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ArticleId: 3108magazineChristoph Matschke, Vorstand REWE International AG, spricht im one_Interview über die sinkende Bereitschaft junger Leute, im Ausland zu arbeiten, warum er sich mehr Risikobereitschaft wünscht – und was eine Station im Ausland für die Karriere bedeuten kann.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/f/d/csm_karrriere-interview-matschke_standard_teaser_e99361280a.jpg„Nicht lange abwägen, machen!“Christoph Matschke
Christoph Matschke, Vorstand REWE International AG
Christoph Matschke
„Nicht lange abwägen, machen!“
von Stefan Weber

Christoph Matschke, Vorstand REWE International AG, über die Bereitschaft junger Leute im Ausland zu arbeiten, Rückkehrgarantien für Expats sowie die Pflichten eines Arbeitgebers.

one: Ob Italien, Rumänien oder zum Beispiel auch Ungarn - die REWE Group ist in vielen spannenden europäischen Ländern vertreten. Warum könnte es für Nachwuchskräfte aus Deutschland oder Österreich interessant sein, eine Zeitlang im Ausland zu arbeiten?
Christoph Matschke: Die übliche nach wie vor zutreffende Antwort auf diese Frage lautet: Weil eine Tätigkeit im Ausland den Horizont erweitert und dazu beiträgt, sich beruflich und persönlich weiterzuentwickeln. Aber es gibt noch einen weiteren, REWE-spezifischen Grund…

one: Und der ist?
Christoph Matschke: Wer seinen Platz an den Konzernstandorten Köln oder Wien gegen einen Job bei einer Landesgesellschaft tauscht, wechselt in eine kleine Organisation mit zwei oder drei Geschäftsführern an der Spitze und vielleicht zehn oder zwölf Abteilungsleitern. Dieses Management stemmt das gesamte Geschäft, von der Strategie bis ins Regal. In einem solchen Umfeld können Nachwuchskräfte sehr unmittelbar erleben, wie unser Unternehmen funktioniert. Und sie haben die Chance, rasch Verantwortung zu übernehmen und Dinge zu bewegen.

one: Für viele junge Leute scheint das nicht Anreiz genug zu sein, denn die Bewerbungen für Aufgaben in den Landesgesellschaften sind häufig eher überschaubar.
Christoph Matschke: Ja, das ist leider richtig. Es gibt vergleichsweise noch wenig Nachwuchskräfte mit Feuer in den Augen, die nicht lange abwägen, wenn sich eine solche Chance bietet, sondern die sagen: Klasse, das mache ich! Und die möchten wir gerne erreichen.

„Ich wünsche mir von Nachwuchstalenten einen Schuss mehr Risikobereitschaft.“
Christoph Matschke
Vorstand REWE International AG

one: Warum ist das so?
Christoph Matschke: Es gibt zwei Entwicklungen, die meiner Meinung nach dafür verantwortlich sind. Zum einen wägen junge Leute eine solche Entscheidung heute stärker ab, als das in früheren Jahren der Fall war. Sie überlegen: Was springt für mich dabei heraus, wenn ich drei, vier Jahre bei einer Landesgesellschaft arbeite? Lohnt sich der Aufwand? Welchen Job bekomme ich danach angeboten? Auf diese Fragen können Vorgesetzte nicht immer belastbare Antworten geben. Wer kann schon sicher sagen, was in drei, vier Jahren sein wird? An dieser Stelle wünsche ich mir von Nachwuchstalenten einen Schuss mehr Risikobereitschaft.

one: Und die zweite Entwicklung?
Christoph Matschke: Junge Leute, die heute nach Abschluss ihres Studiums zur REWE Group kommen, haben oft bereits eine Menge von der Welt gesehen – sei es, weil sie während der Schulzeit ein Auslandsjahr absolviert haben oder sei es, weil sie für Ihr Studium oder im Rahmen von Praktika eine Zeit im Ausland verbracht haben. Wenn wir sie dann nach einigen Jahren in der Zentrale in eine Landesgesellschaft locken möchten, sind viele bereits ein Stück weit müde. Sie möchten ankommen, beruflich und privat. Und nicht schon wieder die Koffer zu packen. Das ist verständlich, aber aus Arbeitgebersicht schade.

„Wer an einer spannenden Aufgabe interessiert ist, möge mir eine E-Mail schreiben.“
Christoph Matschke
Vorstand REWE International AG

one: Was kann die REWE Group tun, um mehr Begeisterung für eine Tätigkeit bei einer Landesgesellschaft zu wecken?
Christoph Matschke: Wir müssen Kandidaten eine größere Portion Sicherheit bieten. Allerdings nicht in dem Sinne, dass wir ihnen eine Rückkehrgarantie mitgeben, die gleich die nächste Karrierestufe beinhaltet. Sondern, indem wir sie zunächst in der Überlegung bestärken, im Ausland zu arbeiten und ihnen aufzeigen, wie wertvoll ein solcher Schritt auch für sie persönlich sein kann. Dann müssen wir deutlich machen, dass wir sie im Auge behalten, auch wenn der direkte Chef einmal wechseln sollte. Und wir müssen zusagen, dass wir in ihrer Heimatorganisation immer eine Aufgabe für sie finden werden, die interessant und spannend ist. Als ich 2007 für PENNY nach Rumänien gegangen bin, hat mein damaliger Chef gesagt: Herr Matschke, das ist ein one-way-ticket! So etwas können wir heute nicht mehr machen.

one: Kurzum: mehr kümmern und kommunizieren?
Christoph Matschke: So ist es. Ich fange damit gleich einmal an: Wer an einer spannenden Aufgabe interessiert ist, möge mir eine E-Mail schreiben. Ich werde mich persönlich darum kümmern. Versprochen!

Christoph Matschke
“Carpe diem!”

Christoph Matschke, REWE International AG board member, discusses young people’s willingness to work abroad, guarantees for returning expats and the duties of an employer. 

Christoph Matschke, REWE International AG board member

one: The REWE Group has stores in a number of exciting European countries – Italy, Romania and Hungary to name but a few. Why is it a good idea for young professionals from Germany and Austria to spend time working abroad?
Christoph Matschke: The standard answer to this question, and one which remains relevant, is that working in other countries broadens your horizons and contributes to your personal and professional development. But there is a further, REWE-specific reason too.

one: And what is that?
Christoph Matschke: If you move from one of our Group sites in Cologne or Vienna to a national subsidiary, you will be going to a small organisation with two or three directors at the top and perhaps ten or twelve department managers. The management organisation controls the entire business, from strategy to supermarket shelves. This type of environment gives young professionals first-hand experience of the way our business works and the opportunity to quickly take on responsibility and get things done.

one: It seems that this is not enough for many young people. There are often very few applications for national subsidiary vacancies.
Christoph Matschke: Unfortunately, that is true. There are still relatively few young professionals with fire in their bellies, who don’t waste time when an opportunity like that arises and instead jump at the chance. And those are the people we want to recruit.

„I would like it if promising young professionals were a bit less risk-averse.“
Christoph Matschke
REWE International AG board member

one: Why do you think that is?
Christoph Matschke: In my opinion, there are two reasons behind it. Firstly, young people today spend longer weighing up these decisions than used to be the case. They wonder what they will get out of working for a national subsidiary for three or four years. Will it be worth the effort? What job will they get afterwards? Line managers do not always have credible answers to questions like these. Who knows with any certainty what will happen in three or four years’ time? I would like it if promising young professionals were a bit less risk-averse.

one: And the second reason?
Christoph Matschke: These days, the graduates who join the REWE Group have often seen a fair bit of the world, either from having a year abroad while they were at school or from spending time in another country as part of their degree or an internship. Many of them are pretty travel-weary by the time we try to entice them to move to one of the national subsidiaries after a few years at head office. They don’t want to pack their bags again; they want to settle down, both professionally and personally. It is understandable, but it’s also a pity from the employer’s perspective.

„If anyone is interested in an exciting position, please send me an email.“
Christoph Matschke
REWE International AG board member

one: What can the REWE Group do to encourage more people to take up a position at a national subsidiary?
Christoph Matschke: We need to offer greater security to candidates. I don’t mean that we should guarantee them a promotion upon their return, but rather that we should initially encourage them to consider working abroad and highlight the opportunities it can offer on a personal level too. We then need to make it clear that we will keep them in mind even if their direct supervisor changes. We have to assure them that we will always find an interesting, exciting role for them in their parent organisation. In 2007, when I went to Romania for PENNY, my manager at the time said, “That’s a one-way ticket, Mr Matschke!” We certainly would not do anything like that nowadays.

one: In short, are you advocating greater care and communication?
Christoph Matschke: Exactly right. Let me start as I mean to go on: if anyone is interested in an exciting position, please send me an email. I will take care of it personally. That’s a promise!

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