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ArticleId: 241magazineIn der Türkei hat die Haselnussernte begonnen und tausende Wanderarbeiter sind wieder mit ihren Familien unterwegs. Die REWE Group will auf ihre Situation aufmerksam machen.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/5/8/csm_Teaser_haselnuesse_standard_5fa881cb88.jpgLesen lernen statt Haselnüsse erntenREWE Group-Projekt
Foto: Kerem Yucel/Support to Life
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REWE Group-Projekt für Kinder von türkischen Wanderarbeitern
Lesen lernen statt Haselnüsse ernten
von Stefan Weber

In der Türkei hat die Haselnussernte begonnen und tausende Wanderarbeiter sind wieder mit ihren Familien unterwegs. Die REWE Group will auf ihre Situation aufmerksam machen und die Kinder vom Feld holen. Dabei ist Durchhaltevermögen gefragt.

Frost im März, stürmische Winde in den letzten Juni-Tagen – die türkischen Haselnussbauern hatten in diesem Jahr mit widrigen Witterungsbedingungen zu kämpfen. Was das für die Ernte bedeutet, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Ende Juli haben die Bauern in der weltweit wichtigsten Anbauregion an der Schwarzmeerküste begonnen, die begehrten Früchte einzusammeln. Ohne Hilfe von Saisonarbeitskräften können sie das nicht schaffen. Denn Haselnussernte ist Handarbeit. Und das unter meist widrigen Bedingungen.

Die Helfer kommen meist aus dem Osten und Südosten der Türkei oder den Nachbarstaaten, insbesondere aus Georgien. Nach Angaben der EU-Kommission arbeiten in den Anbaugebieten für Haselnüsse während der Sommermonate bis zu 200.000 Wanderarbeiter. Darunter sind auch viele Kinder. Sie unterstützen ihre Eltern bei der meist schlecht bezahlten Erntearbeit. Sie hacken, pflücken, trocknen und verpacken das Erntegut. Oder sie halten sich tagsüber in den Camps auf. Zum Putzen, Waschen, Wasser holen und Aufpassen auf jüngere Geschwister.

Die Zustände in diesen Lagern sind nach einer von der REWE Group beim Südwind-Institut in Auftrag gegebenen Studie oft miserabel. Die Familien leben teils in offenen Zelten, die zumeist nur aus einer einzelnen Plane auf Stangen bestehen. Es fehlt an sauberem Wasser und sanitären Anlagen. Die Gesundheitsversorgung ist unzureichend. Dazu kommt, dass viele Kinder, die in den Camps hausen, eigentlich gar nicht hier sein dürften. Statt Haselnüsse zu ernten, müssten sie in der Schule sitzen. In der Türkei besteht Schulpflicht bis zum 14. Lebensjahr. Arbeiten dürfen Kinder erst ab 15 Jahre. Für schwere Arbeiten schreibt der Gesetzgeber sogar ein Mindestalter von 18 Jahren vor.

Kontrolliert werden diese Vorschriften nach Beobachtung von Initiativen wie Earthlink oder Fair Childhood jedoch nur äußerst selten. Friedel Hütz-Adams, Autor der Südwind-Studie, hat festgestellt, dass es in der Türkei in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte bei der Reduzierung von Kinderarbeit gegeben hat. Gleichwohl bleiben nach seinen Beobachtungen in vielen Schulen in den Sommermonaten mehr als zehn Prozent der Stühle wegen Saisonwanderarbeit frei. Die türkische Regierung hat im Rahmen ihrer Verpflichtungen gegenüber der International Labor Organization (ILO) in diesem Jahr einen Aktionsplan vorbereitet, um Kinderarbeit in der saisonalen Landwirtschaft zu beenden. Los gehen soll es damit jedoch erst 2016.

Foto: Servet Dilber/Support to Life 2014
Foto: Servet Dilber/Support to Life 2014
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Foto: Kerem Yucel/Support to Life 2014
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In der Schule bleiben Stühle frei

Friedel Hütz-Adams, Wissenschaftler bei Südwind e.V. und Mitglied im Pro Planet-Beirat, hat eine Studie zur Situation der Wanderarbeiter bei der Haselnussernte verfasst. Im one_Interview erklärt er, warum es für die aktuelle Situation keine einfachen Lösungen gibt – und wie die erste Projekte dazu beitragen, Kindern eine Perspektive zu zeigen.

Fotos: Kerem Yucel/Support to Life

REWE Group-Haselnussprojekt mit Support of Life

Gemeinsam mit der humanitären Hilfsorganisation Support to Life (STL) startete die REWE Group bereits 2012 ein Projekt zur Bekämpfung der Kinderarbeit in den Hochburgen des Haselnussanbaus an der türkischen Schwarzmeerküste. Die Idee: Mit der Einrichtung von Sommerschulen Kindern von Wanderarbeitern eine Alternative zu der harten Feldarbeit zu bieten. Und mit Konferenzen sowie Medienkampagnen das Bewusstsein für die Probleme der Kinderarbeit zu fördern. Dabei sind viele Schwierigkeiten zu überwinden, denn die meisten Familien schlagen ihre Lager unmittelbar am Arbeitsort auf, gleich neben den Plantagen. Das macht es schwer, die Kinder zu erreichen. Auch überschneidet sich die Erntesaison mit der Zeit der Sommerferien, womit die Schule als Treffpunkt für Wanderarbeiter und lokaler Bevölkerung nicht zur Verfügung steht.

Dennoch hat STL im Rahmen der Sommerschulen, die auch in dieser Erntesaison veranstaltet werden, wichtige Informationen über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Wanderarbeiter gesammelt. Viele Gespräche und Runde Tische mit Arbeitgebern, Arbeitsvermittlern, Behörden und Politikern in Istanbul, aber auch in den Anbauregionen haben die Sensibilität für das Problem geschärft. Auch in den Herkunftsregionen der Wanderarbeiter zeigt STL Flagge. So sind in diesem Jahr unter anderem Besuche in Sanliurfa, Adiyaman, Batman und Ankara geplant und teilweise schon erfolgt.

Von der Türkei in alle Welt

Haselnusssträucher wachsen auch in Deutschland. Aber aufgrund des Klimas tragen sie hier nur wenige Früchte. Lukrativ ist ein Anbau in größerem Stil weltweit nur in einigen wenigen Regionen. Besonders geeignet ist die türkische Schwarzmeerküste, denn dort stimmen nicht nur die Temperaturen, sonders es gibt auch genügend Niederschlag. Bereits seit Jahrzehnten ist die Türkei der weltweit wichtigste Lieferant von Haselnüssen. Ihr Anteil an den weltweiten Exporten beträgt mehr als 80 Prozent. Somit bestimmen die Erntemengen in der Türkei auch den Weltmarktpreis. In einigen Provinzen speziell an der östlichen Schwarzmeerküste bildet der Erlös aus dem Haselnussanbau die wichtigste landwirtschaftliche Einnahmequelle und sichert den Lebensunterhalt von mehreren hunderttausend Haushalten. Insgesamt ernährt der Haselnusssektor in der Türkei acht Millionen Menschen und liefert jährlich einen Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt von etwa zwei Milliarden Dollar. Größter Abnehmer türkischer Haselnüsse ist Deutschland - mit deutlichem Abstand vor Italien und Frankreich. Regelmäßig geht etwa ein Viertel der in der Türkei geernteten Früchte nach Deutschland und wird dort vor allem von der Schokoladenindustrie verarbeitet.

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