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ArticleId: 396newsDurchsichtiger Versuch einer Droh-Kulisse bei geplanter Kaiser’s Tengelmann-Übernahme durch Edeka.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/2/0/csm_Tengelmann_Teaser_standard_1d2ec72380.jpgNRW-Wirtschaftsminister: „Schlecker-Vergleich abwegig“Tengelmann-Übernahme
Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD)
Alain Caparros, Vorstandsvorsitzender REWE Group
Strategie
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Tengelmann-Übernahme
NRW-Wirtschaftsminister spricht Klartext: „Ein Vergleich mit Schlecker ist abwegig“

Durchsichtiger Versuch einer Drohkulisse bei geplanter Kaiser's Tengelmann-Übernahme

Die Medien-Berichterstattung über die Absicht von Edeka, Kaiser’s Tengelmann zu übernehmen, spitzt sich zu. Bereits mehrfach wurde in verschiedenen Medien die kritische Haltung des Bundeskartellamts thematisiert. Auch in den Bundestagsfraktionen von CDU/CSU, SPD und Grünen gibt es Vorbehalte gegen eine Übernahme von Kaiser’s Tengelmann durch den mit Abstand marktmächtigsten deutschen Lebensmitteleinzelhandels-Konzern in Hamburg. Deshalb ist das Thema längst zum Politikum geworden.

Im Deutschen Bundestag mehren sich die Kritiker der geplanten Kaiser’s Tengelmann-Übernahme durch Edeka. Zu befürchten sei eine höchst ungesunde Marktmacht von Edeka auf der Absatzseite, die letztlich zulasten der Verbraucher und der Vielfalt im deutschen Supermarkt-Geschäft gehen würde. Vor allem sei aber auf der Beschaffungsseite mit negativen Folgen für viele kleine und mittelständische Lebensmittelhersteller zu rechnen. Derartige Bedenken gehen quer durch die Parteien. Und das, obwohl das Bundeskartellamt seine Prüfung der Übernahme erst vor wenigen Tagen begonnen hat und wahrscheinlich frühestens im März 2015 zu einer Entscheidung kommen wird. Die Einzelheiten des geplanten Deals sind deshalb noch gar nicht bekannt.

Für Überraschung sorgte in dieser Debatte lediglich ein Politiker, der den geplanten Deal öffentlich ausdrücklich begrüßte: Der SPD-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Tiefensee. Er macht sich hierfür eine Geschichte zueigen, die in identischer Weise auch Edeka dieser Tage gerne erzählt: Edeka müsse die Kaiser's Tengelmann-Filialen übernehmen, da sonst ein "zweiter Fall Schlecker", also massive Arbeitsplatzverluste drohten. Tiefensee war der erste und ist bis heute der einzige Politiker, der sich in dieser Weise zur geplanten Übernahme geäußert hat. Als medialer Steigbügelhalter stellte sich dabei die Lebensmittelzeitung zur Verfügung, die Tiefensee bereitwillig Raum für ein Interview gab, in dem er diese abwegige Droh-Geschichte wiederholte.

Aber damit nicht genug. Die LZ schrieb gleichzeitig eine scharfe und sachlich unhaltbare Polemik gegen das Bundeskartellamt. Dabei wurde die Bonner Wettbewerbsbehörde im Aufmacher-Artikel der vergangenen Woche als Erfüllungsgehilfe der REWE-Interessen dargestellt. Zugleich wurde der Eindruck erweckt, Edeka sei seit Jahren erfolgreicher im deutschen Supermarkt-Geschäft unterwegs als REWE. Auch damit argumentierte die LZ einfach an den Tatsachen vorbei. Denn Fakt ist: Seit Jahren liegt REWE beim Umsatzwachstum im deutschen Supermarkt-Geschäft deutlich vor Edeka! Das Umsatzwachstum in Deutschland von 2011 bis 2013 im Vergleich:

REWE: 2011 + 9,5 Prozent; 2012 + 6,4 Prozent; 2013 + 4,3 Prozent.  
Edeka: 2011 + 5,1 Prozent; 2012 + 4,2 Prozent; 2013 + 3,4 Prozent.

Noch deutlicher haben die selbstständigen REWE-Kaufleute gegenüber den Edeka-Kaufleuten die Nase vorn. Bei der LZ wird dieser Teil der Wirklichkeit ausgeblendet. Stattdessen wird argumentiert, der Abstand von Edeka zu REWE habe sich weiter vergrößert. Dabei wird - damit die Stoßrichtung stimmt - ganz einfach verschwiegen, dass Edeka einzig und allein durch die Übernahme der Plus-Märkte im Jahr 2008 seine Marktposition ausbauen konnte, nicht durch organisches Wachstum. Rechnet man die Übernahme der Plus-Märkte durch den Edeka-Discounter Netto heraus, verringerte sich der Abstand zwischen Edeka und REWE sogar. 

Droh-Kulisse darf nicht unwidersprochen bleiben

Der Aufbau einer Droh-Kulisse à la Schlecker darf selbstverständlich nicht unwidersprochen bleiben. Deshalb hat der Vorstandsvorsitzende der REWE Group Alain Caparros bereits vor einer Woche im Gespräch mit der FAZ darauf hingewiesen, dass Kaiser's Tengelmann in keinster Weise mit Schlecker zu vergleichen sei und dass es sich hier um nichts anderes als Panikmache und den Versuch von Edeka handele, die Öffentlichkeit zu täuschen und das Bundeskartellamt in seiner unabhängigen Entscheidung zu beeinflussen. Diese Position vertritt auch der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD), der dem Magazin FOCUS gegenüber Klartext sprach: „Ich habe großes Vertrauen in die Arbeit der Wettbewerbshüter. Es gibt keinen Grund zur Panikmache. Ein Vergleich mit dem Drama um Schlecker ist abwegig."

Jeder, der sich in unserer Branche ein wenig auskennt, weiß, dass die Kaiser's Tengelmann-Märkte dauerhaft zukunftsfähig geführt werden können. Sie befinden sich an attraktiven Standorten und verfügen über eine funktionierende Infrastruktur. Jeder neue Besitzer würde deshalb die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Märkte übernehmen. Die Übernahme durch Edeka ist also keineswegs alternativlos.

Fakt ist, dass REWE bereits bei der Übernahme der EXTRA-Märkte von der METRO Group im Jahr 2008 alle Marktmitarbeiter übernommen hat. Damit hat REWE gute Erfahrungen gemacht. Und Fakt ist auch, dass Edeka schon in der Vergangenheit bei seiner Übernahme der Reichelt-Märkte in Berlin gezeigt hat, wie man nicht vorgehen sollte: Edeka hat die Tarifbindung aufgehoben und die Mitbestimmung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eingeschränkt.

Deshalb geht es hier nicht nur um negative Entwicklungen auf der Absatz- und Beschaffungsseite. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kaiser's Tengelmann-Filialen würden bei der Übernahme durch Edeka schlechter gestellt. Das ist die Erkenntnis aus der Vergangenheit.

Und Alain Caparros bringt auf den Punkt, warum er auch weiterhin gegen die Übernahme von Kaiser's Tengelmann durch Edeka klar Position beziehen wird: "Die REWE ist ein Unternehmen, das seit jeher in die Zukunft investiert: In Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung, in gutes Personal, in sichere Arbeitsplätze, in Innovation und in eine moderne Infrastruktur. Diese Investitionen wären in Zukunft allerdings um ein Vielfaches schwerer, wenn Edeka noch größer würde und auf der Beschaffungsseite noch stärker die Bedingungen und Preise diktieren könnte. Deshalb kämpfen wir gegen diese Übernahme. Mit Fakten und Argumenten. Und nicht nur für uns, sondern für eine gesunde Zukunft des Handels."

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