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ArticleId: 961magazineZum Auftakt der neuen one_Serie „Weinwissen“ haben one und der Kölner Weinkeller 1x2 Plätze in einem Weinseminar verlost. Jetzt steht der Gewinner fest. Doch auch alle anderen macht Weinkeller-Chef Andreas Brensing ganz einfach zum Weinkenner. Jetzt das Video ansehen!https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/8/0/csm_Weinwissen_Serie_Teil_I_mgt_st_f12527f49e.jpgWas Sie schon immer über Wein wissen wolltenSerie „Weinwissen“, Teil 1
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Service
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Serie: Weinwissen, Teil 1
Was Sie schon immer über Wein wissen wollten

Kennen Sie das? Sie sitzen im Restaurant und sollen für die Gesellschaft einen Wein aussuchen – und fühlen sich wie in der neunten Klasse an der Tafel vor einer schier unlösbaren Mathe-Aufgabe? Oder Sie stehen im Supermarkt vor dem Weinregal und suchen den Wein mal wieder nach der Formel letztes Urlaubsland + schönstes Etikett aus? one schafft nun gemeinsam mit dem Kölner Weinkeller Abhilfe.

In der neuen Serie „Weinwissen“ werden Sie ganz einfach zum Weinkenner. In regelmäßigen Abständen erklären Ihnen die Experten um Weinkeller-Chef Andreas Brensing alles, was Sie auf dem Weg zu Weinkenner wissen müssen. Einfach und verständlich, mit vielen Anekdoten und aus erster Hand. Tauchen Sie mit one und dem Kölner Weinkeller ein ins Universum des Weins.

Zum Auftakt haben one und der Kölner Weinkeller 1 x 2 Plätze im Seminar „Absolute Beginner“ im Kölner Weinkeller verlost. Teilnehmer mussten folgende Frage beantworten und die Lösung unter dem Betreff „Weinseminar“ bis 28. Juni 2016 an one schicken:

Welche Stadt in Nordrhein-Westfalen war einmal eine der wichtigsten Weinstädte der Welt?

Die Antwort steckte auch im Video mit Andreas Brensing: Köln!

Gewonnen hat: Bastian Borgward, REWE Group Buying

one gratuliert herzlich und bedankt sich bei allen Teilnehmern!

Teil 1: Eine kurze Geschichte des Weinbaus

von Andreas Brensing

Foto: ah_fotobox - Fotolia
Von der Legende an den Rhein

Eine Legende besagt, eine assyrische Königstochter litt unter solch starken und ständigen Kopfschmerzen, dass sie sich das Leben nehmen wollte. In einem Tongefäß fand sie verdorbene Trauben, doch statt an deren Verzehr zu sterben, verschwanden ihre Kopfschmerzen und ihr wurde wohl und etwas wunderlich. Schnell wurden nun am Hofe des Königs die verdorbenen Trauben eine Art Lieblingsgetränk. Da ist es kein Wunder, dass der mythische Garten Eden immer wieder in dieser Region verortet wird. In den Gebieten südlich des Kaspischen Meeres und des Zweistromlandes von Euphrat und Tigris bis hin zum persischen Golf sind wohl die ersten Wildreben kultiviert worden und damit begann der Weinbau. Seit mindestens 5.000 vor Christus wird hier bereits professionell gekeltert.

Im nördlichen Europa begann die Erfolgsgeschichte der Weinrebe mit den Römern. Sie brachten die „Vitis Vinifera“, die edle Weinrebe, ins Burgund, an den Rhein und die Mosel. Dabei war der Wein für die Römer nicht nur Genussmittel, sondern auch strategisch äußerst wichtig. Auf Feldzügen war die Versorgung einer großen Armee ein erhebliches Problem. Die Römer lösten es, indem sie ihre Legionäre mit „Posca“ versorgten: Ein Drittel Wasser, ein Drittel Essig – was ja nichts anderes ist als verdorbener Wein – und ein Drittel Wein - Das erfrischte, war aseptisch und etwas Alkohol steigerte den Kampfesmut. Die Römer gingen irgendwann, doch der Wein blieb.

Foto: CPN - Fotolia

Täglich zwei Liter Wein und Bier

Später, im Mittelalter, besaßen die Klöster das größte Weinwissen. Für sie war er wichtiges Handelsgut und Einnahmequelle. Wein wurde fast überall, wo irgendetwas wuchs, angebaut. Auf alten Stichen sieht man sogar in den Mauern Kölns große Weinanpflanzungen. Kein Wunder, die römischen Wasserleitungen und Abwässerkanäle waren verfallen und die spärlichen Brunnen befanden sich direkt neben den Sickergruben. Wenn man in einer solchen mittelalterlichen Stadt überleben wollte, musste man etwas Vergorenes trinken, egal wie es schmeckte. Ein Chronist hat einmal ausgerechnet dass jeder Bürger Kölns, Kinder eingerechnet, im hohen Mittelalter Tag für Tag ca. 1,5 bis 2 Liter Wein und Bier trank. Man hatte damals wohl noch keine Drogenbeauftragte...

Die Reblaus-Katastrophe

Mitte des 19. Jahrhunderts war es aber mit dem Weinbau fast vorbei. In Amerika wuchs lange Zeit nur eine von der europäischen „Vitis Vinifera“ sehr unterschiedliche Verwandte. Als man auf die Idee kam, es mit dieser einmal in der alten Welt zu versuchen, kam es zur Katastrophe. Die europäische Rebe gab den deutlich besseren Wein, war aber insgesamt etwas kapriziöser und wurde nun mit allerlei eingeschleppten Schädlingen konfrontiert. Der erfolgreichste Schädling, weil der zerstörerischste, war die Reblaus. Ein kleiner Parasit mit einem unglaublich komplizierten Lebenszyklus und mächtigen Kauwerkzeugen, denen die Wurzelspitzen der Reben zum Opfer fallen. Hinzu kamen noch einige Viren und Pilze wie der Mehltau. Ab 1860 rollte die Krankheitswelle durch Europa, in manchen Regionen, wie Rioja oder Bordeaux stand bald keine einzige Rebe mehr.

Die Rettung: Europäische Reben auf amerikanischen Wurzeln

Ein Leben ohne Wein war in Europa jedoch scheinbar nicht vorstellbar und so ersann man einige Auswege. Gegen die Reblaus pfropfte man nun Edelreben auf amerikanische Unterlagen, eine Lösung die sich bis heute durchgesetzt hat. Die Wurzel und der unterste Teil des Stockes bestehen aus amerikanischen Wildreben, deren Wein nicht sonderlich schmeckt und deren Wurzeln auch die Reblaus nicht mag. Der obere Teil kommt von der edlen „Vitis Vinifera”. Zum Glück bestimmt die Wurzel nicht oder nur kaum den Geschmack des Weines. Aber, fast der gesamte Rebbestand Europas musste zwischen 1860 und 1920 erneuert werden. Viele Weinregionen erholten sich nie mehr oder lagen lange Zeit brach. Wer einmal durch die Berge Galiziens fährt, wird unendlich viele terrassierte Hänge sehen. Die Mauern verfallen und werden langsam von Büschen überwuchert. Hier und da findet man noch eine verwilderte Rebe aber Weinbau wird nur noch auf einem Bruchteil der ursprünglichen Fläche betrieben. Mehr dazu finden Sie im Spanien-Film des Kölner Weinkellers und dem Spanien Wein-Brevier.

Andreas Brensing
Zur Person: Andreas Brensing

Andreas Brensing ist Geschäftsführer des Kölner Weinkellers. Die vielfach ausgezeichnete Weinhandlung gehört zur REWE Group und verkauft Weine aus allen zentralen Weinbauregionen.

1937 hatte Cornelius Stüssgen den Keller ausgehoben und ausgemauert, um dort Weine abzufüllen. Mit seinen 2.500 Quadratmetern zählt er zu den größten historischen Wein-Gewölbekellern Deutschlands und befindet sich 13 Meter tief unter der Erde.

Heute befindet sich dort ein Sortiment von einfachen günstigen Sommerrosés bis hin zu gereiften Spitzengewächsen und Spezialitäten, die in der Schatzkammer lagern. REWE Group-Mitarbeiter können auch hier mit der Mitarbeiterkarte vergünstigt einkaufen. Die Weine sind auch über den Webshop erhältlich: koelner-weinkeller.de

Hochzeit und Absturz des deutschen Weins
Foto: doris oberfrank-list - Fotolia

Bis in die Renaissance war Köln die wichtigste Weinhandelsstadt der Welt. Hier musste jeder Händler, der von Süden kam, dem Stapelrecht folgend seine Weine am Stadteingang zum Verkauf anbieten. Am Stadtausgang gehörten sie dann oft einem rheinischen Handelsherren und waren doppelt so teuer. Dann aber kam die Eisenbahn, schneller und sicherer als alles, was man bisher kannte. Die Städte hatten ihre Zollrechte längst verloren und so erlebte der Weinhandel einen ungeahnten Aufschwung. Es war die goldene Zeit des Weinbaus, vor allem auch für den deutschen Wein. Auf den Speisekarten des Ritz Carlton oder anderer internationaler Spitzenhotels konnte man eine Flasche Scharzhofberger zum dreifachen Preis eines Château Lafite erstehen. Könige, Bankiers und Großindustrielle genossen mit Marcobrunn, Doctorberg, Gaisberg oder Sonnenuhr die großen Lagen Deutschlands.

Foto: thomasknospe - Fotolia

Desaster Zweiter Weltkrieg

Die Winzer und Weinhändler bauten große prachtvolle Villen an Mosel und Rhein, in der Pfalz und dem Rheingau. Dann war alles vorbei. 1914, mit den Hurrarufen und den patriotischen Liedern, brach der internationale Weinhandel plötzlich ab. Frankreich trank patriotisch französisch, der Deutsche deutsch. Wein wurde zur Bekenntnissache. Das war der erste Knick in der Erfolgsgeschichte des deutschen Weins. Zwar fand man nach 1918 in den Roaring Twenties wieder die Scharzhofberger und Abtsberg auf den internationalen Weinkarten, doch so schwer en vogue wie vor dem Krieg waren sie nicht mehr. Andere Regionen holten langsam auf.

Das große Desaster war der Zweite Weltkrieg. Nicht nur, dass die Reputation noch einmal litt. Der Hauptgrund, warum die Welt danach so gut wie nichts mehr von den Weinen von Rhein und Mosel wusste war einfach und schrecklich. Es gab niemanden mehr der es ihnen hätte erzählen können. Seit dem Mittelalter waren gerade im Weinhandel viele jüdische Bürger tätig.

Nach 1933 konnten sie ihre Arbeit kaum noch ausüben, nach 1945 hatten fast alle Deutschland verlassen oder waren ermordet worden. Es war niemand mehr da, der die Weine international bekannter machte. Stattdessen drängten andere Regionen auf den Weltmarkt: Neben Europa auch Australien, Chile, Argentinien, Südafrika und Kalifornien, und bald wurde Weinhandel wieder eine internationale Sache.

China-Boom und Bordeaux für 1.200 Euro

So international war Wein nun wieder, dass Anfang des 21. Jahrhunderts plötzlich ein Big Player in den Weinmarkt Einzug hielt, erst einmal mehr als Konsument denn als Produzent. China entdeckte den Wein und erstaunlicherweise ausgerechnet den Bordeaux. Erstaunlich, denn wahrscheinlich passt kaum ein Wein so schlecht zu chinesischem Essen wie Bordeaux. Aber gerade den kurzfristig zu Geld gekommenen chinesischen Unternehmern ging es nicht um das „Passen“, es ging um Reputation. Mit einer Flasche Château Lafite auf dem Tisch konnte man zeigen, dass man etwas von europäischer Lebensart verstand, ausreichend Geld hatte und nicht knauserig war.

Dabei kam es hier und da auch zu seltsamen Exzessen. Ein Bekannter von mir war Sommelier in einem Top-Restaurant in Hong Kong. Zur Zeit des chinesischen Bordeaux-Booms hielt er immer einen ganzen Vorrat an Mouton, Lafite, Latour & Co. in einem stark runtergekühlten Flaschenkühlschrank vor. „Vier Grad, das ist doch etwas zu kühl“, sagte ich einmal. „Vielleicht”, konterte er lässig, „aber dann müssen die Gäste nicht so viel Eiswürfel nehmen, wenn sie das mit ihrer Cola mischen.”

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Bordeaux wird zum Bestechungsmittel

Abenteuerlich waren auch die Preise die plötzlich für die Top-Namen aufgerufen wurden. Plötzlich schossen die vernünftigen Jahrgänge von ja auch nicht wirklich billigen 300 Euro die Flasche auf 1.200 Euro und mehr. Noch erstaunlicher: auch die schlechten wurden deutlich teurer. Zu teuer, manch ein Weinfreund trennte sich in der Zeit von den Bordeaux in seinem Weinkeller, nicht ohne dabei satten Gewinn zu machen. Bordeaux wurde vom Genuss- zum Anlageobjekt. Dabei sog der Markt fast alles auf. In China wurde teurer Wein zu einem so beliebten Geschenk, etwa um bei Parteifunktionären oder Verwaltungsbeamten „Überzeugungsarbeit“ zu leisten, dass die Partei irgendwann Wein explizit auf die Liste der Bestechungsmittel setzte und der China-Markt für die Top-Weine brach plötzlich ein. Trotzdem bleibt China ein aufstrebender Markt, nur eben auf einem wesentlich breiteren Niveau. Der größte Anteil des in China getrunkenen Weines wird lokal produziert. Weingüter mit erstaunlichen Dimensionen werden errichtet und viel der Weine sind gar nicht mal schlecht.

Im deutschen Weinbau aber dauerte die bleierne Zeit bis in die 1990er Jahre. Ja, es gab immer gute Weine in Deutschland, aber ein großer Anteil war mäßig bis schlecht. Das hat sich geändert, das Qualitätsbewusstsein der Winzer ist zurück und jetzt plötzlich herrscht wieder Aufbruchsstimmung, der Deutsche Wein gilt in Deutschland wieder was. Vielleicht spielen der Wunsch nach Regionalität und Authentizität hier eine große Rolle. Aber das wäre eine ganz andere Geschichte.

Die „Vitis Vinifera” und ihr Produkt, der Wein, hat in der Kulturgeschichte der Menschheit eine bedeutende Rolle gespielt. Genuss und Rausch sind so alt wie die Kultur selber und beide werden unsere Kultur hoffentlich noch viele Jahrhunderte begleiten.

Im zweiten Teil lesen Sie im Juli in one: Von der Traube in die Flasche - Wein, wie geht das?

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