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ArticleId: 2353magazineMit dem Bau von Mini-Häusern will „Little Home“ Obdachlosen zurück in die Gesellschaft helfen – unterstützt von Toom. In one spricht Vereinsgründer Sven Lüdecke über Erfolge, Rückschläge – und warum er Kritiker „auf die Platte“ einlädt.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/4/0/csm_Toom_Box__mgt_st_c9118495f7.jpgMini-Häuser für ObdachloseToom unterstützt Little Home
Toom unterstützt Little Home e.V.

Mini-Häuser für Obdachlose

23.07.2019

Mit dem Bau von Mini-Häusern will der Verein „Little Home“ Obdachlosen den Weg zurück in die Gesellschaft ebnen – unterstützt von Toom. In one spricht Vereinsgründer Sven Lüdecke über Erfolge, Rückschläge – und warum er Kritiker „auf die Platte“ einlädt.

Außenansicht eines Little Home

Drei Quadratmeter sein Eigen nennen: Das Leben für Obdachlose auf der Straße ist geprägt von Ausgrenzung und Entbehrung. Um Obdachlosen eine Hilfestellung bei ihrem Weg zurück in die Gesellschaft zu bieten, stellt ihnen der Verein Little Home Köln e.V. mobile Mini-Häuser und somit einen geschützten Wohnraum zur Verfügung. Toom unterstützt den Verein unter anderem mit Material für die „Little Homes“.

„Als Unternehmen fühlen wir uns verpflichtet, uns hilfsbedürftigen Menschen zuzuwenden. Mit den Little Homes können wir schnell mit unseren eigenen Materialien helfen und gleichzeitig für das Thema Obdachlosigkeit sensibilisieren“

Dominique Rotondi, Geschäftsführer Einkauf und Logistik und zuständig für Nachhaltigkeit bei Toom

Ein Little Home bietet 3,20 Quadratmeter Wohnfläche und damit Hilfsbedürftigen einen sicheres Dach über dem Kopf mit Platz für eine Matratze, einer kleinen Ablagefläche mit Erste-Hilfe-Set, einem Feuerlöscher, einer Campingtoilette, einem Waschbecken sowie einer kleinen Arbeitsfläche. Die Mini-Häuser stehen auf Rollen und sind damit jederzeit „mobil“. In Absprache mit den jeweiligen Städten oder Besitzern von Privatgelände werden die Häuser aufgestellt und den neuen Bewohnern übergeben.

Innenansicht eines Little Home

„Wohnboxen sind nur ein Pflaster, nicht die Lösung“

Sven Lüdecke, Vorstand Little Home e.V.

Eigene vier Wände zu haben und damit einen Rückzugsort zu besitzen gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Der Einstieg in eigenen Wohnraum mithilfe der Little Homes ermöglicht den Obdachlosen kurzfristig viele neue Perspektiven. Der Verein unterstützt ebenso bei der Jobsuche, bei der Suche nach ordentlichem Wohnraum sowie bei Ämtergängen. „In neun deutschen Städten ist Little Home e.V. mit mehr als 90 mobilen Wohnboxen bereits vertreten und die Anfragen mehren sich täglich“, erklärt Sven Lüdecke, im Vorstand von Little Home e.V. Köln. „Wichtig ist jedoch, dass unsere Wohnboxen nur ein Pflaster sind und nicht die Lösung des gesamtgesellschaftlichen Problems, vor dem wir alle stehen. Ziel muss es sein, den Obdachlosen langfristig eine Job- und Wohnperspektive zu geben“, so Lüdecke weiter. Die Kooperation zwischen Toom und Little Home e.V. Köln ist derzeit bis Ende 2019 geplant.

Im Interview: Sven Lüdecke, Vorstand bei Little Home e.V.
„Ein Mini-Haus kann eine neue Identität stiften“

Im one_Interview erklärt Vereinsgründer Sven Lüdecke, warum es wichtig ist, dass Obdachlose ihr neues Mini-Haus geschenkt bekommen, wie die Häuser ein erster Schritt in ein neues Leben sein können – und warum er Kritiker einlädt, mit 35 Euro Startkapital mit ihm zehn Tage „auf Platte“ zu leben. 
 

Sven Lüdecke, Vorstandsmitglied von Little Home e.V. Köln

one: Herr Lüdecke, was kostet eigentlich die Herstellung eines Little Home, und wie viele davon haben Sie schon aufgestellt und an Obdachlose verschenkt?
Sven Lüdecke: Allein das Material für ein Little Home kostet etwas mehr als 1.000 Euro. Darin ist die Arbeit für den tatsächlichen Bau natürlich nicht enthalten. Den übernehmen in der Regel ehrenamtliche Helfer. Auf diese Weise konnten wir seit der Gründung von Little Home e.V. Ende 2016 bis heute ganze 100 Minihäuser herstellen und Obdachlosen ein Dach über dem Kopf schenken.

one: Warum ist es wichtig, dass Sie die Häuschen verschenken und die Obdachlosen sie nicht etwa „nur“ zum Wohnen zur Verfügung gestellt bekommen?
Sven Lüdecke: Wenn ich ein Little Home geschenkt bekomme und realisiere, dass es tatsächlich meins ist – und ich nicht vielleicht schon morgen wieder auf der Straße sitze – kann das echte Veränderungsprozesse in Gang setzen. Ein solches Haus kann eine neue Identität stiften und auf diese Art viele Energien für das Beschreiten neuer Wege freisetzen.

„Die Häuser sind für viele ein Anstoß für Veränderung“

Sven Lüdecke

one: Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?
Sven Lüdecke: Puh, wir haben unendlich viele Erfahrungen gemacht! Eine wichtige Erfahrung war zum Beispiel, dass viele Obdachlose, die ein Little Home erhalten, zunächst einmal zur Ruhe kommen müssen. Auf der Straße zu leben, immer wachsam zu sein und permanent seinen gesamten Hausstand dabei zu haben, bedeutet ständige Anspannung. Im Little Home müssen die Bewohner oft erst neue Kräfte und Energie aufbauen, damit sie weitere Veränderungsprozesse anstoßen können. Nach einiger Zeit erst kommen viele von ihnen auf uns zu und bitten um Unterstützung, etwa bei Behördengängen, Anträgen von Arbeitslosengeld II oder auch bei Bewerbungen für Arbeitsplätze. Ziel unserer Arbeit ist es, diesen Menschen mit einem Ort, an dem sie wieder zur Ruhe kommen, einen Steigbügel zu halten, wenn es darum geht, wieder einen Weg ins System zu finden. Insofern sind die Häuser für viele ein Anstoß für Veränderung.
 
one: Nach welchen Kriterien wählen Sie die Menschen aus, die ein mobiles Heim geschenkt bekommen?

Sven Lüdecke: Wir haben inzwischen bei Little Home in Deutschland eine Warteliste von 17.000 Menschen! Wichtig ist uns bei der Auswahl vor allem, dass wir bei potenziellen Bewohnern der Minihäuser optimistisch sind, dass ein Little Home für sie ein Sprungbrett für die Neuausrichtung ihres Lebens sein kann. Junkies und starke Alkoholiker brauchen andere, differenziertere Hilfe bei ihrer Sucht. Für sie reicht ein Little Home nicht aus. 
 

„Wir mussten lernen, dass unsere Ansprüche an ein würdiges Leben nicht auf alle übertragbar sind.“

Sven Lüdecke

one: Geht der Plan auf, Obdachlosen mit den Little Homes einen Übergang zu einer festen Wohnung und zu einem Neuanfang zu ermöglichen?
Sven Lüdecke: Ja und nein! Es ist uns in den zweieinhalb Jahren seit Vereinsgründung gelungen, 39 Bewohner in festen Wohnraum zu bringen; viele Little Homes haben also inzwischen einen zweiten oder sogar dritten Bewohner gefunden. 27 der ehemaligen Little Home-Besitzer sind – Stand heute – in Arbeitsverhältnissen. Das ist enorm und darauf sind wir stolz. Diese Menschen müssen jedoch auf ihrem neuen Lebensweg durch Profis wie Sozialarbeiter begleitet werden, sonst halten viele von ihnen die ungewohnte „Langstrecke“ nicht durch. Das können wir als Verein nicht stemmen und dafür sind wir nicht ausgebildet. Wir haben allerdings auch Bewohner, die mit der bestehenden Lebenssituation in ihrem Little Home zufrieden sind und die gar nicht in der Lage wären, in festen Wohnräumen zu leben. Für diese Menschen haben wir mit den Minihäusern zumindest dafür gesorgt, dass sie trocken und sicher über den Winter kommen. Wir mussten selbst erst lernen, dass unsere eigenen Ansprüche daran, was wir für ein würdiges, lebenswertes Leben halten, nicht auf alle Menschen übertragbar sind. Jeder Mensch hat seine Geschichte und damit andere Maßstäbe, welche Veränderungen zu ihm passen oder welche Energien ihm für eine aktive Lebensgestaltung zur Verfügung stehen. 

one: Was entgegnen Sie Kritikern?
Sven Lüdecke: Ich lade Kritiker gern ein, mit mir gemeinsam im Winter zehn Tage „auf Platte“ zu verbringen. Startkapital sind 35 Euro und ein halb gefüllter Handy-Akku. Anschließend dürfen sie zwei Nächte in einem Little Home schlafen und den Unterschied erleben. Danach sind sie herzlich eingeladen, das Engagement von Little Home noch einmal neu zu bewerten. Allerdings hatte bislang noch niemand unserer Kritiker – ob aus Sozialverbänden oder auch Journalisten aus Zeitungsredaktionen – den Mut, dieses Experiment wirklich zu wagen. Ich kann nur sagen: es ist eine Erfahrung wert; meine Einladung steht!

Mein Kommentar

KOMMENTARE

Susanne
vor 2 Monaten und 17 Tagen
Sensationelle Idee, toll, dass toom das unterstützt. Mehr davon.
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Verena
vor 2 Monaten und 23 Tagen
Wirklich beeindruckendes Engagement. Was man mit kleinen Mitteln so erreichen kann.
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Ina
vor 2 Monaten und 23 Tagen
ein ganz wunderbares Engagement!
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Melanie
vor 2 Monaten und 24 Tagen
Kleine Häuser - großes Engagement! Super Sache.
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Daria
vor 2 Monaten und 24 Tagen
Eine super schöne Zusammenarbeit. Wie viel man mit wenig bewirken kann :-) Wir freuen uns auf viele weitere Little Homes.
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