder eine Verschiebung der Arbeitszeiten in den Nachmittag, beispielsweise wenn die Morgenstunden aufgrund nächtlichen Schlafmangels für die Mitarbeiterin schwierig sind.
Auf der anderen Seite sind aber auch die Frauen in der Verantwortung, Stichwort Selbstfürsorge und Prävention: Was kann ich selbst tun, damit es mir besser geht? Viele holen sich ärztliche Unterstützung. Aber vor allem kann ein ausgewogener Lebensstil helfen: Bewegung, gesunde Ernährung, eine gute Schlafroutine, Stressausgleich…
Zudem engagiert sich die REWE Group als Arbeitgeber in vielfältiger Weise und bietet den Mitarbeitenden qualifizierte Anlaufstellen; hier kann ebenfalls Unterstützung gefunden werden.
one: Wie können Frauen einen optimistischen Blick auf die Veränderungen behalten, die Wechseljahre mit sich bringen?
Katharina Galeazzi: Die Wechseljahre haben durchaus auch gute Seiten. Voraussetzung ist, dass ich den Wandel akzeptiere – es ist ja eh nicht zu ändern. Humor und Gelassenheit helfen auch. Und nicht zu vergessen: Viele Frauen gewinnen mehr Freiheit, wenn die fruchtbaren Jahre vorbei und die Kinder aus dem Haus sind. Sie setzen den Fokus wieder verstärkt auf sich selbst. Hilfreich ist sicher auch, die Wechseljahre so zu betrachten: Sie markieren den Beginn der zweiten Lebenshälfte und wir haben noch vierzig Jahre vor uns. Und auch im Beruf haben wir im Durchschnitt noch 15 Jahre Zeit, durchzustarten– das sind doch Gründe zu feiern, auch für Führungskräfte...
Katharina Galeazzi ist seit rund 30 Jahren Trainerin und Beraterin für betriebliches Gesundheitsmanagement, Schwerpunkt Führungskräftetraining, bei Motio GmbH.
Dienstag, 28.4. um 14 Uhr
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Wechseljahre sind keine Krankheit. Sie sind eine Phase im Leben einer Frau - und jede Frau erlebt sie anders. Denn wann sie beginnen, wie sie verlaufen und wie lange sie dauern, ist so individuell wie jede einzelne selbst. Auch wenn sie keinem festen Schema folgen, lassen sich die Wechseljahre in verschiedene Phasen unterteilen. Die auftretenden Symptome und Beschwerden werden durch die Schwankungen der Hormone – im wesentlichen Östrogen und Progesteron – hervorgerufen.
Prämenopause
Phase vor den Wechseljahren. Der Zyklus ist meist noch regelmäßig, die Länge verändert sich jedoch. Zwischenblutungen, Stimmungsschwankungen, Wassereinlagerungen oder Kopfschmerzen können Anzeichen sein.
Perimenopause
Übergangsphase rund um die Menopause. Hormonspiegel schwanken stark, der Zyklus wird unregelmäßig, zu den Beschwerdeklassikern gehören Hitzewallungen und Gewichtszunahme.
Menopause
Bezeichnet den Zeitpunkt der letzten Regelblutung im Leben einer Frau. Sie wird rückblickend festgestellt, wenn 12 Monate lang keine Menstruation mehr aufgetreten ist. Die Menopause ist also keine Phase, sondern ein festgelegter Zeitpunkt in den Wechseljahren.
Postmenopause
Zeit nach der Menopause. Die Menstruation bleibt dauerhaft aus, der Körper stellt sich auf den neuen Hormonstatus ein. Einige Beschwerden nehmen ab, leider aber auch die Muskelmasse. Das Risiko für Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt hingegen.
Wann geht’s los?
Frauen erleben die Menopause durchschnittlich im Alter von 51 bis 52 Jahren, jedoch wird etwa 1 % der Frauen bereits im Alter unter 40 Jahren davon überrascht, eine von tausend Frauen sogar unter 30 Jahren. Rauchen sowie Diabetes (Zuckerkrankheit) und andere chronische Erkrankungen können die Menopause um circa zwei Jahre früher eintreten lassen, auch gibt es Ähnlichkeiten zwischen dem Menopause-Alter von Müttern und Töchtern.
Wie fühlt sich´s an?
Acht von zehn Frauen erleben in den Wechseljahren Beschwerden, vor allem Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Etwa ein Drittel hat schwere Symptome, welche die Lebensqualität und die Funktionsfähigkeit im Beruf und Alltag stark einschränken. Zu diesen Symptomen gehören Schlafstörungen, Gelenkschmerzen und Trockenheit der Schleimhäute. Häufig sind Angst, Reizbarkeit, Herzklopfen oder Herzrasen, Hauttrockenheit oder Müdigkeit.
• Von Kolleg:innen für Kolleginnen: Die Multiplikator:innen von LoS! sind speziell geschult für die Anliegen der Kolleg:innen. Außerdem haben sie viele Handlungshilfen und konkrete Anlaufstellen für weitere Beratung parat. Unter LoS! - Lebensphasenorientierte Selbsthilfekompetenz : REWE Group inside finden sich im Intranet hilfreiche Broschüren, u.a. die Handlungshilfe Menopause. Wer ein persönliches Anliegen hat, wendet sich per Mail an: losrewe-groupcom.
• Mitarbeiter:innen und Führungskräften steht – vertraulich und kostenfrei - eine psychosoziale Beratung durch BG Prevent zur Verfügung, alle Details unter: Psychosoziale Beratung
• Den direkten Kontakt mit Gynäkologinnen gibt es hier: frauenärzte-im-netz.de,
• Infos sowie weiterführende Links gibt es unter menopause-gesellschaft.de








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Als Betroffene fühle ich mich hier gut abgeholt und informiert. Vielen Dank, auch für die BG Prevent Angebote. Schön, dass dieses Thema hier offen und überhaupt besprochen wird.