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ArticleId: 2817magazineIn wenigen Monaten tritt der Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration in Deutschland in Kraft. Jetzt droht ein Verbot der für den Öko-Landbau zugelassenen Impfung gegen Ebergeruch den gesamten Ausstieg zu gefährden.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/9/7/csm_pm-ferkelkastration_standard_teaser_1a7645a226.jpgDrohendes Impfverbot gefährdet Tierwohl im Öko-LandbauImpfung statt Ferkelkastration
Verantwortung
REWE Group
Ferkelkastration: Impfverbot droht

Gefahr für das Tierwohl im Öko-Landbau

29.07.2020
Artikel - Inhalt

In wenigen Monaten tritt der Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration in Deutschland in Kraft. Jetzt droht ein Verbot der für den Öko-Landbau zugelassenen Impfung gegen Ebergeruch den gesamten Ausstieg zu gefährden.

Die Länderarbeitsgemeinschaft Ökologischer Landbau (LÖK) hat vereinbart, die seit 2010 für den Öko-Landbau zugelassene Impfung gegen Ebergeruch zu verbieten. Einzelne Länder, voran Niedersachsen, kündigten bereits an, sich dieser Vereinbarung zu widersetzen. Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und ihre MinisterkollegInnen in den Ländern sind deshalb dringend gefordert, auf der nächsten Agrarministerkonferenz (AMK) für Klarheit im Sinne des Tierwohls zu sorgen und Rechtssicherheit für die Impfung zu schaffen. Das fordert der Öko-Verband Naturland gemeinsam mit Partnern aus Handel, Tierschutz und Tierärzteschaft.

Hintergrund des drohenden Verbots ist eine nicht bindende Interpretation der EU-Öko-Verordnung durch die EU-Kommission. Nach Meinung aller Experten, einschließlich des staatlichen Friedrich-Löffler-Instituts, ist die Impfung hingegen die aus tierschutzfachlicher Sicht eindeutig beste Alternative, weil dabei ganz auf Kastration der männlichen Ferkel verzichtet werden kann. 
 

    Verbot der Impfung würde Grundwerten des Öko-Landbaus widersprechen

    Dass diese Alternative zur betäubungslosen Kastration ausgerechnet den Öko-Betrieben verwehrt werden soll, widerspricht den Grundwerten des ökologischen Landbaus und der EU-Öko-Verordnung, in denen das Tierwohl einen herausragenden Stellenwert besitzt. Überdies wäre das Verbot auch ein gefährliches Signal in Richtung des wesentlich größeren konventionellen Schweinesektors. Ein Verbot der Impfung für die Öko-Betriebe könnte sich negativ auf die Akzeptanz auch im konventionellen Sektor auswirken und somit den Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration insgesamt ein weiteres Mal gefährden.

     

    Deshalb appellieren Naturland, die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz und der Tierschutzverband PROVIEH sowie die REWE Group gemeinsam an die AgrarministerInnen der Länder, das Verbot zu stoppen und an Bundesministerin Klöckner, die deutsche EU-Ratspräsidentschaft dazu zu nutzen, sich in Brüssel aktiv für das Tierwohl einzusetzen:

    • Überzeugen Sie die EU-Kommission, ihre wissenschaftlich nicht fundierte Ablehnung der Impfung für die ökologische Schweinehaltung zu revidieren.
    • Schaffen Sie Sicherheit für die innovativen Öko-Betriebe, die sich frühzeitig um eine besonders tiergerechte Alternative zur Ferkelkastration bemüht haben.

    Hubert Heigl, Naturland-Präsident und Öko-Ferkelerzeuger:
    „Die Impfung gegen Ebergeruch ist ganz klar die tiergerechteste Alternative zur Ferkelkastration. Es ist völlig unverständlich, warum diese Alternative nun ausgerechnet den Öko-Betrieben, die sich ja besonders ums Tierwohl kümmern, verwehrt werden soll. Mein Respekt gilt Niedersachsen, das sich als einziges Bundesland nicht dem Druck aus Brüssel beugt, sondern die Impfung weiterhin zulassen will.“


    Johannes Hohenester, Naturland Schweinemäster und 2. Vorsitzender Aktionsbündnis Bioschweinehalter Deutschland e.V. (ABD):
    „Der Ausstieg aus der betäubungslosen Ferkelkastration ist absolut richtig, aber für eine flächendeckende Umsetzung benötigen wir ausreichend Alternativen für alle Betriebe. Ich selbst setze in meinem Betrieb bereits seit 2017 auf die Impfung und habe damit beste Erfahrungen gemacht. Die praktische Umsetzung ist gut und meine Kundschaft bekommt beste Fleischqualität von unversehrten Tieren. Nicht umsonst war ein Nackensteak von meinem Betrieb gerade erst wieder Testsieger bei Stiftung Warentest.“


    Prof. Thomas Blaha, Stv. Vorsitzender der Tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz e.V. (TVT):
    „Es ist völlig schleierhaft, warum die Impfung gegen Ebergeruch nicht vereinbar mit der EU-Öko-Verordnung sein soll. Die EU-Kommission hat für diese Einschätzung bislang keine einzige stichhaltige Begründung geliefert, weder aus wissenschaftlicher noch aus tierschutzfachlicher Sicht. Bei dem verwendeten Impfstoff handelt es sich nicht um ein Hormonpräparat; er unterdrückt auf immunologischem Wege die natürliche Hormonproduktion der männlichen Schweine. Die chirurgische Kastration stellt im Gegensatz dazu einen viel größeren Eingriff in den Hormonhaushalt der Tiere dar und ist zudem mit Leiden und Schmerzen verbunden.“


    Dirk Heim, REWE Group, Bereichsleiter Nachhaltigkeit Ware:
    „Die REWE Group akzeptiert seit Jahren alle in Deutschland erlaubten Alternativen zur betäubungslosen Kastration. Im Zentrum stehen für uns dabei immer Tierwohl und Tiergesundheit. Für unsere Eigenmarke REWE Bio haben wir beispielsweise gemeinsam mit Naturland bereits 2016 den Weg eingeschlagen, die Impfung gegen Ebergeruch als besonders tiergerechtes Verfahren in der Praxis zu fördern. Die ungerechtfertigte Diskreditierung der Impfung können wir nicht nachvollziehen, denn sie schadet dem Tierwohl.“ 


    Jasmin Zöllmer, PROVIEH e.V., Leitung Hauptstadtreferat und Politik:
    „Unser Ziel muss die Unversehrtheit der Schweine sein. Daher hat Provieh von Anfang an die Ebermast, mit und ohne Impfung gegen Ebergeruch, aktiv unterstützt. Die Immunokastration gewährleistet die Unversehrtheit der männlichen Ferkel und soll nun trotzdem ausgerechnet für den Öko-Landbau verboten werden. Diese Entscheidung ist absurd und gefährlich. Die Öko-Betriebe verlieren ein etabliertes und zukunftsweisendes Verfahren, und im konventionellen Sektor wird dessen Einführung von Beginn an erschwert. Stattdessen wird die chirurgische Kastration unter Narkose mit Millionen von Steuergeldern bezuschusst – ein Verfahren, bei dem die Tiere weiterhin verstümmelt werden.“

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