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ArticleId: 3261magazineBandenkriege und Corona machen den Schulbetrieb im Collège Verena fast unmöglich. Ein Brief aus Haiti zur aktuellen Lage dort.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/1/e/csm_standard_teaser_acf6564942.jpgPost aus Port-au-PrinceHilfe für Haiti
© Unsplash
Hilfe für Haiti
Post aus Port-au-Prince
von Bettina Rees

Bandenkriege und Corona machen den Schulbetrieb im Collège Verena fast unmöglich. Ein Brief zur schwierigen Lage in Haiti von Kindernothilfe-Mitarbeiter Hugue Augustin. 

Hugue Augustin

In Haiti verschärft sich die Sicherheitslage zunehmend, und auch die Corona-Pandemie ist dort noch nicht erfolgreich eingedämmt. Haiti ist eines der wenigen Länder auf der Welt, in dem noch nicht gegen COVID-19 geimpft wird. Seit Anfang Juni zwingt zudem ein Bandenkrieg in einem Armenviertel der Hauptstadt Port-au-Prince hunderte Menschen dazu, ihr Zuhause zu verlassen und Zuflucht zu suchen – zum Beispiel im Collège Verena. Die Sicherheit ausstrahlende Schule wurde nach dem Erdbeben 2010 mit Hilfe der REWE Group neu und stabil erbaut. 

Wie sich die extrem angespannte Sicherheitslage auf das Collège, ihre Schüler:innen und den Schulbetrieb auswirkt, beschreibt Hugue Augustin, der als Bürodirektor der Kindernothilfe vor Ort in Port-au-Prince ist, in einem Brief vom 22. Juni. one veröffentlicht einen Auszug:

„Bonjour, 

die Unsicherheit im ganzen Land wächst, besonders aber in Port-au-Prince und seiner Umgebung, wo bewaffnete Banden weiterhin Polizeistationen und Außenstellen in bestimmten Gebieten besetzen, Geschäfte plündern, usw. In Delmas 2 und Umgebung, wo sich das Collège Verena befindet, hat sich die Situation verschlimmert, als bewaffnete Banden in der Gegend viele Menschen zwangen, ihre Häuser zu verlassen. Einige von ihnen mussten auf dem Gelände des Collège Verena Zuflucht suchen.

Angesichts dieser Situation kann das Collège nicht weiterarbeiten, aber glücklicherweise hatte unser Partner, die Heilsarmee Haiti, die Zeit, in der zweiten Juniwoche einen Notbetrieb zu planen. Für die Schüler der 9. Klasse und Abschlussklasse, die an den offiziellen Prüfungen teilnehmen müssen, kann das Lernprogramm deshalb fortgesetzt werden.

Da das Viertel völlig unzugänglich ist, sucht die Heilsarmee derzeit nach einem sicheren Gebäude, in dem die Lehrer mit diesen Schülern arbeiten können.

Von den anderen Projekten, die die REWE Group unterstützt, kann ich aktuell Folgendes berichten: 

Stipendienprogramm: Trotz des Anstiegs von Covid-19 in Haiti verfolgen die Stipendiaten ihre Studien weiterhin vor Ort. Wir kontaktieren die Stipendiaten weiterhin jeden Tag, um zu erfahren, wie sich ihre Situation entwickelt. Die Mehrheit der Schüler, die in den umliegenden stark gefährdeten Gebieten lebten, sind umgezogen. Einer der Studenten, die noch in Delmas 2 wohnen, verpasste wegen der angespannten Sicherheitslage mehrere Prüfungen und fiel im letzten Semester durch. Drei Stipendiaten brachen das Projekt aufgrund der unsicheren Lage ab.

„Die schützende Schule" in Cabaret, rund 20 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, ist bislang nicht direkt von der angespannten Sicherheitslage betroffen. Der Unterricht und die Projektaktivitäten konnten – unter den entsprechenden Corona-Schutzmaßnahmen – fortgeführt werden: Hygienemaßnahmen, das Tragen von Atemschutzmasken sowie ein Rotationssystem werden eingesetzt, um Ansteckungen zu vermeiden. Der Unterricht findet noch bis zum regulären Beginn der Schulferien statt. 

Mit „Gemeinsam für Haiti“ hat die REWE Group die Kinder in Haiti in vielen schwierigen Situationen begleitet und unterstützt. Wir sind deshalb froh und dankbar, auch in dieser aktuellen Situation REWE an der Seite der Kindernothilfe zu wissen.

Mit herzlichen Grüßen – und hoffentlich bald wieder mit besseren Nachrichten.
Hugue“

Die Auswahl steht fest
Vier Herzensprojekte

Seit vielen Jahren spenden viele Kolleg:innen monatlich einen festen Betrag von ihrem Gehalt für unsere Schule „Collège Verena“ sowie weitere Bildungsprojekte in Haiti. Bis heute kamen so über vier Millionen Euro zusammen. Zum 10-jährigen Jubiläum wurde das Mitarbeiter-Spendenprojekt neu aufgesetzt – mit den Wunschprojekten der Mitarbeiter:innen

Zur Auswahl stehen:

Kindernothilfe e. V. – Die schützende Schule
Little Home e.V. – Mini-Häuser für obdachlose Menschen
Tafel Deutschland e.V. – Kinder- und Jugendfonds
DER Touristik Foundation e.V. – Black Mambas

Im März startete die Anmeldung für die neue Spendenaktion. Zahlreiche Kolleg:innen unterstützen ihr Herzensthema mit einem festen monatlichen Betrag. Wer noch nicht dabei ist: Hier finden Sie alle Infos zu den Mitarbeiter:innen-Spendenprojekten, die FAQs und das Spendenformular.

Aktuell: Präsident von Haiti erschossen

Aktuell: Präsident von Haiti erschossen

Haitis Präsident Jovenel Moïse ist nach Angaben der Regierung am 7. Juli in seinem Haus ermordet worden. Eine Gruppe bislang unbekannter Angreifer habe in der Nacht die Privatresidenz des Präsidenten in der Hauptstadt Port-au-Prince überfallen und Moïse erschossen, teilte Interims-Ministerpräsident Claude Joseph mit. Seine Frau erlag am Nachmittag ihren Verletzungen.

Mail von Kindernothilfe-Mitarbeiter Hugue Augustin, 7. Juli

 „Die Bevölkerung ist unter Schock, und es ist unklar, wie die nächsten Tage aussehen werden und wie die Nachfolge des Präsidenten geregelt wird.

Die dominikanische Republik schließt ihre Grenzen, und der internationale Flughafen von Port-au-Prince wurde geschlossen. Die unsichere Lage im Land wird in jedem Fall erneut verschärft. Die Bevölkerung bleibt aufgrund dieser Unsicherheit und der angespannten Lage heute Zuhause und wartet ab, was weiter passieren wird.“

Moïse war im Oktober 2015 zum Staatschef gewählt worden. Die Abstimmung wurde aber nach massiven Protesten der Opposition und dem Bericht einer Prüfkommission über Unregelmäßigkeiten annulliert. Bei der ein Jahr später abgehaltenen Präsidentschaftswahl setzte sich der 53-jährige frühere Geschäftsmann erneut durch. Im Februar 2017 wurde er dann vereidigt. Seine Präsidentschaft war begleitet von Protesten, ihm wurden Korruption und Verbindungen zu gewalttätigen Banden vorgeworfen. I

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