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ArticleId: 2407magazineSeit zehn Jahren unterstützt die REWE Group mit der Initiative „Power Kiste“ und ihrem Vorgänger, der „Power Tüte“, die Schulernährung von Tausenden Kindern. Vor allem Kinder aus sozial schwächeren Verhältnissen werden damit erreicht. Doch das Thema ist weiterhin brisant.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/f/4/csm_10_Jahre_Powerkiste_mgt_st_9eb9288cef.jpgEs gibt noch viel zu tunSchul-Initiative „Power Kiste“

Foto: Till Harneit | Tafel Deutschland e.V.

Zehn Jahre „Power Tüte“ und „Power Kiste“

Es gibt noch viel zu tun

16.09.2019
von Maik Mosheim

Seit zehn Jahren unterstützt die REWE Group mit der Initiative „Power Kiste“ und ihrem Vorgänger, der „Power Tüte“, die Schulernährung von Tausenden Kindern. Vor allem Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen werden damit erreicht. Doch Studien belegen: Das Thema ist weiterhin brisant.

Das Frühstück spielt als erste Mahlzeit am Tag eine wichtige Rolle im Leben aller Menschen. Vor allem für Kinder trifft das zu. Doch häufig kommen Eltern ihrer Verantwortung für eine ausreichende Ernährung ihrer Kinder nicht nach. So zeigt eine Studie des Robert-Koch-Instituts aus dem Jahr 2015, dass knapp 30 Prozent der Schüler in Deutschland regelmäßig ohne Frühstück aus dem Haus gehen.

Genau an diesem Punkt setzt das Projekt „Power Kiste“ an, das die REWE Group gemeinsam mit ihrem strategischen Partner, der Tafel Deutschland, seit 2014 führt. Das Projekt versorgt Schulkinder mit gesunden Lebensmitteln und ermöglicht ihnen ein ausgewogenes Frühstück.

1,6 Millionen Frühstücke und 13.000 Tüten und Kisten

Fünfjähriges Bestehen feiert die „Power Kiste“ in diesem Jahr. Die Initiative für eine gesunde Schulernährung startete aber bereits im Jahr 2009 und feiert damit in diesem Jahr bereits ihr zehnjähriges Jubiläum. Seitdem engagiert sich die REWE Group mit der Tafel Deutschland und mehreren Unternehmen (Chiquita, Danone, Ehrmann, FrieslandCampina, Glocken Bäckerei, Mondelez, Nestlé, Unilever, Metzgerei Wilhelm Brandenburg, Zentis) für dieses Thema.

Getrieben vom gleichen Gedanken, der auch die „Power Kiste“ leitet, ging 2009 die „Power Tüte“ an den Start, der Vorgänger der „Power Kiste“. Die „Power Tüte“ war eine Papiertüte, die ein vorgefertigtes Frühstück beinhaltete und direkt an die Schulkinder verteilt wurde. Mit der Einführung der „Power Kiste“ hat sich das geändert. Nun werden die Lebensmittel in Boxen an die Schulen geliefert, wo die Schulkinder dann gemeinsam mit den Lehrern ihr Frühstück zubereiten und im Klassenverbund essen. Das spart nicht nur viel Papier, sondern bringt die Kinder auch dazu, sich aktiv zu beteiligen. Insgesamt über 1,6 Millionen Frühstücke wurden in den zehn Jahren der Initiative bereits ausgegeben, rund 13.000 „Power Tüten und „Power Kisten“ wurden an die Schulkinder verteilt.

Die Mahlzeiten kommen dabei vor allem Kindern aus sozial benachteiligten Verhältnissen zugute, erzählt Judith Schmischke, Schulleiterin der „Förderschule für soziale und emotionale Entwicklung“ in Köln-Sülz. „Wir haben hier hauptsächlich Kinder aus sozialen Brennpunkten, für die eine geregelte Mahlzeit am Tag schon sehr viel bedeutet“, sagt sie. Einige Kinder seien sogar obdachlos und würden auf der Straße schlafen. Gerade für sie sei die „Power Kiste“ eine essenziell wichtige Initiative, weil sonst das Frühstück an den meisten Tagen komplett ausbleiben würde.

Der REWE-Markt in der Luxemburger Straße in Köln beliefert die Schule an allen fünf Wochentagen mit ausreichend Lebensmitteln für alle 120 Schüler. Auch von der Qualität ist Schulleiterin Schmischke begeistert: „Die Produkte sind immer einwandfrei und auch kleine Anpassungen im Lebensmittelplan lassen sich immer ohne Probleme abstimmen.“

Verantwortung
REWE Group
„Viele Kinder
bringen Cola oder
Eistee mit zur Schule“
Foto: Till Harneit | Tafel Deutschland e.V.

Der Initiative zum Trotz ist das Thema Schulernährung brisant, vielleicht brisanter denn je. 15 Prozent der Kinder in Deutschland seien im Grundschulalter bereits übergewichtig, sagt die Ernährungsberaterin Urte Brink. Sie betreute das Projekt „Power Tüte“ von Anfang an mit, ist verantwortlich für die Zusammenstellung des Frühstücks für jeden Wochentag. Als dann die „Power Kiste“ kam, holte man Brink wieder mit ins Boot, auch für die Zusammenstellung der Kiste ist sie verantwortlich. 

Dass viele Kinder mit Übergewicht zu kämpfen hätten, habe viel mit Gewohnheiten zu tun: „Wer von Anfang an ungesunde Gewohnheiten wie regelmäßigen Verzehr von Limonade oder Vanillemilch kennenlernt, wird seltener bei den weniger gesüßten Produkten zugreifen oder plötzlich nur Wasser als Durstlöscher trinken“, betont sie. Auch in der Schule sei das zu beobachten: „Viele Kinder bringen Limonade oder gar koffeinhaltige Getränke wie Cola oder Eistee mit zur Schule, die letztlich gar nicht den Durst löschen. Einige haben nur Süßigkeiten oder Toastbrot dabei.“ Das führe häufig zu weiterer Gewichtszunahme und damit verbunden auch verstärkten gesundheitlichen Problemen. Das Frühstück als erste Mahlzeit am Tag spielt in dieser Hinsicht also eine enorm wichtige Rolle.

Im Interview: Ernährungsberaterin Urte Brink

Urte Brink beschäftigt sich seit zehn Jahren mit Schulernährung und hat die „Power Kiste“ mit-konzipiert. Was sie dabei über fehlendes Verantwortungsbewusstsein und Gewohnheiten gelernt hat, verrät sie in one.

Nur lobende Worte für die Power-Kiste

Foto: Till Harneit | Tafel Deutschland e.V.

Für die „Power-Kiste“ als Initiative, um den Schulkindern ein gesundes Frühstück zu ermöglichen, findet sie nur lobende Worte. Im Vergleich zu ihrem Vorgänger, der „Power Tüte“, konnten laut Brink entscheidende Punkte verbessert werden. Von Papiertüten auf Kisten umzusteigen spare viel Papier und produziere deutlich weniger Müll, außerdem nehme die „Power Kiste“ die Kinder viel mehr in Verantwortung – und stelle ihnen nicht nur ein fertiges Frühstück vor die Nase.

Doch so gut das Projekt auch sei: Es befreie die Eltern keineswegs von ihrer Verantwortung für ein gesundes Frühstück ihrer Kinder. Das wichtigste laut Brink ist es, eine Vorbildfunktion vor den Kindern einzunehmen. Frei nach dem Motto: Was ich mag, mögen auch meine Kinder. Wer also seinem Kind vorlebt, von Fast Food und zuckerhaltigen Getränken leben zu können, der muss damit rechnen, dass es Kinder einem gleichtun. „Jeder kann in kürzester Zeit am Abend vorher ein Brot schmieren oder ein wenig Obst und Gemüse kleinschneiden“, sagt Brink. Das Frühstück verhindere, dass die Kinder schon früh am Tag Hunger haben, auch Kopfschmerzen treten dann nicht so schnell auf. Zudem könnten sich die Kinder besser konzentrieren und seien weniger aggressiv.


„Ich hatte das Gefühl, die Kinder dort können ein gesundes Frühstück besonders gut gebrauchen“

Annemarie Rudel ist REWE-Kauffrau aus Bamberg und engagiert sich zwei Jahren mit ihren Mitarbeitern für die Power Kist

Annemarie Rudel ist REWE-Kauffrau aus Bamberg und engagiert sich zwei Jahren mit ihren Mitarbeitern für das Projekt. In Kooperation mit der örtlichen Tafel beliefert REWE Rudel die Hugo-von-Trimberg-Schule in Bamberg – jeden Montag bis Freitag – mit frischen Lebensmitteln. Die Schule hat Annemarie Rudel selbst ausgesucht. „Ich hatte das Gefühl, die Kinder dort können ein gesundes Frühstück jeden Morgen besonders gut gebrauchen“, sagt sie heute. Sie und ihre Mitarbeiter packen jeden Tag Lebensmittel, dazu gehören vor allem Brot, Aufschnitt, Gemüse und Obst, für 30 Kinder in die dafür vorgesehen „Power Kisten“. Einen finanziellen Nutzen zieht sie, wie alle an der Aktion beteiligten REWE-Kaufleute, daraus nicht, vielmehr entsteht sogar ein Mehraufwand. Doch den nimmt sie gerne auf sich. Sie wünscht sich, dass solchen Initiativen mehr Beachtung geschenkt wird.


Waldschule in Flensburg
Wenn das Frühstück in die Schule kommt

Wenn die Fahrer der Tafel Flensburg mit ihrem Auto in der Waldschule in Flensburg vorfahren, kommt es nicht selten vor, dass schon Kinder bereitstehen, um die Ankömmlinge zu begrüßen und laut „Frühstück, Frühstück“ rufen. Denn die Fahrer bringen täglich das Frühstück für rund 200 Schülerinnen und Schüler in die Schule. Mal Brot mit Aufstrich, mal Obst, mal Haferflocken. Das von der Ernährungsberaterin Urte Brink zusammengestellte Frühstück variiert von Tag zu Tag und schafft so Abwechslung im Alltag der Kinder. Die Fahrer der Tafel bringen die Lebensmittel in Styroporboxen an die Schule. Die wurden zuvor im REWE-Markt in Flensburg anhand einer Liste zusammengestellt, vor allem Eigenmarkenprodukte sind darunter. Die Boxen werden in einem kleinen Frühstücksraum in der Schule aufbewahrt, bis die Schülerinnen und Schüler sie selbstständig nach der ersten Stunde abholen können. Dann wird gemeinsam in den Klassen gefrühstückt.

Im letzten Herbst startete die Tafel Flensburg das Projekt mit der Waldschule, die von vielen Kindern aus sozial schwächeren Verhältnissen besucht wird. Initiator der ganzen Aktion ist Klaus Grebbin, Leiter der Tafel. Seit vier Jahren arbeitete die Tafel Flensburg bereits mit der Schule zusammen. Die „Power Kiste“ kannte er bereits, als dann auch noch ein REWE-Markt in Flensburg eröffnete, sah er eine gute Möglichkeit, die Schule noch weiter zu unterstützen. Er stellte sein Anliegen der Bundestafel vor – und bekam eine positive Rückmeldung. Das Projekt sei von Anfang an von „hervorragend“ angenommen worden, sagt Grebbin, daran habe sich bis heute auch nichts geändert.

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