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ArticleId: 3499magazineAuf dem Parkplatz eines Hannoveraner REWE-Kaufmanns errichten Helfende mit Hammer, Säge und Feuereifer ein kleines Heim, das Wohnungslosen ein Dach und den ersten Schritt in ein anderes Leben bietet. Ein Besuch vor Ort.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/7/f/csm_ts_standard_littleHome_40f1dfe77e.jpgTürkis ist die Tür in ein neues LebenLittle Home e.V.
Mit Herz und vielen Händen: Der Verein Little Home baut Minihäuser für Wohnungslose
Lesedauer: 5 Minuten
Herzensprojekt: Little Home e.V.
Türkis ist die Tür in ein neues Leben
von Bettina Rees

Auf dem Parkplatz eines Hannoveraner REWE-Kaufmanns errichten Helfende mit Hammer, Säge und Feuereifer ein kleines Heim, das Wohnungslosen ein Dach und den ersten Schritt in ein anderes Leben bietet. Ein Besuch vor Ort.

Little Home e.V. hilft Menschen aus der Wohnungslosigkeit. Wie Sie als Mitarbeitende für dieses Projekt spenden können, lesen Sie weiter unten.

Die Tür in ein anderes Leben ist türkisblau. Noch liegt sie auf zwei Arbeitsböcken in Hüfthöhe von Heinrich, der mit gekonnten Pinselstrichen die leuchtende Wetterschutzholzfarbe von Toom auf dem hellen Holz verstreicht. Der verrentete Tischler ist zum sechsten Mal beim Bau eines „Little Home“ dabei, eines wenige Quadratmeter zählenden Heims für einen oder eine Wohnungslose. So wie jeder Mensch ohne Obdach seine eigene Geschichte hat, so ist auch jedes Little Home ein Unikat, Stück für Stück gebaut von Helfer:innen und künftigen Bewohner:innen. Erdacht von Sven Lüdecke, Initiator des Little Home e.V., der seit Gründung 175 Wohnungslosen ein abschließbares Miniheim übergeben hat. Als edler Retter versteht er sich nicht. „Wir sind keine Helden. Wir versuchen nur, das Unsichtbare sichtbar zu machen.“

Vereinsgründer Sven Lüdecke beim Einbau der frisch gestrichenen Haustür


Das Häuschen Nummer 176 mit der sichtbar türkisblauen Tür entsteht in Hannover-Wettbergen, auf dem Kundenparkplatz von REWE-Kaufmann Andreas Klautke. Der Kaufmann, im Stadtteil be- und anerkannt für sein soziales Engagement, sagte gerne zu, als die Anfrage kam: „Können wir hier unser neues Projekt bauen?“ Ein Little Home auf einem Anhänger, größer und mobiler als die bisherigen Modelle. Der engagierte Kaufmann reservierte einen Teil seines Parkplatzes für Helfer:innen, Baumaterialien und Kapsäge, stellte Essen und Getränke und zwischendurch immer wieder auch seine eigene Arbeitskraft zur Verfügung. 

So wie es Tischler Heinrich seit Jahren tut. Wenn in seiner Heimat Hannover ein neues Little Home entsteht, ist er dabei. Beim ersten Haus baute der Wohnungslose, für den das Heim bestimmt war, selbst mit. „Als das fertig war, ging er auf die Knie und weinte“, erinnert sich Heinrich, der gerne seine „zehn Finger“ für diese gute Sache bewegt.

Die Wände bestehen aus wasserabweisenden OSB-Platten in Holzrahmen, die mit Styropor und Rettungsfolie gedämmt werden. Das kostet nicht viel, wärmt aber gut, versichert Patrick, ein Little-Home-Bewohner, der aus Goslar zum Helfen angereist ist. „20 Grad haste locker da drin. Ich lag da im Winter mit Jogginghose.“ Sein oberstes Gebot für Bewohner:innen: „Lüften, lüften, lüften“. Dafür werden kippbare Veluxfenster eingebaut, in der Dachschräge, „damit man nicht direkt hineinschauen kann“, erzählt Patrick, während er die Längswand auf den Anhänger hievt. Hier soll, wenn der Innenausbau folgt, der Kochbereich entstehen.

Für die Wände steht André aus Berlin an der Kapsäge. Auch er weiß, wie wichtig vier eigene Wände und eine abschließbare Tür sind. „Ich habe 2020 nach sieben Monaten Wohnungslosigkeit in Berlin ein Little Home mitgebaut und über den Winter bewohnt.“ Mittlerweile hat er einen Job und eine eigene Wohnung. „Ohne Little Home wär´s nicht gegangen“, ist er sich sicher. Bot ihm das Häuschen im kalten Berliner Winter doch nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch die Möglichkeit, sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Schlicht deshalb, weil er sie frei hatte.

Denn für den Gang zum Jobcenter oder beim Flaschensammeln für den Lebensunterhalt konnte er sein Hab und Gut im Little Home lassen. „Ich musste davor meine Sachen immer von A nach B mit mir herumschleppen. Sonst wären sie geklaut worden“. Anders gesagt: „Little Home bietet mit den Häusern nur das Werkzeug, das eigene Leben zu sortieren,“ so Vereinsgründer Lüdecke.

Hilfsbereit: Ehrenamtler Heinrich beim Streichen der Haustür
Tatkräftig: REWE-Kaufmann Klautke beim Aufbau der Wände
Einsetzen der Tür/ André (li.) sägt die Wände zu/ Gemütliche 6 qm

Zum Schutz fürs Hab und Gut gibt es nicht nur eine abschließbare Tür, sondern auch „Vandalismusleisten“, wie er seine Eigenkonstruktion nennt. Schmale Holzleisten werden in regelmäßigen Abständen auf die fertigen, mit Wetterschutzfarbe bestrichenen Wände montiert. „So kann man die Häuser nicht kleinhauen und die Wände sind stabiler.“ Fertig misst das Little Home 6,6 Quadratmeter, darin Platz für Kochnische, Bad und Wohnen. Und für eine Brandschutzanlage. „800 Euro für ein Menschenleben“, formuliert es Lüdecke.

Das erste, auf Europaletten gebaut, hatte ein Innenmaß von 3,1 Quadratmetern. Es steht heute im Freilichtmuseum Kommern. Für das neue Haus, das nun wegen der Anhängerkonstruktion vom TÜV abgenommen werden muss, sucht der Verein gezielt eine Frau. „Frauen brauchen mehr Schutz. Das Haus soll am Hannoveraner Hauptbahnhof stehen. So wie in Köln. Dort lebt eine Frau am Hauptbahnhof, unweit der Bundespolizeistation. Die guckt regelmäßig vorbei, ob alles in Ordnung ist.“

Während die türkisblaue Tür, die dem neuen Little Home eine mediterrane Leichtigkeit verleiht, eingeschoben wird, kommt ein REWE-Kunde mit bester Absicht und einem Kasten Bier auf die Helfer zu. Bevor einer zugreift, greift Lüdecke ein. Striktes Alkoholverbot auf der Baustelle. Ein Bier immer gerne nach getaner Arbeit, aber nie davor. „Wir haben 176 Häuser gebaut und insgesamt nur vier kleine Verletzungen zu verzeichnen.“  

Statt Bier gibt es eine andere Belohnung für die Ehrenamtlichen. Andreas Klautke, der seine Marktaufgaben immer mal wieder gegen Säge und Schrauber tauscht, will nicht nur tatkräftig helfen. Jeder Helfende erhält als „kleines Dankeschön“ einen bundesweit gültigen REWE-Einkaufsgutschein im Wert von 25 Euro und „Kaltgetränke im Anschluss an die Arbeit“. Dem Verein überreicht er einen symbolischen Scheck von 500 Euro. 

Mit Scheck und Stolz posieren die Helfenden vor dem fast fertigen Little Home. „Heinrich, wie findest Du´s?“ ruft Lüdecke. Der verrentete Tischler hebt seinen Daumen: „Eins plus“!

So kommt Ihre Spende an

Der Verein Little Home e.V. ist einer der vier Empfänger des Mitarbeiter-Spendenprojekts der REWE Group. Wer eins der Projekte mit einer monatlichen Gehaltsspende von 1,5 oder 10 Euro unterstützen möchte, kann dies mit Hilfe des Spendenformulars in die Wege leiten.

Alle wichtigen Fragen und Antworten rund um das Mitarbeiter-Spendenprojekt finden Sie hier

So ging es weiter…

Da das Little Home in Hannover das erste war, das auf einem Anhänger gebaut wurde, um bewegt werden zu können, war eine Abnahme nötig. In Brandenburg an der Havel fand sich ein Dekra-Experte für Tiny Houses, der den Prototyp über zwei Monate lang auf Herz und Nieren prüfte. Stehen wird der Anhänger in Hannover auf einem Bahngelände, bis Heiligabend entscheidet sich, welche Wohnungslose dort einziehen wird.

Toom Baumarkt, der den Verein seit Jahren mit Spenden, Materialien und oft auch mit Helfenden aus der Mitarbeiterschaft unterstützt, wird 2022 den Bau von sechs Little Homes auf Anhängern finanzieren.

Das Haus, das in Hannover im Sommer gebaut wurde, war Nummer 176. Jetzt kurz vor Weihnachten sind es bundesweit 203 Little Homes, darunter zwei mit Anhängern. 

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