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ArticleId: 3530magazineIm Hochwasser-Katastrophengebiet an der Ahr spielen sich noch immer dramatische Szenen ab. Timo Feld stellt sich der Not mit aller Energie entgegen. In one berichtet der Kollege von der REWE Systems, wie der Einsatz sein Leben verändert hat.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/c/7/csm_ts_standard_Fluthelfer_dc2d012309.jpgEs war wie ein TsunamiFluthelfer Timo Feld
Timo Feld ist mit Unterbrechungen seit Tag eins als Helfer im Einsatz | Fotos: Achim Bachhausen
Fluthelfer Timo Feld im Dauereinsatz
Es war wie ein Tsunami
von Achim Bachhausen

Nach wie vor dominiert das Pandemiegeschehen die Nachrichtenlage. Doch auch im Hochwasser-Katastrophengebiet an der Ahr spielen sich noch immer dramatische Szenen ab. Timo Feld stellt sich der Not mit aller Energie entgegen. In one berichtet der Kollege von der REWE Systems, wie der Einsatz sein Leben verändert hat.

Ein Gewerbegebiet in Gelsdorf, Gemeinde Grafschaft. Auf einem Gitterzaun weisen zwei Schilder auf die Nutzung des Geländes hin: „Spendenverteilzentrum Ahrtal“ steht dort und „Logistik-Zentrum Hochwasser Ahr-Gelsdorf“. Und da kommt er auch schon. „Hallo, ich bin Timo. Wir sind hier alle per Du“, sagt Timo Feld und streckt zur Begrüßung die Corona-Faust entgegen. 

Durch das Tor geht’s vorbei an einem Sattelschlepper und Paletten voller Waren in die zeltähnliche Lagerhalle und weiter in ein provisorisch eingerichtetes Büro. Ein großes Ledersofa, Schreibtisch, Computer, Bildschirme, Telefone und ein buntes Sammelsurium an Gebrauchsgegenständen aller Art dominieren den Raum, in dem kaum ein Quadratzentimeter Fläche frei ist. Hier, in der Schaltzentrale des Verteilzentrums, begrüßt uns Sabine. Sie kommt aus Baden-Württemberg und gehört wie Timo zum Team der ehrenamtlichen Helfer. „Wir nehmen am Tag etwa zehn Paletten gemischte Ware an“, berichtet sie. Sabine entscheidet, was angenommen wird und was wieder an die Spendenden zurückgeht, denn nicht immer ist gut gemeint auch gut gemacht: „Mit Kleidung sind wir aktuell bestens versorgt, und für Möbel ist es noch zu früh“, nennt Timo Beispiele. 

Gesammelt, sortiert und zum Abholen bereit

Die Not ist immer noch groß

Die beiden Helfenden bitten Spendenwillige deshalb eindringlich, sich im Vorfeld zu informieren, was im Flutgebiet gerade benötigt wird. Zum Zeitpunkt des Besuchs (und eigentlich immer) gehören Lebensmittel dazu, Hygieneartikel sowie Wasch-, Putz- und Reinigungsmittel. 
Fest steht: Die Not ist im Ahrtal nach wie vor riesig, der Wiederaufbau geht schleppend voran und noch immer stehen viele Menschen buchstäblich vor dem Nichts. „Es fließen viele Tränen bei Betroffenen, auch ich war oftmals sehr bewegt“, räumt Timo freimütig ein. 
Von einer Stunde auf die andere haben viele Ahr-Anwohnende ihr gesamtes Hab und Gut verloren. Auch Timos Freundin musste aus ihrer ebenfalls betroffenen Wohnung ausziehen. 

Timo Feld mit Lebensmittel-Nachschub von REWE

Auch die Familie ist betroffen

Die Freundin und deren Eltern gehören zu den unmittelbar von der Flut Geschädigten. „Meine Freundin war in der Nacht nicht im Elternhaus, das war ihr Glück“, blickt Timo auf jene verhängnisvollen Stunden im Juli zurück, in welcher der sonst so gemächlich dahinplätschernde Fluss mit der Wucht eines Tsunamis Mensch und Tier heimsuchte. „Die Eltern waren 18 Stunden lang in ihrem Haus eingesperrt, bevor sie von der Bundeswehr befreit wurden.“ Glücklicherweise wurde in diesem Fall niemand körperlich verletzt. Was aber blieb: ein zerstörtes Zuhause und ein beträchtlicher Sachschaden, für den keine Versicherung aufkommt. 

Timo selbst musste erleben, wie einige Tage später ein ganzes Dorf urplötzlich evakuiert wurde. „Die Feuerwehrleute riefen nur: ´Lauft, lauft, das Wasser kommt!´ Und schon rannten alle panisch in Gummistiefeln die Weinberge hoch.“ Ein Ereignis, das der junge Mann niemals vergessen wird. Der Grund für den Alarm war offenbar eine Falschinformationen über einen Dammbruch infolge zusammengebrochener Kommunikation.
 
Wie Timo und Sabine, so berichten auch die anderen Helfenden von erschütternden Schicksalen und katastrophalen Bedingungen: zu späte bis keine Warnung vor den Wassermassen, schleppend anlaufende Rettungsaktionen, überforderte Einsatzleitende, mangelhafte Koordination der Hilfsdienste mit- und untereinander sowie der Totalausfall der Verkehrs- und Infrastruktur. 

Timo meldete sich unmittelbar nach der Katastrophe als „Erst- und Universalhelfer“ zum Dienst, holte Lebensmittelspenden ab und verteilte sie anschließend. Seitdem versucht er so oft es geht zu helfen, opferte Wochenenden, Überstunden, Freizeit und den gesamten Jahresurlaub. Sein Arbeitgeber, die REWE Systems, und seine Kolleg:innen unterstützen ihn dabei, zum Beispiel durch die Freistellung vom Dienst. So war es ihm zum Zeitpunkt des one_Besuchs möglich, zehn Tage am Stück zu helfen. 

Wer bekommt was? Und wer macht was? Am Whiteboard werden die Hilfslieferungen gemäß Angebot und Nachfrage strukturiert und festgelegt, wer welche Aufgaben übernimmt

Katastrophe lässt Timo nicht los

„Zusammen mit den Jugend- und Familienvereinen ermittle ich den Bedarf, nehme die Spenden an, sortiere sie und stelle sie für die Auslieferung ins Tal auf Paletten zusammen“, beschreibt der IT-Experte einige seiner typischen Aufgaben in der 1.800 Quadratmeter großen Halle. Darüber hinaus sieht er sich als Multiplikator, versucht über seine Drähte in die REWE Group, Unterstützung zu organisieren. Selbst in seiner spärlichen Freizeit lässt ihn die Katastrophe nicht los, so dass er auch im privaten Umfeld Spenden akquiriert. 

Wie kann ich helfen?

„Wir freuen uns über jeden freiwilligen Helfer, ob vor Ort oder von zu Hause aus“, sagt Timo Feld. „Fragen kostet nichts. Die einzigen Voraussetzung sind eine doppelte Corona-Impfung und Einsatzfreude.“ An Spenden sind Carepakete und Lebensmittel immer willkommen, sowohl für die Betroffenen als auch für die freiwillig Helfenden. Die aktuelle Bedarfsliste kann online eingesehen werden. Bei Spendenangeboten einfach anrufen und fragen 0171 / 6944945. Das Lager ist winterfest, und die Halle ist beheizt. Die Einsatzzeiten sind von 10 bis maximal 17 Uhr. Anmeldung und weitere Infos per Mail an Monika unter: info@verteilzentrumahrtal.de

Das Sachspenden-Verteilzentrum 
In Gelsdorf hat das Land Rheinland-Pfalz ein 1.800 Quadratmeter großes Sachspenden-Verteilzentrum eingerichtet. Von dort werden sämtliche an der Ahr gelegenen Orte bedient. „Von Insul bis Sinzig versorgen wir jedes Dorf“, sagt Timo Feld.
Kontakt:
Albert-Einstein-Straße 8 
53501 Grafschaft-Gelsdorf
Öffnungszeiten für Betroffene:
Montag bis Freitag, 10 bis 17 Uhr
Samstag und Sonntag, 13 bis 17 Uhr
An- und Auslieferungen, Warentelefon für Bestellungen oder Spendenangebote:
Täglich von 10 bis 17:30 Uhr

Auch REWE hilft

Bereits unmittelbar nach der Flut startete die REWE Group vielfältige Unterstützung für die notleidenden Anwohner, unter anderem mit Material- und Geldspenden (one berichtete). Von Anfang an dabei ist die REWE-Region West, die logistisch unterstützt.

So erleichtern die vom Lager Koblenz zur Verfügung gestellten Rollis den Warenumschlag enorm. Regelmäßige Hilfe gab und gibt es vom Team des REWE-Marktes im City Center Troisdorf, das immer wieder Lebensmittel spendet und Inventar wie ausgediente Regale zur Verfügung stellt.

Timo Feld

Der Mensch
Timo Feld, Jahrgang 1989, kümmert sich als Mitarbeitender der REWE Systems um die technische Betreuung von Windows-Servern. Er ist – mit Unterbrechungen – seit Tag eins immer wieder als Helfer im Ahrtal unterwegs. 

Mein Kommentar
Kommentare
Matthias Mielchen
vor 7 Monaten und 9 Tagen
Das kann man mit Worten gar nicht genug würdigen! Großer Respekt für dieses selbstlose Engagement!
Antworten
Simon Breuer
vor 7 Monaten und 9 Tagen
Respekt vor so viel Engagement.
Man kann Timo - und allen anderen Helfern - hier nur "Danke" sagen.
Antworten
Kerstin May
vor 8 Monaten und 1 Tag
Ein beeindruckendes Engagement und ein beeindruckender wie bedrückender Artikel. Danke, dass Ihr weiterhin aus dem Ahrtal berichtet, vor allem mit einem so guten Hinweis wie der Bedarfsliste.
Antworten
Dietmar Burtzlaff
vor 8 Monaten und 1 Tag
Man kann einfach diesem jungen Mann nur DANKE sagen. Und: nachdenken und handeln, wie man selber helfend unterstützen kann. Bei allen Geschehnissen um uns herum: wir dürfen diese leidgeplagten Menschen nicht alleine lassen.
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