
Aus der klassischen Karriere im Einzelhandel wird für Moritz Breske ein persönlicher Meilenstein: Der 37-Jährige hat das REWE Center am Winterbeker Weg in Kiel übernommen – eine Fläche so groß wie ein Fußballfeld, 170 Mitarbeitende und ein Sortiment, das keine Wünsche offenlässt. Immer konnte er sich dabei voll und ganz auf die Unterstützung aus der Genossenschaft verlassen.
Wenn Moritz Breske eine Runde durch sein REWE Center am Winterbeker Weg dreht, ist er ein Weilchen unterwegs. Das liegt natürlich an der schieren Dimension, einerseits. 7.000 Quadratmeter misst die Verkaufsfläche, da sind´s von der Theke zur Kasse schon ein paar Meter. Der andere Grund: Auf der Strecke begegnet der Kaufmann der einen und anderen seiner Mitarbeitenden und Kund:innen, mit denen er gerne ein paar Worte wechselt. Besonders stolz ist Moritz Breske, wenn er seiner Kundschaft behilflich sein kann. Einmal, so erzählt er, traf er mitten im Markt eine Kundin, die ihre Arme voll mit Ware hatte. Gefragt, ob sie einen Einkaufskorb bräuchte, entgegnete die Frau: „Ja, gerne. Eigentlich wollte ich ja gar nicht so viel kaufen.“ In diesen Momenten weiß der Händler: „Ich habe einen guten Job gemacht. Dann geht mir als Kaufmann das Herz auf.“

„Ich möchte meine Kund:innen mit Produkten inspirieren, von denen sie vorher nicht wussten, dass sie sie haben wollen.“ Moritz Breske

Von international über regional bs ganz lokal: Dank der großen Verkaufsfläche sucht das Sortiment seinesgleichen. Eines der Highlights ist der hauseigene Honig, den die fleißigen Bienen von Imker Philipp Sosnowski (rechts) auf dem Dach des REWE Centers produzieren. Foto ©Moritz Breske
Das Unternehmer-Gen liegt Breske im Blut: Reparierte und verkaufte Großvater Johann Breske noch Autos eines amerikanischen Herstellers, so schlägt das Enkelherz für Lebensmittel. Das zeigte sich bereits in ganz jungen Jahren. Schon mit drei Jahren führte er in seinem Kaufmannsladen erste Verkaufsgespräche. „Später in der Schule setzte es den ersten und einzigen Tadel, als ich meinen Mitschüler:innen nach Silvester noch Böller verkaufen wollte“, erzählt er augenzwinkernd.
Da war es naheliegend, dass das Verkaufstalent unmittelbar nach der Mittleren Reife eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann absolvierte, damals noch bei Sky (Coop Kiel). Es folgten die klassischen Stationen Marktleiter-Assistent mit Anfang 20, stellvertretender Marktleiter in Eckernförde und Marktleiter in Flensburg. Und dann kam das erste Großprojekt: die Integration des Kieler „Plaza“-Marktes* in die REWE Nord. „Das war eine Zäsur, weil die Coop Kiel, 1899 gegründet, hier im Norden eine Institution war.“ Doch der ehrgeizige Jungmanager erkannte schnell seine Chancen. Nach Jahren der Stagnation bei Sky infolge erheblichen Investitionsstaus gab es endlich finanziellen Spielraum. Breske konnte neue Leute einstellen. “Ich habe das erste Mal Wachstum erlebt”, blickt er zurück.

Krasser noch als die Umstellung von Sky/Plaza auf REWE war die Gewöhnung an die Fläche: von 1.800 Quadratmetern in Flensburg auf 7.000 an der Förde. „Eine Riesenaufgabe, verbunden mit Riesenchancen. Dank des breiten und tiefen Sortimentes konnten wir viele Akzente setzen und endlich richtig loslegen“, erinnert sich der 37-Jährige, der das neue REWE Center im Jahr 2019 zunächst als festangestellter Marktmanager führte. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten: „Wir haben schnell neue Kund:innen gewonnen, darunter viele jüngere.“
Als er die Chance erhielt, sich als Kaufmann auf das komplett modernisierte Geschäft in seiner Heimatstadt zu bewerben, musste Moritz Breske nicht lange überlegen. Er absolvierte erfolgreich das Assessment-Center, bewarb sich und bekam den Zuschlag. Seit vergangenem Sommer ist er nun Herr über ein breites und tiefes Sortiment mit 45.000 Artikeln und Chef von 170 Mitarbeitenden.
Dankbar erinnert sich der junge Kaufmann an seine Startphase: „Ohne Unterstützung wäre das alles nicht möglich gewesen. Zentralseits haben Dirk Stemmann (Verkaufsleiter Gebiet 14) und René Jakob (damals Gebietsmanager Vertrieb, heute Verkaufsleiter) die Leitplanken vorgegeben, innerhalb derer ich mich austoben und meinen persönlichen Federstrich einbringen konnte.“
Teamplayer: Moritz Breske mit Fleischermeister Sven Sörensen (links) und einem Teil der Service-Mannschaft. Foto ©Achim Bachhausen
Nachhaltig beeindruckt hat ihn die Hilfsbereitschaft der Kaufleute-Kolleg:innen während der Einarbeitungsphase: „Es gibt eine ganze Reihe Kollegen, die ich jederzeit anrufen und denen ich ´dumme´ Fragen stellen kann. Die haben alle mal klein angefangen und ein großes Interesse daran, dass du das auch hinkriegst. Da besteht überhaupt kein Konkurrenzdruck.“ Und so startete der junge Kaufmann mit einem Vertrauensvorschuss – aber auch der klaren Erwartungshaltung: “Mach uns, der REWE, keine Schande.”
In dieser Zeit hat der Unternehmensgründer die genossenschaftlichen Strukturen der REWE Group kennen- und schätzen gelernt. „Die Mitarbeit in den Gremien ist eine Möglichkeit, REWE etwas zurückzugeben“, findet Moritz, der beispielsweise im Themen-Expertenkreis IT mitwirkt.
Nicht minder wichtig war für Moritz der private Rückhalt: Mitten in der turbulenten Gründungsphase hat er quasi nebenbei geheiratet, ein Haus gekauft, renoviert und ist Vater geworden.
Sinn für Humor und Selbstironie: Moritz Breske mit einer Wimmelbild-Collage, inklusive Chefportrait, ein Geschenk seiner Mitarbeitenden zur Eröffnung. Foto ©Achim Bachhausen
Die in der Genossenschaft erlebte Kultur des Vertrauens lebt Moritz auch mit seinem Team: „Meine Aufgabe ist, meinem Führungsteam meine Vision zu vermitteln und darauf zu vertrauen, dass unsere Mitarbeitenden innerhalb der Leitplanken selbstständig die richtigen Entscheidungen treffen. Den Markt habe ich in fünf Bereiche eingeteilt. Für jeden gibt es einen Assistenten und jeweils zwei untergeordnete Teamleitungen. Einmal monatlich kommen alle Teamleiter:innen zum Austausch zusammen. Ich sage, was ich mir wünsche, umgekehrt sagen mir unsere Führungskräfte, was sie von mir benötigen, damit sie ihren Job noch besser machen können. Ich bin immer wieder beeindruckt, welche tollen Einfälle dabei entstehen.“

„Ich bin sehr froh, dass das Team bei der Privatisierung geschlossen mitgegangen ist.“ Moritz Breske

Diese kommen am Ende des Tages nicht nur der Marke REWE zugute, sondern auch dem Ruf des Kaufmanns. „Zu sehen, dass dein Name am Markt steht, das macht dich im ersten Moment wahnsinnig stolz. Aber es bedeutet auch eine Riesenverantwortung. Deine Kundschaft vertraut darauf, bei dir einwandfreie Produkte zu bekommen“, ist Moritz sich der Verantwortung bewusst. „Mein Großvater ist für mich ein Vorbild. Er hatte sich etwas aufgebaut, das lange Bestand hatte.“
Die coop eG ist eine Genossenschaft mit Sitz im schleswig-holsteinischen Kiel https://de.wikipedia.org/wiki/Coop_eG. Sie war eine der größten Konsumgenossenschaften Deutschlands, bis sie das operative Supermarktgeschäft ausgliederte. Nach dem schrittweisen Verkauf des Geschäftes an REWE wurden zwischen 2016 und 2019 alle Märkte in REWE, REWE City, REWE Center und nahkauf umgestellt. Mitte 2019 wurden als Letztes die ehemaligen Sky- bzw. Plaza-Märkte in Kiel und Lübeck umgestellt. Im Laufe des Jahres 2019 fuhr die coop eG ihre Beteiligung an den Supermärkten Nord (SuNo) schrittweise weiter zurück und gab sie schließlich ganz auf. Die SuNo wurde 2020 aufgelöst und die Märkte in die jeweiligen regionalen Netze Nord und Ost der REWE Markt GmbH integriert. Durch den Verkauf der letzten Anteile an die REWE verabschiedete sich die coop eG komplett aus dem Einzelhandel. Heute liegt ihr Schwerpunkt auf der Immobilienverwaltung von Gewerbe- und Wohnimmobilien. (Quelle: Wikipedia)
Das REWE Center ist für Moritz Breske und sein Team eine Spielwiese zum Austoben und Ausloten, was bei der Kieler Klientel ankommt, etwa Softdrinks und Bier aus Skandinavien, ein ausgedehntes Lakritz-Sortiment – oder 3-Liter-Weinkartons, die sich unter Campern und Bootsbesitzern reger Nachfrage erfreuen. „Sie vermeiden Scherben, und leer benötigen sie wenig Platz und Gewicht“, zählt Breske die Vorteile auf. Mit der in die Mall ausgedehnten Floristik-Abteilung setzt der Kaufmann Akzente: „Wir haben vier ausgebildete Floristinnen und eine Landschaftsgärtnerin. Das Geschäft wollen wir weiter ausbauen.“ Neben Fleisch, Wurst, Feinkost und Käse gibt es an den zusammen fast 40 Metern Theke frische Meeresfrüchte, denn: „Eine Fischabteilung ist hier im Norden für einen großflächigen Vollsortimenter unverzichtbar“, weiß Moritz Breske. „Unser Teamleiter Fisch Jan Wollmann ist begeisterter Taucher und gelernter Koch, das ist perfekt.“ Hochqualifiziert sind aber auch die Verantwortlichen für die übrigen Service-Warengruppen. Bianca Mosel berät mit Leidenschaft und der Expertise als ausgebildete Frommelière ihre Käse-Kund:innen, Doris Wulf hat den „Beratungsspezialisten Wurst“ absolviert, und Metzgermeister Sven Sörensen hat sich zum Fleischsommelier fortgebildet. Moritz Breske ist überzeugt: „Diese Bedientheken gehören auf der Großfläche absolut dazu. Ich sehe das als Alleinstellungsmerkmal mit Zukunft. Und wenn es in 20 Jahren in ganz Kiel nur noch zehn Bedientheken geben sollte, ist ganz klar, dass eine davon hier stehen wird.“












