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„Genossenschaften erleben eine Renaissance“
ArticleId: 2481magazineEs gibt wohl niemanden in der REWE Group, der sich so gut mit Genossenschaften auskennt wie Thomas Nonn. Nun vertritt er die Interessen der Selbstständigen auch auf europäischer Ebene. one sprach mit dem Bereichsvorstand über bewährte Kultur und neue Herausforderungen.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/6/8/csm__one_teaser_standard_b2bf40dcb8.jpgVerständnis schaffen für die Interessen der KaufleuteThomas Nonn zu Genossenschaft
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Thomas Nonn
Thomas Nonn zum Thema Genossenschaften International

Verständnis schaffen für die Interessen der Kaufleute

13.11.2019
von Achim Bachhausen

Es gibt wohl niemanden in der REWE Group, der sich so gut mit dem Genossenschaftswesen auskennt wie Thomas Nonn. Seit kurzem vertritt er die Interessen der Selbstständigen auch auf europäischer Ebene. one sprach mit dem Bereichsvorstand über bewährte Kultur und neue Herausforderungen.

Meine Ziele als Präsident von Independent Retail Europe:

  • sind dieselben wie in meinen anderen Funktionen, nämlich alles dafür zu tun, um die Rahmenbedingungen zu schaffen, die Genossenschaften und ihren Mitgliedern ein erfolgreiches Wirtschaften ermöglichen. Die Verbandsarbeit ist nötig, um die Genossenschaften beziehungsweise ihre Mitglieder vor unsäglichen politischen Überlegungen und Entscheidungen wie der UTP*-Richtlinie zu schützen. Eine wichtige Aufgabe ist es deshalb, fehlgeleitete Wahrnehmungen in der Politik und der Öffentlichkeit zu korrigieren und Verständnis für die Arbeit von kooperierenden Geschäftsmodellen im Handel zu schaffen. Nur so können wir künftigen Fehlentscheidungen vorbeugen. Mit Blick auf die neue EU-Kommission müssen wir achtgeben, dass den selbständigen Händlern und deren Verbundorganisationen keine Wettbewerbsnachteile drohen.

Die Form der Genossenschaft ist momentan wieder angesagt, weil:

  • das genossenschaftliche Organisationsmodell zukunftsweisend ist. Es zeugt von großer Verantwortung, eine Wirtschaftsform zu wählen, die das selbstständige Unternehmertum fördert.
  • viele Ideen immer aktuell waren und es immer noch sind. Nachhaltigkeit zum Beispiel steckt in der Ur-DNA der Genossenschaften. Selbstständige Existenzen sollen über Generationen hinweg erhalten bleiben.

Europa und Genossenschaft, das passt, weil:

  • Deutschland zwar das Genossenschaftsland Nr. 1 ist, es aber in Europa viele Formen der Genossenschaften gibt, auch wenn sie sich nicht immer so nennen. Entscheidend sind die Gedanken, die dahinterstecken. Ganz nebenbei beinhaltet die europäische Idee auch den einen oder anderen genossenschaftlichen Gedanken!

Meine Funktionen in Brüssel und Köln ergänzen sich prima, weil:

  • es letztlich immer darum geht, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen selbstständige Händler bestmöglich durch ihre Organisationen unterstützt werden und bestmögliche Erfolge erzielen können.

Genossenschaften sind im Vergleich zu kapitalmarktorientierten Unternehmen die bessere Alternative, weil: 

  •  sie einen bedeutenden gesellschaftlichen und sozialen Auftrag erfüllen. Dies gilt nicht nur für das Bankenwesen, die Landwirtschaft und den Handel, sondern in Deutschland in ganz besonderem Maß zum Beispiel auch für den Wohnungsmarkt. Wohnungsgenossenschaften vermieten in Deutschland rund 2,5 Millionen Wohnungen zu Konditionen, die auf dem freien Wohnungsmarkt nicht erzielt werden können.
  • sie demokratisch verwaltet und kontrolliert werden. Die Mitglieder bestimmen als Eigentümer alle wesentlichen Angelegenheiten mit und bringen sich mit ihrem Knowhow in die Weiterentwicklung des Unternehmens aktiv ein. In dieser Ausprägung gibt es dies in keiner anderen Gesellschaftsform.
  • Management und Anteilseigner niemand anderem Rechenschaft ablegen müssen über strategische Entscheidungen. Sie können stabil und langfristig arbeiten, ohne auf jedes Störfeuer reagieren zu müssen. Das ist ein wesentlicher Vorteil.
  • sie neben der notwendigen Ausrichtung auf wirtschaftlichen Erfolg auch andere Werte wie gegenseitiges Vertrauen und konstruktives Miteinander forcieren. Das kann allen Beteiligten unter anderem ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, das man braucht, um TOP-Leistungen erbringen zu können.

REWE gibt seinen Mitgliedern eine Perspektive, sowohl für das eigene Unternehmen als auch als Mitgestalter der ganzen Gruppe. Die Rückbesinnung auf die genossenschaftlichen Wurzeln und die Kultur des Miteinanders auf Augenhöhe können wir als Stärke nutzen. Diese Werte müssen wir in Zukunft bewahren.

*UTP
In der EU-Richtlinie „gegen unfaire Handelspraktiken in der Lebensmittellieferkette“ geht es vor allem um internationale Einkaufskooperationen. Im Rahmen der UTP-Verabschiedung vor einem Jahr brachten einige EU-Parlamentarier sogar ein Verbot von Genossenschaften wie Edeka und REWE ins Spiel. Dagegen liefen beide Unternehmen Sturm.

Independent Retail Europe

Independent Retail Europe ist der europäische Dachverband der Verbundgruppen selbstständiger Einzelhändler im Food- und Non-Food-Bereich.

Mitglieder sind Verbundgruppen, Verbände von Verbundgruppen und Serviceorganisationen, darunter Conad, Edeka, Euronics, Expert, FCA, ICA, Intersport, Markant, REWE, Système U oder Spar. Insgesamt vertritt Independent Retail Europe mehr als 380.000 Händler.

Selbstständige auf dem Vormarsch

75 Prozent der Einzelhändler in Deutschland sind genossenschaftlich organisiert, im LEH sind es nahezu 100 Prozent. 2.000 Kaufleute sind in den regionalen Genossenschaften der REWE Group unternehmerisch aktiv. Sie betreiben – mit steigender Tendenz ­– rund 1.800 REWE- und über 430 Nahkauf-Märkte. Von Januar bis September 2019 kamen 72 neue Kaufleute dazu. 82 Prozent der Kaufleute sind Einzelbetriebsunternehmer und betreiben einen Markt. 300 Kaufleute bringen ihr Wissen und ihre Erfahrung als Themen-Experten-Kaufleute (TEK) in die Weiterentwicklung der REWE Group ein.

Zur Person

Bereichsvorstand Thomas Nonn verantwortet in der REWE Group den Geschäftsbereich der selbstständigen Kaufleute. Er gehört zu den Vätern des „REWEformer“, der die selbstständigen Kaufleute der REWE wieder mehr in den Fokus gerückt und deren Einbindung in die Entscheidungsprozesse manifestiert hat.

Er engagiert sich auf genossenschaftlicher Verbandsebene außerdem im Präsidium des Mittelstandsverbund – ZGV e.V.. Darüber hinaus gehört er dem Beirat des DGRV (Deutscher Genossenschafts- und Raiffeisenverband e.V.) an und ist im Vorstand des Fördervereis für das Genossenschaftswesen an der Universität zu Köln sowie als Aufsichtsrat bei der ADG (Akademie Deutscher Genossenschaften) in Montabaur aktiv.

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