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© KI generiert mit Adobe Firefly
Lesedauer: 5 Minuten
Digitalisierung
Gemeinsam auf KI-Entdeckungsreise
von Judith Morgenschweis

Sie kreiert Bilder oder Filme, optimiert die Regalflächen in unseren Märkten und steuert Roboter. Seit KI mit ChatGPT endgültig beim Endnutzer angekommen ist, sind über zwei Jahre vergangen und eines ist klar: Das war keine KI-Blase, die schnell wieder platzt. KI ist gekommen, um zu bleiben und wird vieles in unserem Leben und unserem Arbeitsalltag verändern.

Bilder vom Papst in Daunenjacke, KI-generierte Texte, kurze Filme oder auch Chatbots auf Webseiten – Künstliche Intelligenz begegnet uns täglich und sie lernt schnell hinzu. Höchste Zeit, dass wir uns tiefer mit dem Thema beschäftigen. Denn auch wir werden früher oder später in allen Bereichen mit KI in Berührung kommen – oder tun es bereits.

Deshalb hat der Geschäftseinheiten-übergreifende Arbeitskreis KI-Befähigung, bestehend aus Kolleg:innen des Learning Centers und der Kompetenzcenter der gesamten Group, ein umfangreiches Lernangebot für alle Verwaltungsmitarbeitenden groupweit konzipiert und an den Start gebracht. Neben der Informationsbereitstellung über den GenAI Info Hub sowie die Generative AI @REWE Group Community gibt es ein wachsendes Schulungsangebot in PRIMUS. Ende Januar startete als erster Impuls die KI-Entdeckungsreise. Dabei zeigen Speaker:innen aus unserem Unternehmen noch bis Mitte Februar die Vielfalt künstlicher Intelligenz in der REWE Group. Die Resonanz auf die Impulssessions ist riesig, knapp 17.000 Anmeldungen gibt es bislang. Den Auftakt machten unser Digital- und Technologievorstand, Christoph Eltze und Ralph Klin, Executive Director Customer, Insights & Analytics gemeinsam mit über 3.000 Teilnehmenden.

Bei der REWE Group setzen wir KI vor allem in zwei Bereichen ein: als analytische KI, die uns hilft, große Datenmengen für gezielte Anwendungen und Use Cases zu analysieren bzw. daraus zu lernen, um Entscheidungen abzuleiten und als generative KI, mit der man textbasiert „chatten“ und beispielsweise Texte übersetzen oder erstellen kann.

Doch unabhängig davon, welche KI wir nutzen, werden wir von fünf Grundüberzeugungen geleitet:

1. KI ist ein kritischer Erfolgsfaktor für die REWE Group

KI wird einen massiven Einfluss auf unsere Wirtschaft haben. Sie wird ein wesentlicher Erfolgsfaktor insbesondere für den Einzelhandel und die Touristik sein und entscheidenden Einfluss auf die Wirtschaft insgesamt haben. KI hat ein großes disruptives Potenzial, das auch Auswirkungen auf unsere Geschäftsbereiche haben wird.

2. KI wird jeden Arbeitsplatz beeinflussen

KI ist kein Nischenthema. Jeder wird sich mit KI beschäftigen müssen - nicht nur die Kolleg:innen im Bereich Analytics. Das bedeutet mitnichten, dass sie Arbeitsplätze ersetzen wird. Stattdessen wird KI uns helfen, Inhalte zu generieren, Ideen zu verfeinern, Entscheidungen zu treffen oder uns von Routineaufgaben zu entlasten. Um dieses Potenzial nutzen zu können, müssen wir mit KI umgehen lernen.

3. Die Potenziale von KI können wir nur gemeinsam heben

Es braucht Zusammenarbeit, um KI sinnvoll zu nutzen. Dazu müssen sich Fachabteilungen, Analytics und IT, begleitet von Juristen, der Corporate Governance, den Human Resources und der Unternehmenskommunikation crossfunktional organisieren und gruppenweit vernetzen. In der REWE Group müssen wir gemeinsam Lösungen aus der Gruppenperspektive entwickeln.

4. KI erfordert einen verantwortungsvollen Umgang

Es gibt klare rechtliche Rahmenbedingungen für KI, die wir alle ernst nehmen müssen, wobei insbesondere der EU AI Act und die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) eine zentrale Rolle spielen. Es gibt technische und ethische Grenzen, die wir bei der Nutzung von KI im Hinterkopf behalten müssen, z.B. ein mögliches Bias, Erklärbarkeit, Kontext-Abhängigkeit und Zuverlässigkeit. Blindes Vertrauen ist im Umgang mit KI nicht angebracht. Die Ergebnisse, die uns KI liefert, gilt es immer zu prüfen und in Kontext zu setzen, um sicherzustellen, dass wir keine Fehler produzieren.

5. Im Bereich KI hat die REWE Group eine starke Ausgangsposition

Bereits jetzt nutzen wir KI schon im großen Stil, um Prozesse zu verbessern und Entscheidungen zu treffen. Beispiele aus der Praxis, wie wir analytische KI nutzen, sind die Flächenoptimierung für etwa 3.400 REWE-Märkte oder die Sortimentsoptimierung für unsere REWE- und Nahkaufmärkte. KI hilft uns hierbei, Fläche besser zu nutzen und noch genauer das Sortiment in den Märkten anzubieten, das auf die Kundschaft vor Ort passt.

Mit REWE Group GPT haben wir bereits seit über einem Jahr unsere eigene generative KI am Start, die bereits 6.000 Kolleg:innen nutzen. Der Toom-Tüftelmeister ist bereits in allen Märkten ausgerollt und unterstützt dort unsere Mitarbeitenden auf der Fläche.

Für die KI-Entdeckungsreise hat Christoph Eltze ein klares Ziel: “Wir möchten gemeinsam mit den teilnehmenden Kolleg:innen in die faszinierende Welt der Künstlichen Intelligenz eintauchen. Dabei verbinden wir fundierte Wissensvermittlung mit praktischer Erfahrung. Denn eines liegt mir besonders am Herzen: Jede:r soll die Chance bekommen, die beeindruckenden Möglichkeiten von KI-Systemen hautnah zu erleben. Wenn wir die Technologie selbst erkunden und mit ihr experimentieren, spüren wir unmittelbar ihr enormes Potenzial. Und genau diese persönlichen Aha-Momente wecken die Begeisterung, diese Entwicklungen aktiv mitzugestalten.”

Hintergrundinfo analytische und generative KI

KI ist ein breites Feld und kann grob in zwei Felder unterteilt werden: analytische KI und generative KI.

Analytische KI bezieht sich auf Systeme, die Daten verarbeiten und analysieren, um Einsichten zu gewinnen, Vorhersagen zu treffen oder Entscheidungen zu unterstützen. Sie verwendet algorithmische Ansätze, um Muster in Daten zu erkennen und Ergebnisse zu optimieren. Typische Anwendungsfälle umfassen Datenanalyse, maschinelles Lernen für Vorhersagemodelle, Betrugserkennung und Empfehlungssysteme. Analytische KI wird insb. von Experten angewendet und ist darauf trainiert, aus bestehenden Daten zu lernen (Machine Learning).

Generative KI geht über die reine Datenanalyse hinaus und fokussiert sich darauf, neue Daten oder Inhalte wie Texte, Bilder, Musik oder Videos zu generieren (daher auch der Name). Generative KI kann auch verwendet werden, um simulationsartige Umgebungen zu erzeugen oder auch in der Sprachmodellierung für Chatbots oder Textgenerierung zu entwickeln. Zu dieser Form von KI gehören auch die Large Language Models, kurz LLMs, wie ChatGPT. Dabei ist sie durch Sprachverständnis und Dialogfähigkeit („Chatten“) für jedermann leicht nutzbar.

Kurze Geschichte der KI

Theoretische Überlegungen rund um KI gibt es bereits seit Jahrzehnten. Ein entscheidender Punkt für den jetzigen Erfolg ist die rapide gestiegene und gleichzeitig deutlich günstiger verfügbare Rechenleistung.

Erste Schlagzeilen machte KI bereits 1997 als der Computer Deep Blue den damaligen Schachweltmeister Garry Kasparov besiegte. Dieser Computer hatte anhand von zahlreichen Schachpartien gelernt, wie das Spiel funktioniert – die so genannte Brute Force Methode.

Rechenleistung und Lernmethode reichten damals noch nicht aus, um einen Menschen im Spiel Go zu besiegen. Das gelang 2016 mit Alpha Go, einem lernenden System. Ein Jahr später konnten die selbstlernenden Systeme Alpha Go Zero und Alpha Zero ihre menschlichen Go- und Schach-Gegner spielend besiegen. Beide Systeme hatten lediglich die Spielregeln als Ausgangsinformation bekommen und das Spiel erlernt, indem sie mit sich selbst trainiert hatten.

Der entscheidende Schritt für die Generative KI wurde übrigens ebenfalls im Jahr 2017 mit dem Paper “Attention is all you need” von Google gemacht. Hier wurden die Grundlagen für die Large Language Modelle gelegt und seit Ende 2022 jagt eine neue Anwendung die nächste.

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