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ArticleId: 533magazineVerkürzt, entschlackt, zielorientiert: Die Ausbildung zum betrieblichen Ersthelferinnen und Ersthelfer wurde zum 1. April neu gestaltet. Eingeübt werden praktische Hilfsmaßnahmen - und wie man auch im Notfall einen klaren Kopf behält.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/b/b/csm_ersthelfer_mgt_standard_b066b36715.jpg„Sie können nichts falsch machen!“Betriebliche Ersthilfe
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Betriebliche Ersthilfe
„Sie können nichts falsch machen! Das ist das Schöne an Erster Hilfe.“
von Bettina Rees und Sabine Stachorski

Verkürzt, entschlackt, zielorientiert: Die Ausbildung zu betrieblichen Ersthelferinnen und Ersthelfern wurde zum 1. April neu gestaltet. Eingeübt werden praktische Hilfsmaßnahmen - und wie man auch im Notfall einen klaren Kopf behält.

Der Kollegin wird bei der Hitze schwarz vor Augen, der Kollege verletzt sich mit der  Büroschere... Wie gut, dass schnell jemand mit kühlem Kopf und Erste-Hilfe-Koffer zur Stelle ist: Der betriebliche Ersthelfer weiß, dass auch „Bagatellverletzungen“ schnell versorgt werden müssen. Je schneller, desto besser.

Zum 1. April wurde die Betriebshelferausbildung neu konzipiert: Verkürzt auf Lebensrettung, aber eben auch um einfache Erste-Hilfe-Maßnahmen und grundsätzliche Hilfestrategien. Also darum, eine Situation einzuschätzen und zu wissen, was in welcher Reihenfolge zu tun ist.

Denn ob Pflaster oder Reanimation: Vor allem machen die Ersthelferkurse Mut. Mut, überhaupt etwas zu tun. „Sie können nichts falsch machen. Das ist das Schöne an Erster Hilfe". Das sagt Simone Stefer von der Johanniter Unfallhilfe.

Sie gibt die Ersthelferkurse in den Kölner Zentralstandorten der REWE Group. Erste Hilfe, sagt sie, sei nicht schwer, die konkreten Handgriffe seien nicht kompliziert. Die üben die Kursteilnehmer fleißig ein: Umsichtig bei der stabilen Seitenlage, schweißtreibend bei der Reanimation, konzentriert beim Verband anlegen... Die einzelnen Maßnahmen sind aber immer nur Teil eines festen Ablaufs, den Stefer mit den Teilnehmern durchgeht, damit sie im Notfall nicht den Kopf verlieren. Und immer wieder betont sie den Stellenwert psychischer Hilfe. Den Verletzten vor Neugierigen abschirmen, die Hand halten, mit ihm sprechen, bis der Rettungsdienst eintrifft. Denn ein Ersthelfer ist für die Erste Hilfe da - bis der Notarzt übernehmen kann.

Über ihre Motivation und Erfahrungen sprach one mit frischgebackenen und mit altgedienten Ersthelfern, mit Lebensrettern und anderen, die jeden Tag froh sind, wenn ihre Hilfe nicht benötigt wird....

Ulla Rudersdorff, Teamleitung Touristische Kreditoren, DER Touristik Köln, Porz
Sie nahm an einem der neu konzipierten 1-Tages-Kurse teil.

Handlungsfähig werden

Schon als mein Kind klein war, wollte ich einen Erste-Hilfe-Kurs machen. Ich wollte nicht im Falle eines Falles hilflos daneben stehen wie „Ochs am Berg“, sondern mich sicher und handlungsfähig fühlen. Nach dem Kurs kann ich nun sagen: „Ja, das habe ich erreicht“. Ich fühle mich nun sicherer und weiß: das Verkehrteste, was man in einer Notfallsituation machen kann ist, gar nichts zu machen.
Meine Kollegen habe ich von der Schulung erzählt und sie ermutigt: „Macht doch auch mal!“. Denn man kann davon nur profitieren.

Martin Mosebach
Sachbereichsleiter Kasino am Standort Domstraße

Gut gerüstet

In meinem Job im Küchenbereich passiert ja öfters mal etwas. Die Ausbildung zum betrieblichen Ersthelfer habe ich absolviert, damit ich nicht im Falle eines Falles hilflos herumstehe, sondern Ruhe bewahre und trotz Schock richtig reagiere. Die Schulung hat mit das Gefühl gegeben, gut gerüstet zu sein.
Seit ich Ersthelfer bin, ist interessanterweise in meiner Küche nichts mehr passiert...

Kirsten Blomenkamp
Sie arbeitet für die REWE Group im Bereich Gesundheitsmanagement, der unter anderem die Betriebshelferschulungen für die Kölner Zentralstandorte organisiert. Natürlich sind alle im Team ausgebildete Ersthelferinnen und Ersthelfer.

Da sein, beruhigen, die Hand halten

„Seit ich im Unternehmen bin, wurde ich glücklicherweise noch nie zu einem lebensbedrohlichen Notfall gerufen, häufig reichen Kühlpack, Verband oder Pflaster. Aber dennoch bin ich bei jedem Durchruf nach einem Ersthelfer froh, wenn ich mit meiner Kollegin Inger-Marie Sandberg im Doppelpack losgehen kann. Wir sind ein eingespieltes Team. Während die eine beispielsweise den Notruf absetzt und dann auf den Rettungswagen wartet, um ihn zu dem Notfall zu leiten, kümmert sich die andere um den Betroffenen. Denn das ist eine der ganz wichtigen Aufgaben eines Ersthelfers: Da sein, beruhigen, die Hand halten... Das kann übrigens jeder, auch ohne Ersthelferausbildung. Und jeder kann natürlich auch die Zentrale oder die Rettung rufen (man sollte nur nicht vergessen, in den Kölner Standorten vor die 112 eine 0- zu setzen). Trotzdem freue ich mich über jeden neu ausgebildeten Ersthelfer, der unser Team verstärkt.

Bei meinem allersteren Einsatz wurde ich zu einer verletzten Reinigungskraft gerufen, und ich wartete alleine mit ihr auf den Notarzt. Ich war sehr aufgeregt und unsicher, aber im Nachhinein denke ich, das hat die Frau gar nicht mitbekommen. Für sie war nur wichtig, dass jemand da war, bis der Rettungswagen kam.

Karin Löffler
Business Analyst Strategisches Multi-Projektmanagement Handel
REWE Systems GmbH

Ich helfe einfach gerne

Gleich nach ihrem Einstieg ins Unternehmen vor rund einem Jahr erkundigte sich Karin Löffler nach den Angeboten zur betrieblichen Ersthelfer-Ausbildung. Zuvor hatte sie in den Niederlanden gearbeitet, wo sie die dort übliche kombinierte Schulung als Brand- und Ersthelferin absolviert hatte.

„Ein Kollege bei meinem letzten Arbeitgeber war Epileptiker, mein Chef hatte einen Herzinfarkt. Mir war es wichtig, ad hoc zu wissen, was ich tun muss, wenn ich im privaten oder beruflichen Umfeld mit einem Notfall konfrontiert werde.

Ich helfe einfach gerne, aber die Schulung lehrt über die konkreten Hilfsmaßnahmen noch mehr: Einen kühlen Kopf zu bewahren, den Notruf abzusetzen, den Rettungsdienst einzuweisen.. Ich denke, genau das ist das Wichtige: aufmerksam zu sein und zu wissen, was in bestimmten Situationen zu tun ist.

Die Schulung zum betrieblichen Ersthelfer gibt mir die Sicherheit, dass ich nichts falsch machen kann. Der Seminarleiter hatte mit uns nämlich auch über unsere Rechte gesprochen, die wir als potenzielle Ersthelfer auf unserer Seite hätten. Und wenn wir in einer Situation unsicher sind, welche Maßnahme die richtige ist: Die 112 rufen, ist immer richtig.

Rühren die Trommel für die Erste Hilfe (v. l.): Gesundheitsreferent Peter Hildebrandt und Category Manager Klaus Hofmann
Erste Hilfe unter Kollegen

Aus heiterem Himmel kann jeder in die Situation kommen, Hilfe leisten zu müssen. Diese Erfahrung machte auch Peter Hildebrandt. Der Gesundheitsreferent aus der REWE-Region Südwest war auf dem Rückweg vom Lager In den Weinäckern in sein Büro im Unteren Wald. „Ich hatte Sicherheitsschuhe in die Logistik gebracht, als ich vor mir ein Auto mit Warnblinker auf der Bundesstraße stehen sah“, erinnert er sich an den 13. November 2013. Langsam überholt er und sieht eine Silhouette gebückt über dem Lenkrad liegen. Hildebrandt hält vor dem Auto und geht zur Fahrertür. Category Manager Klaus Hofmann ist nahezu bewusstlos. Dass die Situation akut lebensbedrohlich ist, ist Hildebrandt schnell bewusst. Er hilft sofort. Die Ärzte werden später feststellen, dass Hofmann eine hypertensive Krise, also einen extremen Anstieg des Blutdrucks, hat. Jede Minute zählt. Der Gesundheitsreferent holt den Kollegen aus dem Auto und verständigt den Rettungsdienst. Dann spricht er mit Hofmann und versucht zu verhindern, dass der Kollege das Bewusstsein verliert, bis der Rettungsdienst eintrifft. Noch heute bekommt der Gesundheitsreferent einen bitteren Ton, wenn er darüber berichtet, wie viele Autos vorüberfuhren. „Kein einziger Fahrer bot seine Hilfe an. Dabei wäre es wichtig gewesen, die Unfallstelle abzusichern“, erinnert sich Hildebrandt. Was so dramatisch begann, hat ein gutes Ende genommen. Heute, nach längerem Genesungsprozess, arbeitet Hofmann wieder. Begegnen sie sich in Aufzug oder Kantine, hat sich zwischen den beiden Kollegen ein festes Ritual etabliert. „Wie geht es Ihnen, Herr Hofmann?“, fragt Hildebrandt. Hofmann antwortet dann: „Gut - dank Ihnen!“

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