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ArticleId: 1942magazineBei Eigenmarken auf Augenhöhe mit Herstellern verhandeln? Wirtschaftsgeograf Daniel Udayanan liefert den REWE Group-Einkäufern dafür wichtige Erkenntnisse: Er analysiert die Rohstoffpreisentwicklungen. one stellt ihn und seine Aufgabe vor.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/d/c/csm_Portrait_Udayanan_mgt_st_d1a2f59332.jpgArgumente für den EinkaufEigenmarken-Rohstoffanalyse
Strategie
REWE Group
Daniel Udayanan (Fotos: Achim Bachhausen)
Rohstoffanalyse bei Eigenmarken

Argumente für den Einkauf

19.06.2018
von Stefan Weber & Achim Bachhausen (Fotos)

Bei Eigenmarken auf Augenhöhe mit Herstellern verhandeln? Das war für den Einkauf lange Zeit schwierig, weil der Fokus klar auf der Marke lag. Eigenmarken wurden quasi nebenbei mitverhandelt. Das hat sich grundlegend geändert. Zum Glück für Daniel Udayanan. Im Zuge der Neuausrichtung hat der Wirtschaftsgeograf eine Aufgabe übernommen, die es vorher bei der REWE Group nicht gab: die Analyse der Rohstoffpreisentwicklungen.

Hat es in Italien zuletzt übermäßig geregnet? Wie hoch sind derzeit die Temperaturen in der Türkei? Und: Wird es in Argentinien nach langer Trockenheit bald endlich regnen? Auf solche Fragen sucht Daniel Udayanan Antworten. Nicht, weil er Urlaub plant und sich über die klimatischen Bedingungen an möglichen Zielorten informieren möchte. Sondern weil es sein Job ist. Denn als Sachgebietsleiter Rohstoffanalyse und Trendanalyse bei der REWE Group ist Udayanan auch als Wetterbeobachter gefragt. Mehr noch: Er muss abschätzen, welche Folgen außergewöhnliche Temperaturen, hohe (oder ausbleibende) Niederschläge oder starke Stürme für die Ernten und damit für die Verfügbarkeit von Rohstoffen haben. „Ist es beispielsweise in der Türkei längere Zeit deutlich zu warm, bleibt das nicht ohne Auswirkungen auf Haselnüsse. Die Ware wird möglicherweise knapp und die Preise steigen“, erläutert Udayanan.

„Es kommt darauf an, die richtigen Informationen richtig zu interpretieren.“

Daniel Udayanan

   

Das Wetter ist das eine. Aber auch politische und wirtschaftliche Entwicklungen können Rohstoffpreise in Bewegung bringen. Zum Beispiel die US-Zölle auf Stahl und Aluminium. Sie verteuern Weißblech - das Material, in das viele langhaltbare Lebensmittel verpackt sind. Und was würde auf den Rohstoffmärkten passieren, wenn sich die Europäische Zentralbank entschließen würde, den Leitzins zu erhöhen? Auch für solche Szenarien muss Udayanan Erklärungen liefern. „Es kommt stets darauf an, die richtigen Informationen richtig zu interpretieren“, betont der 31-Jährige.

Warum ist das wichtig für die REWE Group? Weil der Bereich Eigenmarken Einkauf & Entwicklung zunehmend vom Feld ins Regal denkt: Er verhandelt mit den Herstellern nicht mehr den Preis eines fertigen Produkts, sondern identifiziert zunächst dessen wertgebende Bestandteile. Wie viel Kakao, Zucker oder Mehl steckt beispielsweise in einem Doppelkeks? Das ist häufig sehr transparent, weil die REWE-Kollegen die Rezepturen der Eigenmarken kennen. „Wir beobachten die Rohstoffmärkte der Zutaten und können dieses Wissen dann in den Verhandlungen mit Lieferanten nutzen“, erläutert Jan-Peer Brenneke, Geschäftsführer Eigenmarken Einkauf & Entwicklung. Das funktioniert besonders gut bei Produkten, die aus wenigen Zutaten bestehen. Bei denen also der Preis einiger weniger Rohstoffe großen Einfluss auf den Gesamtpreis hat – wie bei Keksen oder auch vielen Milchprodukten.

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Um im Gespräch mit Lieferanten gute Argumente zu besitzen, ist eine intensive Recherche und Analyse nötig. Das ist die Aufgabe von Daniel Udayanan und (seit Februar 2018) seiner Kollegin Annika Häußer. Sie monitoren 25 Rohstoffgruppen: Was tut sich gerade am Markt? Wie performen die Anbaugebiete? Drohen klimatische Risiken oder Versorgungsengpässe? Wie bewegt sich der Preis? Solche Informationen stehen in einem Standardbericht, den die beiden jeden Monat erstellen. Input beziehen sie dabei von einschlägigen Internet-Portalen, aus Gesprächen mit Markenherstellern und Risikoanalysten, gelegentlichen Kongressbesuchen sowie aus Berichten von externen Dienstleistern. „Wichtig ist auch der regelmäßige Austausch mit unseren Einkäufern“, betont Udayanan.

„Es hat sich schnell gezeigt, dass unsere Arbeit hilft, bessere Einkaufskonditionen durchzusetzen.“

Daniel Udayanan

Natürlich hat jeder Einkäufer die für seine Warengruppe wichtigen Rohstoffpreise im Blick. Seit Einführung der Stabstelle Rohstoffanalyse werden alle relevanten Daten jedoch zentral erfasst – und sind jederzeit auch kurzfristig abrufbar. Zum Beispiel, wenn Preisverhandlungen mit Lieferanten anstehen und Argumente gegen möglicherweise drohende Aufschläge gesucht werden. „Wir verstehen uns als hausinterner Dienstleister“, sagt Udayanan. Anfangs arbeitete er ausschließlich dem Eigenmarken-Einkauf zu. Dann kamen REWE und PENNY hinzu. Später auch internationale Einkaufsgruppen wie REWE Buying Italy sowie Billa und PENNY International.

Zu Beginn habe es intern manchen Zweifel gegeben, ob eine Rohstoffanalyse in dieser Form tatsächlich notwendig sei, räumt Udayanan ein. Doch diese Bedenken seien rasch verflogen. „Es hat sich schnell gezeigt, dass unsere Arbeit hilft, bessere Einkaufskonditionen durchzusetzen.“

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„Ich bin Rheinländer. Ich bin katholisch und kann Sauerbraten zubereiten“, sagt Daniel Udayanan. Seine Familie ist während des Bürgerkriegs in Sri Lanka 1983 nach Deutschland geflohen. Er kam 1986 in Neuss zur Welt, studierte in Köln, Aachen sowie im schwedischen Lund Wirtschaftsgeografie. Nach einem Traineeprogramm war er ab 2013 zunächst in verschiedenen Bereichen der REWE Group tätig, darunter ein halbes Jahr als Projektreferent für Billa in Kroatien.

„Üblicherweise landen Wirtschaftsgeografen im Bereich Standorte/Expansion“, sagt Udayanan. Bei ihm ist es anders gekommen: Als im Zuge der Neuorganisation des Einkaufs 2015  die Stabstelle Rohstoffanalyse geschaffen wurde, fragte man ihn, ob er diesen Bereich aufbauen wolle. Bald wird er ein wenig kürzer treten. Im Juli wird er zum ersten Mal Vater und möchte zwei Monate Elternzeit nehmen.

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