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ArticleId: 2251magazineHeute schon O-Saft getrunken? Wahrscheinlich stammte der aus Brasilien. Das Problem: Die Arbeitsbedingungen sind oft schlecht und die Umweltstandards lasch. REWE und PENNY verkaufen daher als eine der ersten deutschen Handelsketten segregierten Fairtrade-zertifizierten Orangensaft.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/6/7/csm_Listung_Fairtrade-Orangensaft_mgt_st_741f13ddfd.jpgMehr als nur ein OrangensaftFairtrade bei Eigenmarken
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Fairtrade bei Eigenmarken

Mehr als nur ein Orangensaft

12.04.2019

Heute schon einen O-Saft getrunken? Wahrscheinlich stammte der aus Brasilien. Das Problem: Die Arbeitsbedingungen auf den Plantagen sind oft schlecht und die Umweltstandards lasch. REWE und PENNY wollen das ändern und verkaufen als eine der ersten Handelsketten in Deutschland so genannten segregierten Fairtrade-zertifizierten Orangensaft. Was es damit auf sich hat.

Eine Orangenplantage irgendwo in der Region Sao Paulo im brasilianischen Zitrusgürtel. So wie hier geht es auf vielen Zitrusfrucht-Plantagen in tropischen oder subtropischen Regionen zu: Die Arbeiter arbeiten hart – und erhalten in vielen Fällen weniger als den gesetzlichen Mindestlohn. Es gibt niemanden, der sich für ihre Belange einsetzt. Denn gewerkschaftliche Organisationen sind auf den Plantagen oft nicht gestattet. Der Anbau der Früchte erfolgt in Monokultur – das macht die Orangenbäume anfällig für Schädlingsbefall. Entsprechend intensiv müssen sie mit Pflanzenschutzmitteln bekämpft werden. Kurzum: Orangenanbau und Saftproduktion stehen vor vielschichtigen sozialen und ökologischen Herausforderungen.

Dort setzt die REWE Group an: Als eine der ersten Handelsketten in Deutschland verkaufen REWE und PENNY unter den Eigenmarken REWE Beste Wahl und Paradiso so genannten segregierten Fairtrade-zertifizierten Orangensaft. Das Besondere: Die Lieferkette ist von den Warenströmen konventioneller Orangensäfte getrennt. Dadurch ist eine Vermischung von konventionellem und Fairtrade-zertifiziertem Saft ausgeschlossen. Die Lieferkette der Orangen ist vom kleinbäuerlichen Anbau bis in die Märkte rückverfolgbar.

„Es war uns wichtig, gemeinsam mit den brasilianischen Kleinbauern und Fairtrade Lösungen zu entwickeln, die einen nachhaltigen Anbau unterstützen und die Situation der Menschen vor Ort verbessern“, erläutert Jan-Peer Brenneke, Vorstand der REWE International AG und Bereichsvorstand für Ware Handel International der REWE Group. Für die Herstellung des segregierten Fairtrade-zertifizierten Orangensafts werden ausschließliche Orangen aus dem Fairtrade-zertifizierten Kleinbauernkooperativen genutzt. Sie profitieren neben den Vorteilen des fairen Handels, wie Mindestpreise und Prämien, zusätzlich von einem direkt verbundenen Fairtrade-Projekt.

In Kooperation mit Fairtrade leistet die REWE Group einen gezielten Beitrag zu besseren Lebens- und Arbeitsbedingungen im so genannten brasilianischen Zitrusgürtel. Im Mittelpunkt stehen Menschen auf Plantagen, die die Saftorangen der REWE- und PENNY-Säfte ernten: Bauern, Erntehelfer, Führungskräfte und technische Berater in den Bundesstaaten Parana, Rio Grande do Sul und Sao Paulo. Sie erhalten Hilfe zur Selbsthilfe: Schulungsprogramme machen sie mit landwirtschaftlichen Methoden vertraut, die nicht nur die Produktion steigern, sondern auch die Arbeitsbedingungen verbessern und die Umwelt schonen. „Mit dem Projekt adressieren wir die dringendsten Hot Spots im Orangenanbau in unserer Lieferkette. Langfristig ist für uns denkbar, das Projekt um weitere relevante Themen, wie beispielsweise die Löhne der Arbeiter vor Ort, in Zusammenarbeit mit anderen Stakeholdern zu erweitern", fasst Jan-Peer Brenneke zusammen.

Die REWE Group engagiert sich bereits seit 2016 als Mitglied der europäischen Fruit Juice Platform für soziale und ökologische Verbesserungen in den Lieferketten der Fruchtsaftindustrie. Außerdem ist die REWE Group seit 2017 Mitglied im Steering Committee und verpflichtet sich dem AIJN Code of Business Conduct. Mitte 2018 hatte die REWE Group angekündigt, bis 2025 ausschließlich nachhaltig zertifizierten Orangensaft in ihren Märkten zu verkaufen.

Direktsaft oder Saftkonzentrat?

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Orangen werden meist direkt im Anbauland, in größtenteils vollautomatisierten Saftfabriken ausgepresst. Der frische Saft wird kurz erhitzt (pasteurisiert), um ihn haltbar zu machen. Danach teilt sich die Prozesskette – je nachdem, ob Direktsaft oder Saftkonzentrat hergestellt wird. Der stark heruntergekühlte Direktsaft geht per Tankschiff direkt in den Export Richtung Europa. Bei der Verarbeitung zu Konzentrat wird der Saft im Vakuum erhitzt und auf knapp ein Sechstel seines Volumens eingedampft. Zurück bleibt das Konzentrat, eine klebrige, süß-säuerliche Masse sowie das durch Destillation isolierte Aroma (eine klare Flüssigkeit, die stark nach Frucht schmeckt). Nach der Verschiffung wird das Konzentrat in Abfüllbetrieben mit den mitgelieferten Aromen und Trinkwasser wieder zu Saft aufbereitet und abgefüllt.

Die Verbraucher trinken am liebsten Orangensaft aus Konzentrat, allerdings mit rückläufiger Tendenz. Nach Angaben des Verbandes der Fruchtsaftindustrie ist dessen Verbrauch in den vergangenen zehn Jahren um ein Drittel zurückgegangen. Entsprechend ist die Nachfrage nach Direktsaft gestiegen. 

Am liebsten aus Brasilien

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Orangensaft ist der weltweit am meisten getrunkene Fruchtsaft. In Deutschland rangiert er mit einem jährlichen Pro-Kopf-Konsum von 7,4 Litern in der Gunst der Verbraucher auf Platz zwei, knapp hinter Apfelsaft (7,6 Liter). Woher stammt der Saft? Zitrusfrüchte wie Orangen gedeihen am besten in den Tropen, in subtropischen Regionen sowie in mediterranem Klima. Sie benötigen viel Sonne und Wärme. Bei zu großer Hitze ist intensive Bewässerung notwendig, während Frost zur Blütezeit die Ernte schädigen kann. Knapp 80 Prozent der weltweiten Orangensaft-Exporte stammen aus Brasilien – so auch der größte Teil des in Deutschland angebotenen Orangensafts.


„Wir wissen, wo der Saft herkommt“

Sarah Hockertz, Junior Referentin Nachhaltigkeit Ware (Food/Non Food) REWE Group Buying GmbH

one: Was unterscheidet die Fairtrade-Säfte von REWE und PENNY von anderen?  
Sarah Hockertz: Für uns waren zwei Punkte von besonderer Bedeutung: physische Rückverfolgbarkeit durch getrennte Verarbeitung – wir kennen also den Ursprung der Orangen ganz genau – und ein individuelles Nachhaltigkeitsprojekt vor Ort, was die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bauern und ihrer Familien verbessert. Der REWE Beste Wahl Fairtrade-Orangensaft und der Penny Paradiso Fairtrade-Orangensaft profitieren von diesen Nachhaltigkeitsmehrwerten und zeigen unser Engagement transparent auf der Verpackung.  

one: Warum hat sich die REWE Group entschieden, gerade mit dieser Kleinbauern-Initiative zusammenarbeiten und wo liegen hier die besonderen Herausforderungen, den Anbau und die Produktion nachhaltiger zu gestalten? 
Sarah Hockertz: In der Zusammenarbeit mit Fairtrade und Kleinbauern-Initiativen ist ein direkter Kontakt in den Ursprung des Orangensafts möglich – das macht das Projekt nicht nur für alle Beteiligten transparenter, sondern führt auch dazu, dass die Maßnahmen individuell auf die Bedürfnisse der Kleinbauern ausgerichtet werden können. In der engen Zusammenarbeit können Schulungen zur Hilfe zur Selbsthilfe aus unserer Sicht ideal wirken und Verbesserungen vor Ort für die Bauern herbeiführen. 

one: Welche weiteren Ziele hat sich die REWE Group gesteckt, um sein übriges Orangensaft-Angebot nachhaltiger zu gestalten?
Sarah Hockertz: Die REWE Group hat sich im letzten Jahr als erster Händler das Ziel gesetzt, das gesamte Sortiment auf nachhaltig zertifizierte Säfte umzustellen. Bis 2025 werden wir nur noch zertifizierte Produkte bei unseren Eigenmarken in unserem Regal anbieten. 

„Mehr Kunden kaufen bewusst ein“

Rino Iacobellis, Senior Buyer REWE Group Buying GmbH

one: Können Kunden sicher sein, dass für die Herstellung des bei REWE und PENNY angebotenen Fairtrade-zertifizierten Orangensafts tatsächlich ausschließlich Orangen aus der zertifizierten Kooperative verwendet wurden?
Rino Iacobellis: Absolut! Für unseren Fairtrade Orangensaft für Rewe und Penny wird nur segregierte Ware verwendet, das heißt die Orangen werden vom Transport vom Feld in Brasilien, über die Verarbeitung im Presswerk bis zum Transport nach Europa und zur Verarbeitung in unsere Produkte separat von anderen Orangen gehandhabt. 

one: Können Kunden die Lieferkette bis zur einzelnen Kooperative zurückverfolgen?
Rino Iacobellis: Nein, das ist technisch nicht möglich. Die Früchte für unseren Orangensaft stammen aus drei Kooperativen und werden gemischt. Aufgrund unterschiedlicher Säurewerte kann das Mischungsverhältnis ein wenig variieren. Unsere Kunden können aber sicher sein, dass die Rückverfolgbarkeit Teil von regelmäßigen Audits ist, beispielsweise von Fairtrade. 

one: Welches Wachstumspotential haben Fairtrade-Säfte?
Rino Iacobellis: Fairtrade hat für uns ein großes Potenzial, da immer mehr Kunden bewusst einkaufen und so auch Nachhaltigkeitsaspekte in den Fokus rücken. Besonders im Bereich der Säfte, die oftmals aus tropischen Ländern stammen, ist Fairtrade für uns eine große Hilfe, soziale Standards vor Ort zu verbessern. 
 

„Kleinbauern werden verdrängt“

Claudia Brück, Vorstand Kommunikation, Kampagnen und Politik, Fairtrade

© Fairtrade / Hanna Witte

one: Welche sozialen und ökologischen Herausforderungen kennzeichnen den Orangenanbau und die Saftproduktion in Brasilien?
Claudia Brück: Der Orangenanbau in Brasilien hat als Monokultur eine Reihe von Herausforderungen, angefangen bei den eingesetzten Pestiziden, die sich auf die heimische Artenvielfalt auswirken kann, oder unzureichender Gesundheitsschutz und mangelnde Arbeitssicherheit. Durch die große Machtkonzentration auf nur wenige Großbetriebe werden nachhaltiger wirtschaftende Kleinbauern aus dem Markt gedrängt.

one: Wie hilft die Fairtrade-Zertifizierung, den Orangenanbau nachhaltiger zu gestalten und die Lebens- und Arbeitssituation der Kleinbauern zu verbessern?
Claudia Brück: Durch Fairtrade erhalten die Bauern einen Mindestpreis, welcher bei niedrigen Marktpreisen greift und damit Planungssicherheit bietet. Zudem erhalten sie eine Prämie, welche für Gemeinschaftsprojekte der jeweiligen Kooperative eingesetzt wird. Gleichzeitig gibt es strenge Anforderungen an den Einsatz von Pestiziden und Arbeitsbedingungen der Bauern und ihrer Arbeiter. 

one: Wie trägt die REWE Group über die Fairtrade-Zertifizierung hinaus dazu bei, die Missstände zu beheben?
Claudia Brück: Durch die im Projekt angestoßenen Schulungen werden die Kleinbauern dort abgeholt, wo bei ihnen noch Entwicklungspotenzial besteht und wo durch die Schulungen langfristig Wissen vor Ort aufgebaut und verankert wird. Durch eine klare Kommunikation an den Kunden kann dieser die Geschichte der Bauernkooperative und des Orangensafts nachvollziehen und schafft so Verständnis für die Situation vor Ort. Das ist notwendig, um im REWE oder Penny Markt eine nachhaltige Kaufentscheidung treffen zu können. 
 

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