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Daniela Büchel (2.v.r.) und Jochen Brühl (2.v.l.) mit Ehrenamtlichen der Tafel Frechen
Corporate Volunteering bei den Tafeln
„Gemeinsam etwas bewirken” 
von Bettina Rees

In einem Pilotprojekt unterstützten Mitarbeitende für einen Tag Tafeln in und um Köln. Warum sie mitgemacht und was sie aus ihrem Engagement für sich und das Unternehmen mitgenommen haben, erzählen vier von ihnen hier.

„Soziale Verantwortung als Teil beruflichen Lebens” 

Daniela Büchel, REWE Group-Vorständin für Personal und Nachhaltigkeit one: Frau Dr. Büchel, warum ist Corporate Volunteering für uns relevant?
Daniela Büchel: Als Vorständin für HR und Nachhaltigkeit lege ich großen Wert darauf, dass die REWE Group nicht nur wirtschaftlichen Erfolg anstrebt, sondern auch ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht wird. Unsere 28-jährige Kooperation mit der Tafel Deutschland ist ein Herzstück unseres sozialen Engagements. Durch Corporate Volunteering können wir die wichtige Arbeit der Tafeln noch besser kennenlernen und gleichzeitig aktiv zur Gemeinschaft beitragen. Ziel ist es, möglichst viele Kolleg:innen zu inspirieren und sich für soziale und ökologische Belange einzusetzen.

one: Was hat Ihnen der Tag persönlich gebracht?
Daniela Büchel: Der Tag bei der Tafel in Frechen hat mir wertvolle Einblicke in die Herausforderungen verschafft, vor denen viele Menschen stehen, und meinen Blick für die Bedürfnisse in unserer unmittelbaren Umgebung geschärft. Die Arbeit der Tafel hat eindrucksvoll verdeutlicht, wie wichtig Gemeinschaftsunterstützung ist und welch großen Beitrag man damit leisten kann. Ich habe außerdem tolle Menschen im ehrenamtlichen Team der Tafel kennenlernen dürfen, die mich so herzlich aufgenommen haben. Ich werde den Kontakt zum Ansprechpartner vor Ort aufrechterhalten und meine Unterstützung anbieten. Diese Erfahrung hat meine Motivation gestärkt, soziale Initiativen weiter zu fördern und wichtige Projekte zu unterstützen, wo immer es möglich ist.

one: Welchen Gewinn erhoffen wir uns für unsere Kolleg:innen? 
Daniela Büchel: Der direkte Kontakt und die Gelegenheit zur aktiven Unterstützung motivieren vielleicht den einen oder anderen der Corporate Volunteers, sich darüber hinaus bei den Tafeln ehrenamtlich zu engagieren. Unser Ziel ist es, eine Unternehmenskultur zu fördern, in der soziale Verantwortung als integraler Bestandteil sowohl des beruflichen als auch des persönlichen Lebens angesehen wird, und unsere Kolleg:innen zu ermutigen, gemeinsam etwas zu bewirken.

„Viele offene Begegnungen ” 

Nico Lehm, Geschäftsleitung Human Resources bei PENNY Deutschland   „Mich hat immer interessiert, was Menschen dazu bewegt, sich in ihrer Freizeit für soziale Belange engagieren. Natürlich wollte ich auch herausfinden, ob das etwas für mich oder unsere Mitarbeitenden sein könnte.

Vor Ort bin ich nett begrüßt und eingewiesen worden, bekam von allen das Du angeboten und konnte sofort anfangen, die gespendeten Lebensmittel aus Gemüsenetzen und Verpackungen zu befreien und nach verschiedenen Kriterien zu sortieren. 

Die Zahl der Menschen, die zur Ausgabe kommen, hängt auch immer vom Wetter ab, denn sie müssen manchmal bis zu zwei Stunden vor der Tür warten, bis sie an der Reihe sind. An meinem Einsatztag Anfang Januar war es recht kalt. Dennoch war die Tafel mit 60 Kund:innen gut besucht, am Ende war alles verteilt, hier sieht man, wie erfahren die Ehrenamtlichen sind. Denn die müssen an jedem Einsatztag spontan mit unterschiedlichen Herausforderungen umgehen: Wie viel Ware gibt es heute - und wie viele Leute stehen vor der Tür? Wie viel darf jede:r mitnehmen, damit es für alle reicht, aber auch nichts übrigbleibt? 

Der Ursprungsgedanke der Tafeln ist es, Lebensmittelverschwendung zu vermeiden. Das wurde mir erst im Laufe des Einsatztages durch viele angeregte Gespräche mit den Ehrenamtlichen so richtig bewusst. Das Versorgen von Bedürftigen mit Lebensmitteln, die wir in unseren Märkten nicht mehr verkaufen können, ist natürlich ein guter Nebeneffekt. Aber das vorrangige Ziel ist es, dass möglichst keine Lebensmittel weggeworfen werden.

Mein Einsatztag fiel wie gesagt auf Anfang Januar, und mich hat berührt, mit welcher Herzlichkeit Ehrenamtliche und Bedürftige sich ´ein gesundes Neues´ wünschten, wie oft ein´ Schön, dass Ihr wieder für uns da seid´ gerufen wurde. Mir als Fremden begegneten hingegen viele, die sich ihrer prekären Situation wohl bewusst sind, mit verschämter Distanz. Aber ich habe auch viele offene Begegnungen gehabt, mit dem ukrainischen Gynäkologen, der durch einen Tafelunterstützer nun in einem im Chor singt, mit jungen Leuten, Familien mit kleinen Kindern…

Ich nehme aus diesem Tag die vielen Gespräche mit und das Wissen darum, wie viel wir, also PENNY und REWE, mit unseren Spenden bewirken können. Durch meine Brille als HR-Verantwortlicher frage ich mich nun, welche Form eines ehrenamtlichen Engagements durch unsere Mitarbeitenden den Tafeln helfen würde? Wie könnte man zum Beispiel diejenigen, die die Lebensmittel bei uns in den Märkten aussortieren und bereitstellen, mit jenen zusammenbringen, die sie bekommen. Ich kann mir vorstellen, dass wir aus dem Corporate Volunteering etwas entwickeln, das für unsere Mitarbeitenden zeitlich umsetzbar und für die Tafeln verlässlich ist.  Auf jeden Fall kann ich es allen empfehlen, die motiviert sind, eine Tafel vor Ort zu unterstützen. 

Mein Fazit: Machen.”  

„Frische Schnittblumen” 

Nicola Löns, Manager Brand Communications & Campaigns Dachmarkenkampagnen, REWE Markt GmbH  „Da ich im Rahmen meines Jobs die Tafel-Tüten-Aktion begleitet habe, hat mich die Möglichkeit zum Corporate Volunteering bei der Tafel sofort angesprochen. Die freiwilligen Helfer:innen machen einen tollen Job. Sie sind ein eingespieltes Team, sehr gut organisiert und freundschaftlich verbunden. Ich habe die Atmosphäre als sehr herzlich empfunden. Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist: Es gab nicht nur Lebensmittel, sondern auch frische Schnittblumen. Bedrückend fand ich die hohe Zahl an älteren Menschen, die gezwungen waren, sich um Lebensmittel anzustellen.   

Mein Fazit: Wer ehrenamtlich tätig ist, setzt Zeit und auch Geld ein, um Menschen zu helfen und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, was in meinen Augen wichtig und notwendig ist. Mein Tipp für Interessierte: Keine Scheu haben und tatkräftig mit anpacken.“ 

„Solidarität und konkrete Hilfe” 

Laura Schmidt ist bei REWE digital als IT Software Engineer im Team Price Management tätig. one: Frau Schmidt, warum haben Sie sich für das Corporate Volunteering beworben? 
Laura Schmidt: Soziales Engagement ist mir sehr wichtig, und im Corporate Volunteering habe ich die Möglichkeit gesehen, einen Tag lang Menschen zu unterstützen, die auf die wertvolle Arbeit der Tafel angewiesen sind, und gleichzeitig das Ehrenamt bei der Tafel kennenzulernen und erste Schritte in diesem Bereich zu gehen.

one: Wie verlief der Tag?
Laura Schmidt: Mein Einsatzort war der Tafel-Laden, wo die Lebensmittel an Bedürftige ausgegeben werden. Nach dem Verräumen der Lebensmittel begann gegen 13 Uhr die Ausgabe. Bei meiner Station konnten sich die Bedürftigen Milch- und Joghurtprodukte aussuchen. 

one: Gab es prägende/besondere Momente, die Sie teilen möchten?
Laura Schmidt: Ich wurde herzlich und offen empfangen und habe mich willkommen und wertgeschätzt gefühlt. Die ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Tafel haben mir den ganzen Tag bei Fragen zur Seite gestanden und mich gut eingearbeitet. Und mich hat die Dankbarkeit der Menschen berührt.

one: Was nehmen Sie mit aus diesem Tag?
Laura Schmidt: Mich hat die engagierte Teamarbeit und die Wertschätzung der Menschen, die auf die Unterstützung der Tafel angewiesen sind, total beeindruckt. Durch den Einsatz als Corporate Volunteer bei der Tafel konnte ich ein tieferes Verständnis dafür gewinnen, wie wichtig Solidarität und konkrete Hilfe für den sozialen Zusammenhalt sind. 

one: Welche Tipps haben Sie für interessierte Kolleg:innen?
Laura Schmidt: Der Einsatz ist die perfekte Möglichkeit, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. 

Jochen Brühl, Project Consultant in der REWE Group und Ehrenvorsitzender der Tafel Deutschland e.V. über...

3. Bilanz und nächste Schritte:

„Ziel ist es nun, die gesammelten Erfahrungen ins Unternehmen zurückzuspiegeln und herauszuarbeiten, welche Rahmenbedingungen für eine mögliche Zusammenarbeit mit Corporate Volunteers notwendig wären."

1. Engagement der Mitarbeitenden bei der Tafel:

„Diese Verantwortung sichtbar zu machen und den Mitarbeitenden die Möglichkeit zu geben, sich aktiv zu engagieren, war eine der Erkenntnisse des Pilotprojekts." 

2. Strategische Partnerschaft mit der Tafel Deutschland:

„Durch das Engagement bei der Tafel konnten unsere Mitarbeitenden sehen, wie wichtig persönlicher Einsatz ist – und dass eine funktionierende Gesellschaft nicht allein von staatlichen Hilfen getragen wird.”

3. Bilanz und nächste Schritte:

„Ziel ist es nun, die gesammelten Erfahrungen ins Unternehmen zurückzuspiegeln und herauszuarbeiten, welche Rahmenbedingungen für eine mögliche Zusammenarbeit mit Corporate Volunteers notwendig wären."

1. Engagement der Mitarbeitenden bei der Tafel:

„Diese Verantwortung sichtbar zu machen und den Mitarbeitenden die Möglichkeit zu geben, sich aktiv zu engagieren, war eine der Erkenntnisse des Pilotprojekts." 

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Die Tafeln:

Über 970 lokale Tafeln in Deutschland haben das Ziel, Lebensmittel zu retten und dadurch armutsbetroffenen Menschen helfen. Pro Jahr geben sie nach eigenen Angaben 265.000 Tonnen Lebensmittel an 1,6 bis 2 Millionen Menschen weiter. Organisiert sind die Tafeln im Dachverband Tafel Deutschland e.V. 

Kooperation mit REWE:

Seit gut 30 Jahren gibt es die Tafeln – und die REWE Group gehört seitdem zu ihren frühesten und größten Unterstützern. Ab 1996 gaben die REWE-Märkte regelmäßig Lebensmittel ab, die noch gut sind, aber nicht mehr verkauft werden können. 2011 initiierte REWE erstmals eine zusätzliche Spendenaktion für die Tafeln. Unterstützt durch unter anderem die Kund:innen wurden durch die jährlichen Tafeltüten-Aktionen bereits Lebensmittel im Wert von knapp 30 Millionen Euro gespendet, wodurch über die Jahre mehr als 4,3 Millionen armutsbetroffene Menschen unterstützt werden konnten. Weitere Informationen auf www.rewe.de/tafel
 

Corporate Volunteering

meint betriebliches Ehrenamt, also die freiwillige, unentgeltliche Tätigkeit von Mitarbeitenden, die von Unternehmen wie der REWE Group organisiert und unterstützt wird. Das Engagement der Mitarbeitenden für soziale, ökologische oder kulturelle Projekte kann sowohl in der Arbeitszeit als auch in der Freizeit stattfinden. 

Ein gutes Beispiel für Corporate Volunteering ist - neben dem hier vorgestellten Pilotprojekt zur Unterstützung lokaler Tafeln -  die durch die REWE Group organisierte Teilnahme von rund 100 Mitarbeitenden bei den Special Olympics in Berlin im Sommer 2023. Die Bandbreite von Corporate Volunteering reicht von einzelnen Abteilungsaktionen (wie Clean up-Days oder dem Bau von Little Homes) bis hin zur Unterstützung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die sich bereits privat engagieren, zum Beispiel bei der Ahr-Flutkatastrophe. Corporate Volunteering stellt aber nicht nur einen Beitrag dar, um sozialen oder ökologischen Herausforderungen zu begegnen oder um etwas an die Gesellschaft zurückzugeben. Es erhöht laut Studien auch die Gesundheit der sich engagierenden Mitarbeitenden.

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