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ArticleId: 1861magazineWie werden wir in Zukunft essen? Pia Leimbach und ihr Team beobachten und analysieren wirtschaftliche und gesellschaftliche Megatrends und ziehen daraus Schlussfolgerungen, wie wir uns künftig ernähren.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/6/a/csm_TT_04_04_Ernaehrungstrends_Zukunft_mgt_st_a35284834d.jpgInsekten, fleischlos und bitte keine MilchEssen morgen
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Essen der Zukunft

Insekten, fleischlos und bitte keine Milch

25.04.2018
von Stefan Weber

Wie werden wir in Zukunft essen? Vielleicht so, wie es sich das US-Startup Soylent vorstellt, das Essen als Zeitverschwendung deklariert und einen Mahlzeitenersatz in Pulverform entwickelt hat? 

Mit Wasser gemixt ergibt der einen Drink, der den Körper mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt und auf problematische Zutaten wie Zucker weitgehend verzichtet – so der Anspruch von Unternehmensgründer Rob Rhinehart. Soylent, so meint er, sei das passende Produkt für eine moderne, effiziente Leistungsgesellschaft. Also die ideale Mahlzeit von morgen für nahezu jedermann?

Marktforscherin Pia Leimbach

„Das kann ich mir nicht vorstellen. Satt werden ohne zu essen – das wird ein winziges Segment bleiben“, meint Pia Leimbach, Funktionsbereichsleiterin Marktforschung International / Touristik der REWE Group. Die Marktforscherin und ihr Team beobachten und analysieren wirtschaftliche und gesellschaftliche Megatrends und ziehen daraus Schlussfolgerungen, wie wir uns künftig ernähren könnten. Damit liefern sie wiederum Inspirationen für die hauseigene Produktentwicklung. Starken Einfluss, so Leimbach, haben für den Bereich Ernährung künftig vor allem zwei Strömungen. Zum einen individualisiere sich die Gesellschaft weiter. Ernährungsstile werden immer vielfältiger: vom Allesesser über den Vegetarier oder Veganer, vom Anhänger der Steinzeit-Diät bis zum Fan des Clean Eating – heute existieren eine Vielzahl an Ernährungsstilen und es kommen stetig neue hinzu. Der Ernährungsstil soll auch dazu beitragen, die eigene Persönlichkeit als Individuum zu unterstreichen. Zum anderen interessierten sich mehr Menschen für das Thema Gesundheit und machen sich Gedanken über die Auswirkungen ihrer Ernährung.

Für die Ernährung bedeutet das:

Die Liste der Superfoods ist lang und ständig kommen weitere Lebensmittel mit dieser Bezeichnung hinzu. Es gibt keine verbindliche Definition. Allgemein werden solche Lebensmittel als Superfood bezeichnet, die einen höheren Nährstoffgehalt aufweisen und der Gesundheit daher besonders guttun. Sie gelten als Schlankmacher, Gesundheitsförderer, Energiespender. Neben bereits etablierten Produkten wie Quinoa oder Chiasamen erscheinen auch neue Superfoods auf dem Markt wie Baobab aber auch wiederentdeckte wie Leinsamen oder Grünkohl. „Wer zu Superfoods greift, möchte auch Ernährungskompetenz zeigen“, erläutert Marktforscherin Pia Leimbach.

Ein Müsli mit Grillen, ein Insekten-Burger oder Riegel mit Heuschrecken als Zutaten? Viele Menschen auch in Deutschland finden es gar nicht mehr ekelig, Eiweiß in Insektenform zu sich zu nehmen. Weltweit machen das nach Schätzungen der Welternährungsorganisation FAO bereits etwa zwei Milliarden Menschen. Seit Anfang des Jahres sind laut einer neuen Novel-Food-Verordnung der Europäischen Union Insekten als Nahrungsmittel erlaubt. Sind also Insekten der Proteinlieferant der Zukunft? „Durchaus möglich“, sagt Leimbach. „Manchmal ändern sich Ernährungsgewohnheiten grundlegend. Beispiel Sushi: Für die ältere Generation war es früher undenkbar, rohen Fisch zu essen. Heute gibt es Sushi nahezu in jedem Supermarkt. Dazu kommt der ökologische Aspekt: Die Haltung und Züchtung von Insekten ist vergleichsweise ressourcenschonend.“

REWE hat den Insektenburger der „Bug Foundation“, dessen Patties neben pflanzlichen Bestandteilen aus gemahlenen Buffalowürmern hergestellt werden, bereits in einigen Märkten ins Sortiment genommen. Damit ist REWE Vorreiter im deutschen Lebensmitteleinzelhandel.

Gut 60 Kilogramm Fleisch verzehrt jeder Bundesbürger nach Angaben des Bundesverbandes der Deutschen Fleischwarenindustrie in jedem Jahr. Aber es gibt vor allem in der jüngeren Generation immer mehr Verbraucher, die sich vegan, vegetarisch oder zumindest flexitarisch ernähren. „Dieser Trend wird sich fortsetzen“, prognostiziert Leimbach. „Der hohe Fleischkonsum in unseren westlichen Gesellschaften und die Folgen für Mensch und Umwelt werden stark diskutiert.“ Die Fleischindustrie reagiert und experimentiert mit Alternativen: Fleisch aus dem Labor, gezüchtet aus Stammzellen oder Fleischersatzprodukte wie Bratwurst und Schnitzel aus pflanzlichen Stoffen.

Wie gesund ist Kuh-Milch wirklich? Das fragen sich immer mehr Verbraucher - und nicht nur diejenigen, die unter einer Lactose-Unverträglichkeit leiden. Viele meiden Milch, weil sie Tierhaltung kritisch sehen und greifen stattdessen zu Mandel-, Reis- oder Sojamilch. Darüber hinaus entstehen auch ganz neue Formen tierfreier Milch, zum Beispiel eine auf Basis von Hefe gebraute Variante, die in Geschmack und Konsistenz der Kuhmilch gleichen soll. Marktforscherin Leimbach rechnet damit, dass die Zahl der Kuh-Milch-Verweigerer in den nächsten Jahren größer wird und weitere Angebote für diese Gruppe entstehen werden.

Die Zeiten, in denen sich die Familie dreimal am Tag um den heimischen Esstisch versammelte, sind vorbei – und kommen nicht wieder. Arbeits- und Lebenswelt verlangen Flexibilität und Mobilität. Und das in Zukunft eher mehr als weniger. Die Folge: Der Alltag entstrukturiert sich und es wird noch mehr unterwegs verzehrt, weil es schnell geht und unkompliziert ist. Oder die Verbraucher greifen noch häufiger zu Convenience-Produkten, die ohne großen Aufwand verzehrfertig zu machen sind. Auch hier sehen wir den Trend zur gesunden Ernährung: neben dem Aspekt der Bequemlichkeit ist es zunehmend wichtig, dass Convenience-Produkte helfen, eine gesunde Mahlzeit zuzubereiten.

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