nach oben
nach oben
Kristin Naumann: Die Thüringerin ist im wortwörtlichen Sinn ein Kind der „REWE-Familie“ und in die Genossenschaft buchstäblich hineingewachsen. Foto: ©Achim Bachhausen
Lesedauer: 4 Minuten
Kauffrauen in der Genossenschaft
„Mit einem eigenen Markt belohnt man sich selbst“
von Bettina Rees und Achim Bachhausen

Anfang 2025 wagte Kristin Naumann den Schritt in die Selbstständigkeit. Auch wenn ihr dieser Weg sozusagen in die Wiege gelegt wurde, brauchte sie doch Mut und zwei Anläufe. Mit einem treuen Team, einem nützlichen Netzwerk und reichlich Rat und Tat durch REWE ist sie heute auf gutem Kurs.

Mit Anfang 40 sagte sich Kristin Naumann: „Nun bin ich mal dran“ – privat wie beruflich. Die Kinder waren aus dem Gröbsten raus. Sie selbst führte als Marktmanagerin den Super- und Getränkemarktes ihres ehemaligen Mannes Christian Naumann in der mittelhessischen Gemeinde Ebsdorfergrund. Anfang 2025 machte sie sich mit eben diesem Markt selbstständig. Aus „REWE Naumann“ wurde „Kristins REWE“.

Für die heute 44-jährige ist Selbstständigkeit kein Sprung ins kalte Wasser gewesen. Sie kannte den Markt, das Team und die Strukturen – und dennoch veränderte sich für sie Wesentliches: „Jetzt trage ich die Verantwortung für alles. Alle Entscheidungen treffe ich selbst als Kauffrau.“ Unterstützung für sie und alle anderen Jungkaufleute kommt aus der Zentrale. „Ein fester Ansprechpartner steht mir zur Seite und kommt etwa einmal im Monat im Markt vorbei. Wir schauen gemeinsam auf Zahlen, Probleme und Potenziale. Und wir klären all die Fragen, die ich als Marktleitung früher nicht hatte. Natürlich kann ich auch jederzeit zwischendurch anrufen. Kurz: Ich fühle mich gut aufgehoben und nicht allein.“

„Unsere Marktmanagerinnen haben das Herzblut, setzen sich täglich mit allen Herausforderungen auseinander.“ Kristin Naumann

Diese Erfahrung war für sie rückblickend eine Überraschung. „Dass REWE uns Jungkaufleute so eng begleitet, hatte ich im Vorfeld nicht erwartet.“ Wichtig sei auch, so Naumann, die Whatsapp-Gruppe mit denen, die zeitgleich mit ihr den Sprung in die Selbständigkeit gewagt haben. „Der Austausch hier ist enorm wertvoll. Wir stehen ja alle vor ähnlichen Herausforderungen.“

Überraschend wirkt ihr Weg in die Selbständigkeit nicht, schaut man auf ihre Biografie: Die Thüringerin ist im wortwörtlichen Sinn ein Kind der gern zitierten „REWE-Familie“ und in die Genossenschaft buchstäblich hineingewachsen. Ihre Mutter Gudrun Glock gründete zur Wendezeit in Suhl ihren ersten REWE-Markt, ihre Schwester Katja Fiedler führt das Familienunternehmen mit zwei Geschäften heute fort. Während ihrer Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau lernte Naumann unterschiedliche REWE-Märkte kennen – in Thüringen und Franken –, später sammelte sie Marktleitungserfahrung.

„Der Schritt in die Selbstständigkeit wird belohnt. Mit einem eigenen Markt belohnt man sich selbst. Man erntet, was man sät: Man arbeitet für sich und sieht den Erfolg.”“ Kristin Naumann

2006 wechselte sie nach Mittelhessen, Region Mitte. Dort unterstützte sie zunächst ihren damaligen Mann Christian Naumann, dessen Familie mehrere Märkte in ländlicher Struktur betreibt. Sie, deren Jugend von Frauen geprägt wurde, die Kinder und Vollzeitjob „wuppten“, traf hier auf ein anderes Rollenverständnis. Und entschied sich unter anderem auch deshalb, den Schritt in die Selbstständigkeit auf einen späteren Zeitpunkt zu legen. „Solange die Kinder klein waren, war es vernünftig zu warten.“ Die beiden Söhne wurden größer, der Zeitpunkt schien gut. Naumann beschäftigte sich intensiv mit dem genossenschaftlichen Modell, nahm am Assessment Center teil (s. Kasten) und bewarb sich gezielt auf einen konkreten Markt mit einem Konzept, das auf den Säulen Regionalität, Mitarbeitende, Kundinnen und Kunden sowie die Genossenschaft stand. Beim ersten Versuch nicht mit Erfolg. Naumann ließ sich nicht entmutigen und überzeugte im zweiten Anlauf. „Ich glaube, vielen Frauen fehlt im Vorfeld der Mut. Und manchmal auch der Rückenwind.“

Anfang 2025 wurde aus „REWE Naumann“ „Kristins REWE“. Foto: ©Achim Bachhausen

Heute ist Netzwerken für sie daher einer der zentralen Schlüssel, um langfristig mit ihrem Markt erfolgreich in der Region verankert zu sein. Unter anderem nutzt sie die Angebote der IHK für Unternehmerinnen und schätzt den Austausch im kommunalen Gewerbeverein, für den sie sich seit Beginn ihrer Selbstständigkeit als Vorstand engagiert. „Es war mir wichtig, als Kauffrau wahrgenommen zu werden. Und zu zeigen, wer der Mensch dahinter ist.“

Mensch und Kauffrau offenbaren sich schon einen Schritt, bevor man im Markt auf Frische und Regionalität trifft: Auf dem Eingangsschild prangt groß „Kristins REWE“. Acht Buchstaben für einen Neubeginn, der auf festem Fundament steht: Denn das gesamte Team, das Naumann zuvor als Marktmanagerin führte, ist geblieben. „Das freut mich sehr.“ Rund 60 Mitarbeitende arbeiten heute im Markt, etwa 70 Prozent davon sind Frauen, alle Führungspositionen sind weiblich besetzt. „Wir stimmen uns eng ab, arbeiten auf Augenhöhe.“ Als Benefit bietet sie eine Zusatzkrankenversicherung, das kommt gut an. Im Sommer startet der erste Azubi, er kam über seinen Aushilfsjob auf den Geschmack.

Kristin Naumann zeigte Durchhaltevermögen und überzeugte im zweiten Anlauf. Foto: ©Achim Bachhausen Für ihr Team, ihren Markt und für sich wünscht sie sich, „dass wir weiterhin erfolgreich sind und noch stärker für unsere Freundlichkeit, Gastfreundschaft und Kundennähe wahrgenommen werden“. Was sie anderen Frauen mit auf den Weg geben möchte, kann sie jetzt, rund zwei Jahre nach ihren ersten Schritten in Richtung Selbständigkeit, klar formulieren: „Habt den Mut, diesen Schritt zu gehen. Ihr werdet es nicht bereuen.“ Denn anders als angestellte Marktmanagerinnen würden selbstständige Kauffrauen selbst ernten, was sie säen. „Man arbeitet für sich und sieht den Erfolg.“

Dass sie heute – trotz des fordernden Jobs als Kauffrau - entspannter wirkt als noch im ersten Jahr, verwundert sie selbst kaum. „Ich habe schnell gemerkt: Ich schaffe das.“

Das Kaufleute Assessment Center

... ist Teil eines mehrstufigen Auswahlprozesses. Seit 2023 wird es zentral in Köln durchgeführt, seither nahmen 431 Kandidat:innen teil; das Interesse an der Selbständigkeit mit REWE ist weiterhin hoch. Im Fokus des überregionalen Beobachtungsteams stehen unternehmerisches Denken, betriebswirtschaftliche Marktsteuerung und Mitarbeitendenführung.

Das Kaufleute Assessment Center (AC) hat als Ziel, einen objektiven Blick auf die Kandidat:innen zu bekommen, zu beurteilen, ob sie zum Zeitpunkt des AC bereit für die Selbstständigkeit ist und sie nicht zuletzt auf die Selbständigkeit vorzubereiten. Die Kandidat:innen bekommen zudem ein

ausführliches Feedback zum Assessment Center, woraus sie gemeinsam mit den Vertriebsleiter:innen und AC-Moderation Entwicklungsmaßnahmen ableiten. Das AC kann nach zwei Jahren wiederholt werden, falls jemand im ersten Durchlauf keine Empfehlung erhält.

Voraus gehen dem zentralen Kaufleute Assessment Center eine Information über die regionalen Ansprechpartner:innen, eine Informationsveranstaltung sowie ein Interview, in dem erste Entwicklungsempfehlungen gegeben werden.

Kauffrauen in der Genossenschaft
„Wir können nur allen Frauen Mut machen"
Drei Generationen, zwei Kauffrauen, ein Ziel: Handel leben und lieben. Die ehemalige REWE-Kauffrau Gudrun Glock, ihre Tochter und Nachfolgerin Katja Fiedler und Enkelin Johanna Fiedler erzählen, wie sie zu REWE kamen, wie sie erfolgreich Märkte, Familie und Gremienarbeit managen – und warum manchmal Bügeln hilft, den Kopf freizubekommen. Vom Staunen der Westmanager nach der Wende bis zur Corona-Krise, von Nachwuchs und Netzwerken, vom eigenen Mut und von Wünschen an REWE - Kauffrau-Sein heißt Verantwortung, Kreativität, Kommunikation – und wie abwechslungsreich es sein kann, Tag für Tag dasselbe zu tun.
Zum Artikel
Mein Kommentar
Kommentieren
Auch interessant