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Corporate Happiness-Geschäftsführer Oliver Haas im Interview

„Verbunden zu sein und zu wachsen, mehr braucht der Mensch nicht zum Glück“

23.01.2019
von Sebastian Amaral Anders

Was macht uns im Job glücklich? Dienstwagen und Gehaltserhöhung sind es nicht, sagt Corporate Happiness-Gründer Oliver Haas. Tatsächlich suchen wir nach Erfahrungen aus unserer Kindheit, die uns auch im Berufsleben Erfüllung bringen sollen.

one: Glück im Job ist doch ganz einfach: Mehr Gehalt, ein schicker Dienstwagen und ein Aufstieg auf der Karriereleiter. Das müsste Mitarbeiter doch glücklicher machen, oder?
Oliver Haas: Nein. Menschen gewöhnen sich sehr schnell an solche äußeren Faktoren: Geld auf dem Bankkonto, Status, Wohnort. Alles, was unser Leben von außen beeinflusst, trägt nur rund zehn Prozent zum Happiness-Level bei. Klar freut man sich in dem Moment, wenn der Chef eine Gehaltserhöhung mitteilt. Aber in wenigen Wochen hat man sich daran gewöhnt und ist wieder auf dem gleichen Niveau wie zuvor.

one: Wir suchen also an der falschen Stelle nach dem Glück?
Oliver Haas: Genau. Das gilt auch für viele Führungskräfte oder Unternehmen. Worum es vielmehr geht, ist persönliches Wachstum zu ermöglichen und Mitarbeiter zu unterstützen, auf ihrem Weg zu einem erfüllten Leben persönlich an sich zu arbeiten. Diese Art der Weiterbildung ist in vielen Unternehmen noch nicht etabliert. Im Fokus stand immer die fachliche Qualifikation.

one: Wie weckt man diese Potenziale bei Mitarbeitern?
Oliver Haas: Da lohnt ein Blick in die USA, wo sich seit den 1990er Jahren die Positive Psychologie weiterentwickelt hat. Jahrzehntelang hatte sich die Psychologie auf Menschen mit psychischen Problemen konzentriert. Aber niemand hat sich um diejenigen gekümmert, die ein normales Leben führen – was können die für sich machen? Aus der Forschung haben sich sechs Dimensionen entwickelt, die entscheidend für das Glücksempfinden sind: Haltung, Bedeutsamkeit, Stärkenorientierung, Emotionen, Energiemanagement und gelingende Partnerschaften. (siehe unten: „Die sechs Dimensionen zum Glück“)

„Verbunden zu sein und zu wachsen, mehr braucht der Mensch eigentlich nicht. “ - Oliver Haas

one: Wie lassen sich dieser Erkenntnisse auf Unternehmen übertragen?
Oliver Haas: Es gibt zwei ganz konkrete Ansatzpunkte. Einfach gesagt: Wenn ein Mensch verbunden ist und über sich hinauswachsen kann, ist er glücklich. Die Basis davon sind zwei Grunderfahrungen oder -wünsche, die wir alle in uns tragen: Zum einen die Sehnsucht nach Verbundenheit. Eine Erfahrung, die wir alle schon im Mutterleib gemacht haben und nach der wir im Leben immer weiter suchen. Auch im Unternehmen wollen wir dazugehören und verbunden sein. Das zweite ist die Sehnsucht, zu wachsen. Das ist auch eine Erfahrung, die wir von klein auf gemacht haben. Wir sind im wörtlichen Sinn gewachsen oder sogar über uns hinausgewachsen. Daher suchen wir auch als Erwachsene noch Gelegenheiten, bei denen wir über uns hinauswachsen können. Verbunden zu sein und zu wachsen, mehr braucht der Mensch eigentlich nicht. Das klingt einfach, ist im Unternehmensalltag aber gar nicht so leicht umzusetzen.

one: An Herausforderungen mangelt im Job häufig nicht…
Oliver Haas: Das stimmt. Allerdings bekommt man eine Aufgabe, an der man wirklich wachsen könnte, nicht vorgegeben. Die gibt man sich selbst, bzw. man bringt sich selbst ein. Ob das funktioniert hat, sieht man am Ende daran, dass man keine externe Motivation oder Belohnung vom Vorgesetzten oder vom Kunden braucht. Wenn man etwas gemacht hat, weil man das gerne tut.

one: Für manche Jobs klingt das leicht nachvollziehbar, in anderen weniger.
Oliver Haas: Zumindest auf den ersten Blick. Ich habe früher viel in der Hotellerie gearbeitet. Wenn Sie sich etwa die Tätigkeit von Zimmermädchen anschauen, würden Sie auf den ersten Blick vielleicht sagen: Was ist denn das für eine Arbeit, den Dreck anderer Leute wegzumachen? Oder nehmen Sie die Berliner Stadtreinigung. Da kann man sich sicher schönere Arbeitsbedingungen vorstellen. Aber die Frage ist, ob ich selbst einen Sinn darin sehe. Und wenn dann jemand sagt, ich habe einen sinnvollen Job, weil ohne mich und meine Kollegen würde hier alles zusammenbrechen, dann kann derjenige damit glücklich sein

„ In unserer Zeit hängt der Fortschritt nicht mehr von technologischen Erfindungen ab, sondern ob man Menschen hat, die mit Spaß und Freude bei der Sache sind.“ - Oliver Haas

one: Was bedeutet das für die Unternehmen?
Oliver Haas: Vor allem ist das für sie eine große Herausforderung, gerade angesichts des Fachkräftemangels. In unserer Zeit hängt der Fortschritt nicht mehr von technologischen Erfindungen ab, sondern ob man Menschen hat, die mit Spaß und Freude bei der Sache sind. Unternehmen müssen dafür das Umfeld schaffen. Das sieht man ja an den neuen Generationen, für die das Gehalt oder eine tolle Marke nicht entscheidend sind, sondern die Vereinbarkeit von Familie & Beruf, Möglichkeiten zur Mitgestaltung und flache Hierarchien. Die gehen dann lieber zu dem Unternehmen, bei dem sie als Mensch eine größere Rolle spielen. Das macht manchen Firmen schon etwas Zukunftsangst. Die Krux ist nur: Man kann sich als Unternehmer so ein Umfeld nicht einfach einkaufen. Wenn so ein Prozess von oben übergestülpt wird, schlichst als Instrument, um Mitarbeiter zu gewinnen, werden die Erfolge ausbleiben. Aber wenn das ein Unternehmer macht, weil ihm die Menschen wichtig sind, dann kommt etwas in Bewegung. Der Inhaber oder die Führungskraft muss bei sich selbst anfangen.

one: Wie schafft man es, so einen Wandel in Gang zu setzen?
Oliver Haas: Sie brauchen drei Dinge: eine Methodik, sie müssen den Einzelnen inspirieren und der Spirit muss sich im Unternehmen selbstständig verbreiten. Unsere Methodik basiert auf kompletter Freiwilligkeit. Uns ist völlig egal, wo ein Mitarbeiter herkommt – aber er muss richtig Lust darauf haben, sich mit Corporate Happiness auseinanderzusetzen und persönlich zu wachsen. In unserem Programm arbeiten die Teilnehmer zunächst sehr persönlich an sich selbst. Das ist etwas Besonderes, denn die Firma hat ja davon erstmal direkt keinen Nutzen. Erst nach und nach entwickeln sich die Themen in den Job und das Arbeitsumfeld weiter. Dann werden diese Mitarbeiter Botschaftern in ihrem Unternehmen. Wenn ein Botschafter dann vielleicht zwei von zehn Kollegen begeistern kann, reicht das schon, um gruppendynamische Effekte in Gang zu setzen, von Mitarbeiter zu Mitarbeiter. Wenn dann an der Spitze ein Unternehmer steht, der das macht, weil ihm die Menschen wichtig sind, dann kommt etwas in Bewegung. Da muss die Haltung stimmen.

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