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Schul-Initiative „Power Kiste“
Es gibt noch viel zu tun
ArticleId: 2413magazineSie hat die „Power Tüte“ und die „Power Kiste“ mit-konzipiert. Seit zehn Jahren beschäftigt sich Urte Brink mit der Schulernährung von Kindern. Was sie dabei über fehlendes Verantwortungsbewusstsein und Gewohnheiten gelernt hat, verrät sie in one.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/d/1/csm_Ernaehrungswissenschaftlerin_Urte_Brink_mgt_st_38caa004c9.jpg„Eltern müssen eine viel stärkere Vorbildfunktion einnehmen“Ernährungsberaterin Urte Brink
Ernährung & Gesundheit
Ernährungsberaterin Urte Brink

„Eltern müssen eine viel stärkere Vorbildfunktion einnehmen“

16.09.2019
von Maik Mosheim

Sie hat die „Power Tüte“ und den Nachfolger, die „Power Kiste“, mit-konzipiert. Seit zehn Jahren beschäftigt sich Urte Brink intensiv mit der Schulernährung von Kindern. Was sie während dieser Zeit über fehlendes Verantwortungsbewusstsein und Gewohnheiten gelernt hat, verrät sie in one.

Rund zehn Prozent der Grundschüler gehen einer Studie zufolge ohne Frühstück aus dem Haus. Gleichzeitig steigt der Anteil an Kindern, die bereits im Grundschulalter übergewichtig sind. Die Gründe dafür sind vielfältig. Projekte, die sich mit dem Thema Schulernährung beschäftigen, gibt es, sie erreichen jedoch längst nicht alle Kinder. Auch die REWE Group hat mit dem Projekt „Power Kiste“ vor zehn Jahren eine Initiative geschaffen, die Kindern den Zugang zu einem gesunden und ausgewogenen Frühstück ermöglicht. one hat mit der Ernährungsberaterin Urte Brink gesprochen, die maßgeblich an der Entwicklung der Power Kiste beteiligt war. Sie verrät, warum so viele Kinder schon in jungen Jahren übergewichtig sind, wo Fallstricke lauern und wie Abhilfe geschaffen werden kann.

one: Frau Brink, eine Studie des Robert-Koch-Instituts zeigt, dass rund 15 Prozent der Kinder zwischen drei und 17 Jahren bereits übergewichtig sind. Wo sehen Sie die Gründe?
Urte Brink: Zunächst einmal essen und trinken viele Kinder oftmals zu unausgewogen und wählen Lebensmittel, die unvorteilhaft sind. Gewohnheiten werden im Kindesalter geprägt, heißt: Wer von Anfang an ungesunde Gewohnheiten wie beispielsweise regelmäßigen Verzehr von zuckergesüßten Lebensmitteln wie Limonade oder Vanillemilch, Frucht-Joghurt kennenlernt, wird selten bei den weniger gesüßten Produkten zugreifen oder plötzlich auf Wasser als Durstlöscher umsteigen. 

Urte Brink

one: Welche Folgen resultieren daraus für die Kinder?
Urte Brink: Neben der erhöhten Gefahr, bei einer unangemessenen Auswahl und zu wenig Bewegung übergewichtig zu werden, treten Karies oder eventuell auch Mineralien- oder Vitaminmangel auf. Das kann sich zunächst durch Wadenkrämpfe, Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen zeigen. Osteoporose oder beispielsweise Diabetes wird sich gegebenenfalls erst später zeigen.

one: Sind da nicht zuallererst mal die Eltern in der Pflicht?
Urte Brink: Ganz richtig und oft funktioniert das auch. In einigen Fällen aber auch nicht. Dabei können Eltern allein durch eine Vorbildfunktion sehr viel erreichen. Viele Kinder bringen aber Limonade oder gar koffeinhaltige Getränke wie Cola oder Eistee mit zur Schule, die letztlich gar nicht den Durst löschen und unnötige Kalorien liefern Das wird dann entweder von den Eltern so vorgelebt oder im Umkehrschluss nicht verhindert.

„Man sollte nie aus dem Haus gehen ohne etwas Wasser oder Tee zu trinken.“

Urte Brink

one: Studien zufolge geht jedes zehnte Grundschulkind ohne Frühstück aus dem Haus. Wie bewerten Sie das?
Urte Brink: Hier muss man differenzieren. Es stimmt, dass Studien zeigen, dass immer mehr Kinder, gerade auch im Grundschulalter, gar nicht oder nur ungenügend frühstücken. Das kann aber unterschiedliche Gründe haben. Tatsächlich schlafen einige Schüler lieber etwas länger und gehen ohne Frühstück und öfter auch ohne Schulbrot aus dem Haus. Und da wären wieder die Eltern in die Verantwortung zu nehmen. Leider scheint es einige Eltern zu geben, die nicht immer auf eine Frühstücksverpflegung ihrer Kinder achten. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Kinder dies eigenständig lernen und übergangsweise in der Schule etwas bereit zu halten.

one: Genau da setzt ja auch das Projekt Power-Kiste an. Bewirken solche Initiativen wirklich etwas?
Urte Brink: An den Schulen wird die Power Kiste extrem gut angenommen und hilft dort auch den richtigen Menschen. Sowohl die Schulkinder als auch das Lehrpersonal profitieren davon, und das ohne einen finanziellen Aufwand dafür leisten zu müssen. Die Kinder lernen zum Beispiel Schwarzbrot, Naturjoghurt, Wasser, Milch sowie saisonal die Obstsorten kennen und bereiten aus den Lebensmitteln in der Power Kiste ihr eigenes Frühstück zu – so wird automatisch die Geschmacksdifferenzierung und die Eigenverantwortung der Kinder gefördert.

Hintergrund: Das steckt hinter der „Power Kiste“

Seit zehn Jahren unterstützt die REWE Group mit „Power Kiste“ & Co., die Schulernährung von Tausenden Kindern. Doch das Thema ist weiterhin brisant.

one: Apropos Verantwortung: Der stellen sich auch Schulen immer häufiger. Gibt es weitere Projekte, die sich mit dem Thema Schulernährung beschäftigen?
Urte Brink: Mir fällt da spontan das Projekt „Klasse2000“ als gutes Beispiel ein. Schulkinder in ganz Deutschland lernen darüber in vier bis zehn Schuljahren das Wichtigste zu Themen wie Sucht- und Gewaltprävention und eben auch zu gesunder Ernährung.

one: Wie stellt sich das in Ihrem Arbeitsalltag dar? Haben sie viel mit Kindern Jugendlichen zu tun, die nicht frühstücken wollen oder bei denen sich niemand um das Frühstück kümmert?
Urte Brink: Ja, das erlebe ich häufig. Das sind dann oft Jugendliche in der Pubertät, die lieber länger schlafen auf Kosten des Frühstücks. Öfter wird auch abends eine große Mahlzeit gegessen, so dass diese morgens tatsächlich keinen Hunger verspüren. Man kann Kinder natürlich nicht zwingen zu frühstücken, da ist dann zuallererst mal Fingerspitzengefühl gefragt. So empfehle ich immer, wenigstens auf eine Vormittagsmahlzeit zu achten. Was aber ganz wichtig ist: Man sollte nie aus dem Haus gehen ohne etwas Wasser oder Tee zu trinken.

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