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ArticleId: 1375magazineSprechen wir über ... Internationalität: Dazu kann Jan Wapelhorst, seit Anfang 2017 verantwortlich für den Bereich Eigenmarken Einkauf International, eine Menge erzählen. Acht Mal ist er in den vergangenen elf Jahren umgezogen – meist über Ländergrenzen hinweg.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/f/7/csm_Portrait_Wapelhorst_team_mgt_st_d6108b1571.jpgDer LändersammlerEinkäufer Jan Wapelhorst
Jan Wapelhorst (Mitte) und sein Team vom Eigenmarken Einkauf International, v.l.: Tobias Frenken, Verena Köster, Sarah Mähler und Dustin Spitz (Foto: Achim Bachhausen/REWE Group)
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Einkäufer Jan Wapelhorst
Der Ländersammler
von Stefan Weber

Jan Wapelhorst, 34, ist schon viel herumgekommen. Ein Studium in England, Jobs in Amerika und Irland und Jahre, in denen 60 Auslandsflüge normal waren. Der Familienvater mag es, über den Tellerrand zu schauen. Gute Voraussetzungen für die Aufgabe, die er zu Jahresbeginn 2017 für die REWE Group übernommen hat: Wapelhorst verantwortet den Bereich Eigenmarken Einkauf International. Was also liegt näher, als mit ihm über Internationalität zu sprechen?

Das Gespräch ist der Auftakt einer neuen Interview- und Porträt-Serie in one – in den kommenden Monaten werden wir mit zahlreichen Kollegen über Themen sprechen, die sie prägen – ob beruflich oder privat. Lassen Sie sich überraschen!

one: Herr Wapelhorst, wie oft sind Sie schon umgezogen?
Jan Wapelhorst: Da muss ich überlegen. Mehr als zehn Mal sicher, davon acht Mal in den vergangenen elf Jahren. Ich freue mich, dass jetzt ein wenig Ruhe eingekehrt ist, was Umzüge betrifft. Seit vier Jahren wohne ich mit meiner Frau in Köln. Vor gut zwei Jahren wurde unsere Tochter geboren.

one: Wie viele Jahre haben Sie im Ausland gelebt?
Jan Wapelhorst: Sechs Jahre. Die meiste Zeit in Großbritannien, aber auch in Irland und Amerika. Bevor ich zu REWE nach Köln gewechselt bin, habe ich zwei Jahre in Dublin gewohnt. Möbliert. Da war der Umzug unproblematisch.



Sprachenlernen ist Disziplin und Fleiß, sagt Jan Wapelhorst. Er hat ein bilinguales Abitur gemacht und in der Schule neben Latein auch Französisch gelernt. Später kamen noch Italienisch und Spanisch dazu. Weil er als Jugendlicher so gerne Filme mit Jackie Chan guckte, wollte er wissen, was die chinesischen Schriftzeichen im Vorspann bedeuten – und begann mit 14 Jahren Chinesisch zu lernen. Auf die Idee, sein Sprachtalent zum Beruf zu machen, ist er nie gekommen. Nach der Schule machte er zunächst eine kaufmännische Ausbildung bei Daimler.


Jan Wapelhorst (Foto: Achim Bachhausen)

one: Sie haben in Plymouth International Business studiert. Welche Eindrücke haben Sie aus England mitgenommen?  
Jan Wapelhorst: Die Lernkultur dort ist ganz anders. Man muss selbstständiger arbeiten. In Deutschland denken wir oft, es gebe nur zwei Perspektiven, richtig oder falsch. In England habe ich gelernt, dass es oft auch etwas dazwischen gibt. Und dass es wichtig ist, auch einmal andere Sichtweisen einzunehmen. Nicht zuletzt können sich viele Deutsche beim Thema Höflichkeit von den Briten einiges abgucken. Da heißt es immer: danke, bitte.

one: Trotzdem wollten Sie nach dem Studium nicht in Großbritannien bleiben.
Jan Wapelhorst: Mein Traum war Amerika. Bei Lufthansa Cargo in Atlanta habe ich einen tollen Job gefunden. Privat war das allerdings ein Dilemma. Meine damalige Freundin und heutige Frau arbeitete zu der Zeit in Mexico bei VW. Da mussten wir viel pendeln.

one: Wie kommt man auf die Idee in den Handel zu wechseln, wenn man zuvor in der Automobilindustrie und Luftfahrt gearbeitet hat?
Jan Wapelhorst: In den USA bin oft Stunden durch die riesigen Shoppingcenter gelaufen, habe Angebote verglichen und geschaut, wo die Waren herkommen. Insbesondere Lebensmittel. Da kam mir erstmals die Idee: Das könnte auch eine Branche sein, in der ich mich beruflich wohlfühle. Als mein US-Visum nach neun Monaten abgelaufen war, habe ich mich bei Lidl in Neckarsulm beworben – mit der Perspektive im Ausland zu arbeiten.


one: So schnell war der Traum USA ausgeträumt?   

Jan Wapelhorst:
Das Visum zu verlängern, wäre schwierig geworden. Aber auch in der  kurzen Zeit in Amerika habe ich eine Kultur erlebt, die mir bis heute sehr hilft: der große Optimismus im Business. Das Glas ist dort immer halb voll. Und es geht ständig ums Gewinnen. Nicht umsonst gibt es in USA in keiner wichtigen Sportart ein Unentschieden. Und noch eine für das Geschäft sehr förderliche Denke habe ich dort gelernt: Zwischen Sache und Person zu trennen. Man kann den anderen mögen, aber man muss deshalb in der Sache nicht derselben Meinung sein.

one: Für Lidl wechselten Sie als verantwortlicher Einkäufer nach Dublin.

Jan Wapelhorst:
Toller Job, tolle Stadt. Nur privat war das wieder schwierig. Denn inzwischen war meine Freundin beruflich nach Chicago gewechselt. Da bin wegen der Zeitverschiebung meist  morgens um halb fünf aufgestanden, um mit ihr zu skypen. Danach ging es für mich zur Arbeit, und bei ihr war Schlafenszeit. Das ging nur mit viel Ehrgeiz, Disziplin und Begeisterung.

one: Wer auf wechselnden Stationen im Ausland ist, schlägt nirgendwo Wurzeln. Ein Problem?
Jan Wapelhorst: Das stimmt. Aber man gewinnt Erfahrungen und kann dann auf breiter Basis entscheiden, wo es langfristig hingehen soll. So haben meine Frau und ich das gehandhabt. Sie kam aus Chicago, ich aus Dublin – wir haben in Bremen geheiratet und sind dann in Köln gelandet, weil mich ein Headhunter für einen Job bei der REWE Group angesprochen hatte.

Atlanta - kurze Zeit Wohn- und Arbeitsort von Jan Wapelhorst (Foto:SeanPavonePhoto - Fotolia)


Mitte 2012 hat Jan Wapelhorst als Senior Einkäufer bei Penny International angefangen. Gereizt hat ihn unter anderem der starke Fokus des Unternehmens auf Ost- und Südeuropa, eine Region, mit der er zuvor wenig zu tun hatte. Das Geschäft dort stellt besondere Anforderungen. Rumänien und Bulgarien gehören zu den ärmsten Regionen in Europa. Bei einem Durchschnittseinkommen von wenigen hundert Euro können sich die Menschen dort vergleichsweise wenig leisten. Wapelhorst ist in dieser Zeit viel gependelt – 60 Flüge im Jahr waren normal.


one: Seit Jahresbeginn 2017 sind Sie für den neu gegründeten Bereich Eigenmarken Einkauf International verantwortlich und schauen mit Ihrem Team SGE-übergreifend auf die gesamte REWE Group. Welche Vision steckt dahinter?
Jan Wapelhorst: Wir sind die strategische Steuerungseinheit zwischen dem operativen Einkauf und den SGEn. Wir prüfen zunächst das Bündelungspotential und entscheiden dann gemeinsam, wie wir die jeweiligen Sortimentsbedürfnisse so weiterentwickeln können, dass es wirtschaftlich Sinn macht. Unser Ziel ist, innerhalb der nächsten drei Jahre den größtmöglichen Anteil an Eigenmarkenartikeln innerhalb der REWE Group zu bündeln – ohne dabei die Kundenwünsche aus dem Blick zu verlieren. Dabei helfen mir die Erfahrungen, die ich zuvor im Ausland gesammelt habe.

one: Bei internationalen Eigenmarken denken viele in der REWE Group an MaximalG  oder today. Geht es darum, diese beiden länder- und SGE-übergreifend funktionierenden Marken zu multiplizieren?

Jan Wapelhorst:
Nein. MaximalG und today sind Leuchtturmprojekte. Wir sehen, dass solche Marken funktionieren, aber wir müssen vorsichtig sein. Die Idee ist nicht, Eigenmarken zu entwickeln und sie dann länderübergreifend über alle Vertriebsformate hinweg durchzudrücken. Es wird weiter nationale Sortimentsstrategien geben und die Verantwortung für die Sortimentssteuerung verbleibt in der Verantwortung der SGE, denn die Kundenbedürfnisse sind oft sehr unterschiedlich. Aber internationale Qualitäten, die überall gleich sind und die auch der Wettbewerb gleich spielt, fassen wir zusammen und kaufen gebündelt ein. Der Handel ist international, also handeln wir international.

one: Wie muss denn zum Beispiel eine Verpackung aussehen, die über Landesgrenzen hinweg akzeptiert wird?

Jan Wapelhorst:
Nehmen wir das Beispiel Süßigkeiten. Da gibt es ohnehin große Brands wie Mars und Mondelez mit unterschiedlicher Sprachausstattung auf den Verpackungen. Das hat der Verbraucher gelernt. Englisch und oder Deutsch steht immer auf der Frontseite. Auf der Rückseite wird geclustert. Für PENNY in Osteuropa etwa: Tschechisch, rumänisch und ungarisch. Wenn eine Verpackung über mehrere Ländergrenzen akzeptiert wird, ist das auch für den Lieferanten attraktiv. Er hat größere Stückzahlen und muss die Maschinen nicht so häufig umrüsten. So lässt sich für den Einkauf ein verbesserter Stücknutzen realisieren.

one: Worauf muss man besonders achten, wenn man Marken vereinheitlicht?
Jan Wapelhorst: Man sollte sich hüten zu glauben, eine Qualität passe pauschal überall. Wichtig ist auch, die Verantwortlichen vor Ort in die Diskussionen miteinzubeziehen. Wir wollen Entscheidungen auf Basis großer Mehrheiten treffen. Getreu dem Motto: Gemeinsam bündeln, gemeinsam stark. Deshalb machen wir viele Eigenmarken-Checks, in denen wir eine Warenkategorie, zum Beispiel Säfte, jeweils sehr intensiv auf ihre Position im Wettbewerb und ihr Potential abklopfen. Bis Ende nächsten Jahres führen wir 48 solcher Checks durch.

one: Verbraucher und Politiker in einigen osteuropäischen Ländern behaupten, in ihren Ländern würden Lebensmittel gleicher Marken und Namen in schlechterer Qualität verkauft. Gibt es tatsächlich unterschiedliche Rezepturen für Produkte gleicher Marken und Namen und West- und Osteuropa?

Jan Wapelhorst: Diese Vorwürfe kommen vor allem aus Ländern, die sehr aktiv sind, um ihre heimische Wirtschaft zu schützen. Die EU-Gesetzgebung verbietet es, Verbraucher in die Irre zu führen. Aber es gibt keine Verpflichtung, Produkte marktübergreifend mit den gleichen Zutaten anzubieten. Solange im Produkt das drinsteckt, was auf der Verpackung steht, ist rechtlich alles in Ordnung.

one: Das heißt, ein Produkt gleicher Marke und gleichen Namens kann durchaus mit unterschiedlichen Rezepturen produziert werden - etwa, weil sich die Geschmäcker in West- und Osteuropa unterscheiden?

Jan Wapelhorst: Ja, es gab in der Vergangenheit Produzenten, die die Rezepte ihrer Produkte angepasst haben. Inzwischen verfügen aber viele Hersteller über eigene Produktionsstätten in Osteuropa. Dort wird in einheitlicher Qualität produziert - für West- und Osteuropa.

one: Wie ist das bei den Eigenmarken der REWE Group?

Jan Wapelhorst: Wir möchten uns mit unseren Eigenmarkenqualitäten konsequent europaweit positionieren. Entsprechend zielbewusst gehen wir in unseren Eigenmarken-Checks vor. Da hat die internationale Bündelung sogar einen politischen Nutzen.

Prag - wichtiger Standort für die REWE Group in Osteuropa (Foto: chalabala - Fotolia)


Geschmäcker sind oft von Land zu Land verschieden. Das macht es nicht immer leicht, Marken zu bündeln. In Osteuropa beispielsweise hat die traditionelle Küche einen hohen Stellenwert. Auch wir in Deutschland essen Dinge, die im Ausland schwer zu verkaufen sind, zum Beispiel Vollkornbrot. Unterschiedliche Vorlieben gibt es auch bei Kaffee. In Deutschland ist vor allem die Sorte Arabica gefragt. Italiener mögen eine Mischung aus Arabica und Robusta, eine sehr intensive Bohne mit hohem Koffeingehalt, und in Osteuropa wird bevorzugt Robusta-Kaffee getrunken. 
Auch bei Non Food gibt es nationale Besonderheiten. Etwa bei Waschmitteln: Deutsche Verbraucher haben gelernt, auf die Waschleistung zu schauen. Sie schätzen konzentrierte Gebindeinheiten. Dagegen portionieren die Menschen in Süd- und Osteuropa Waschmittel eher nach Gefühl. Sie bevorzugen große Verpackungen statt Konzentrate.


one: Wie häufig sind Sie im Ausland?
Jan Wapelhorst: Deutlich weniger als früher. Vielleicht komme ich auf 15 Flüge im Jahr. Aber ich bin ja auch runter vom operativen Stuhl und arbeite nun mehr strategisch.

one: Urlaub machen Sie dann zum Ausgleich heimatnah mit dem Auto…..?
Jan Wapelhorst: Ja, tatsächlich. Wir fahren seit Jahren immer wieder auf die Insel Langeoog. Die ist autofrei. Da herrscht Ruhe, das ist absolut entspannend und auf dem Rückweg kann man gleich noch die Familie in Bremen besuchen. Toll finden wir aber auch Mallorca. Fernreisen reizen uns nicht mehr so sehr….

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