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ArticleId: 1239magazineAus Fehlern wird man klug, heißt es. Aber: Damit wir an Niederlagen wachsen können, müssen wir richtig mit ihnen umgehen. Wie das besser gelingt, hat Nils Rüsenberg, Psychologischer Psychotherapeut, im Gespräch mit one verraten.
https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/4/c/csm_TT11_06_mgt_standard_1200a67d8c.jpgKeine Macht den FehlernTipps vom Psychologen
Nils Rüsenberg, Psychologischer Psychotherapeut
Tipps vom Psychologen
Keine Macht den Fehlern
von Julia Klotz
Top Thema
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Aus Fehlern wird man klug, heißt es. Aber: Damit wir an Niederlagen wachsen können, müssen wir richtig mit ihnen umgehen. Wie das besser gelingt, hat Nils Rüsenberg, Psychologischer Psychotherapeut, im Gespräch mit one verraten.


Gestehen Sie Fehler ein

„Aus Fehlern lernt man“ – Das klingt doch erstmal gut und erstrebenswert. Trotzdem möchte niemand Fehler machen, denn eine Niederlage einzugestehen, tut weh. Dennoch ist es wichtig, ehrlich mit sich selbst zu sein: „Der erste Schritt ist, sich einen Misserfolg einzugestehen: Jeder Mensch macht Fehler, das gehört zum Leben dazu. Solange wir Fehler leugnen, können wir sie nicht korrigieren oder daraus lernen,“ sagt Diplom-Psychologe Nils Rüsenberg.


Lassen Sie negative Gefühle zu

Ist etwas so richtig schief gelaufen, kommen oft  Scham, Ärger, Enttäuschung oder Frust auf. Das ist ganz normal, so Rüsenberg: „Negative Gefühle entstehen, wenn es eine Kluft gibt zwischen dem, was wir uns wünschen und dem, was wir haben. Und das ist auch gut so: Gefühle können uns mitteilen, dass etwas bedeutsam für uns ist – und eben nicht egal.“ Wird etwas von angenehmen Emotionen begleitet,  möchte man es wieder erleben. Sind negative Emotionen die Folge, natürlich nicht. Die Konsequenz: Wir setzen uns mit dem Fehler auseinander, und versuchen, unser Verhalten zu ändern – man hat aus dem Fehler gelernt.

Schätzen Sie Konsequenzen realistisch ein

Sie haben einen wichtigen Termin verschwitzt? Ein großes Projekt in den Sand gesetzt? Alles nicht schön. Und es ist legitim, enttäuscht, traurig und frustriert zu sein. Manchmal hilft jedoch auch ein Perspektivwechsel: „Fragen Sie sich: Was ist das Schlimmste, das aus diesem Fehler entstehen kann? Und wie realistisch ist es, dass dieses Schlimmste passiert? Was wird diese Sache wahrscheinlich für Sie in zehn Jahren bedeuten? Und was könnte vielleicht daraus Gutes entstehen? Das kann helfen, einen realistischen Blick auf die Situation zu bekommen“, so Rüsenberg. Manche Fehler sehen mit etwas Abstand gleich etwas weniger schlimm aus.

Knüpfen Sie Ihren Selbstwert nicht nur an Leistung

Problematisch wird es laut Rüsenberg, wenn der Selbstwert ausschließlich von beruflichem Erfolg abhängt, und überhöhte Maßstäbe an die eigene Leistung angelegt werden: „Hat man allzu perfektionistische Ansprüche an sich, wird es zunehmend schwieriger, diesen gerecht zu werden. Irgendwann steht dann nicht mehr das gute Gefühl nach einer erbrachen Leistung im Vordergrund – es geht immer mehr darum, potenziellen Misserfolg zu vermeiden. Besonders wenn der Selbstwert ausschließlich vom Erfolg im Job abhängt, steht schnell das ganze Selbstbild auf dem Prüfstand.“


Gerade bei sehr leistungsorientierten Menschen kann es deshalb sinnvoll sein, die eigenen Standards kritisch zu hinterfragen und anzupassen – unter Berücksichtigung der eigenen Stärken und Schwächen. Und seinen Selbstwert auf verschiedenen Säulen aufzubauen: „Der Beruf ist wichtig, aber Beziehungen, Hobbys, Interessen, Fähigkeiten, Gesundheit und Werte sind es auch“, fasst Rüsenberg zusammen.


Schauen Sie nach vorn

Nach einer Zeit des Trauerns oder der Wut macht es Sinn, sich bewusst auf die Zukunft zu konzentrieren. Manchmal steht man sich dabei selbst im Weg, sagt Rüsenberg: „ Anstatt den Blick nach vorne zu richten, verliert man sich im „hätte-wäre-wenn“, macht sich Vorwürfe oder geht neuen Herausforderungen lieber aus dem Weg.“ Auch wenn dies sehr menschlich ist, langfristig schadet man sich hiermit selbst: Es geht einem eher schlechter als besser, und seinen Zielen kommt man so auch nicht näher. Rüsenberg rät daher, sich aktiv auf das zu besinnen, was nun wichtig und beeinflussbar ist: Welche Lehren ziehe ich aus dem Fehler, was möchte ich beim nächsten Mal anders machen? Welche Möglichkeiten habe ich jetzt? Welche neuen Ziele möchte ich mir setzen? „Dadurch wird der Fehler natürlich nicht ungeschehen gemacht. Aber irgendwann muss man damit abschließen und sich auf das konzentrieren, was einem für die Zukunft sinnvoll erscheint“, sagt der Psychologe.


Suchen Sie sich Hilfe

Die gute Nachricht ist: Menschen überstehen Krisen oft besser als erwartet. Nach einer Niederlage werden persönliche Ressourcen aktiviert, und nach einer Weile pendelt sich das Glücksniveau in der Regel wieder auf dem Ausgangslevel ein. Nils Rüsenberg nennt das „psychisches Immunsystem.“ Wenn die negative Gedankenspirale jedoch kein Ende nimmt und Schuldgefühle, Ängste oder Mutlosigkeit nicht nachlassen, kann professionelle Hilfe sinnvoll sein. „Ein Verhaltenstherapeut kann zum Beispiel dabei unterstützen, hinderliche Gedanken zu erkennen, hilfreiche Gedanken zu entwickeln und einen besseren Umgang mit unangenehmen Gefühlen zu fördern –  und so Fehlern mit der Zeit nicht mehr so große Macht zu geben.“


Nils Rüsenberg, 35, ist Diplom-Psychologe und approbierter psychologischer Psychotherapeut in einer Privatpraxis in Bonn. Zu seinen Behandlungsschwerpunkten gehören unter anderem die allgemeine Problem- und Lebensberatung, Krisenberatung, Coaching, Stress, Burnout, Depressionen und Angst-Phobien.

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