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REWE gibt langfristige Beschäftigungssicherung für Mitarbeiter
ArticleId: 1159magazineIn Teilzeit Führungskraft sein? Für viele immer noch ein Widerspruch. one zeigt an drei Beispielen, wie es gelingen kann: Anna Genser ist Temma-Bezirksmanagerin in Teilzeit, Nicole Gassmann leitet mit 28 Wochenstunden einen REWE-Markt und REWE-Kaufmann Frank Scharschuh bringt als Führungskraft Handel und die Ansprüche von 32 Mitarbeitern unter einen Hut.https://one.rewe-group.com/fileadmin/_processed_/a/5/csm_TT10_arbeit-und-leben_05_mgt_standard_1a8572dfe4.jpgFührung in Teilzeit – geht das überhaupt?Drei Kollegen antworten
REWE-Kaufmann Frank Scharschuh (M.) geht auf die Bedürfnisse seiner Mitarbeiter ein
Drei Kollegen berichten
Führung in Teilzeit – geht das überhaupt?
von Achim Bachhausen und Bettina Rees
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In Teilzeit arbeiten und trotzdem Führungskraft sein? Für viele ist das immer noch ein Widerspruch. one zeigt an drei Beispielen, wie der Spagat gelingen kann: Anna Genser erzählt, wie sie in Teilzeit die Aufgabe als Temma-Bezirksmanagerin angeht – mit einem Team, das hinter ihr steht. Auch REWE-Marktleiterin Nicole Gassmann schafft es, mit 28 Wochenstunden ihren Markt zu leiten. Ihr Erfolgsgeheimnis: Mitarbeitern mehr Verantwortung zu übertragen. Und REWE-Kaufmann Frank Scharschuh zeigt, wie man als Führungskraft die Bedürfnisse von 32 Mitarbeitern und die Ansprüche im Einzelhandel unter einen Hut bekommen kann. Im one_Interview erläutert Andreas Gutt, REWE HR-Bereichsleiter, wie eine Führungskultur aussieht, die sich am Mitarbeiter orientiert.

REWE-Kaufmann Frank Sparschuh
„Ich gucke, dass alle glücklich sind“
REWE-Kaufmann Frank Scharschuh (r.) bei der der Personaleinsatzplanung.

Als einer der ersten REWE-Kaufleute in der Region Ost ließ Frank Scharschuh aus Radebeul bei Dresden sich im Jahr 2010 im Rahmen des audit berufundfamilie zertifizieren. In einem Supermarkt, den von 6 bis 22 Uhr vor allem Teilzeitbeschäftigte am Laufen halten, steht und fällt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit der Arbeitsorganisation. Ganz konkret: mit dem Schichtplan, der die Bedürfnisse seiner 32 Mitarbeiter und die Ansprüche in der Dienstleistungsbranche Einzelhandel gleichermaßen berücksichtigt. Wie das geht, erzählte Frank Scharschuh in one:

„Die Personaleinsatzplanung ist für mich Chefsache. Meine gesamte langjährige Erfahrung steckt in jedem der spätestens 14 Tage im Voraus erstellten Schichtpläne. Vor allem berücksichtige ich die jeweilige Situation meiner Mitarbeiter: Wer ist auf einem Seminar, wer hat Schlüsseldienst... Ich beachte aber beim Erstellen des Plans nicht nur Urlaubsanträge oder den Wetterbericht, sondern auch die Arbeitszeiten der Ehepartner oder Lebensgefährten meiner Mitarbeiter.

„Ich brauche zufriedene Mitarbeiter“
Mein Stellvertreter zum Beispiel hat eine Patchworkfamilie mit zwei Schul- und zwei Kita-Kindern. Seine Frau arbeitet bei Kaufland. Ihren Schichtplan und die Arbeitszeiten meines Mitarbeiters stimme ich aufeinander ab, sodass immer einer für die Kinder da sein kann. Sie geben sich zwar oft die Klinke in die Hand, aber so ist das Leben.

Der Mann einer Mitarbeiterin ist die Woche über auf Montage. Sie muss die Kinder wegbringen und abholen, kann also weder ganz früh noch ganz spät. Dafür hat sie angeboten, sonnabends zu arbeiten. Und so klappt es dann auch im Team. Ich brauche zufriedene Mitarbeiter, die glücklich sind.

So ein Plan ist natürlich immer ein Kompromiss, aber es klappt, wenn die ganze Truppe mitzieht. Mit den meisten meiner Mitarbeiter kann man reden, wenn Not am Mann ist.“


Steckbrief: Frank Scharschuh (60 Jahre)
seit knapp 18 Jahren selbständiger REWE-Kaufmann,
1 Markt in Radebeul (Region Ost)
32 Mitarbeiter, 17 Frauen und 15 Männer
4 Vollzeit-/28 Teilzeitkräfte (davon 11 GfB)


Anna Genser, Bezirksmanagerin bei Temma / Foto: Achim Bachhausen
Anna Genser, Temma-Bezirksmanagerin in Teilzeit
"Ich habe viel Glück gehabt"

Nach der Geburt von Luise im März 2014 nahm Anna Genser eine zehnmonatige Elternzeit. Um mehr Zeit für ihre Tochter zu haben, wollte die Formatkoordinatorin bei Temma mit der Rückkehr in den Job ihre Wochenarbeitszeit auf 28 Stunden verkürzen. An diesem Wunsch hielt Anna Genser auch fest, als sie von ihrer Chefin das Angebot bekam, in den Außendienst zu wechseln, obwohl die Bezirksmanager-Stelle bei Temma eigentlich ein Vollzeit-Job ist. Nach gut anderthalb Jahren zieht die Führungskraft eine Zwischenbilanz.

„Ich war immer überzeugt davon, dass Bezirksmanager ein super Teilzeitjob sein kann, auch wenn die Arbeit in Vollzeit leichter zu schaffen ist. Mir kam zugute, dass ich vor zehn Jahren schon einmal als Bezirksmanagerin bei REWE gearbeitet habe und deshalb wusste, worauf es in dem Job ankommt. Als Teilzeit-Beschäftigte musste ich lernen, dass man auch einmal etwas, das nicht so wichtig und dringend ist, liegen lassen muss. Wesentlich ist die Unterstützung der Kollegen.
Ich bin mir bewusst, dass ich auch Glück gehabt habe, denn die Rahmenbedingungen sind für mich optimal. Meine Arbeitszeit kann ich flexibel ein- und auf sechs Wochentage aufteilen. Darüber hinaus kann ich auch von zu Hause arbeiten. Auch mit der Kinderbetreuung haben wir Glück gehabt. Wir haben einen Platz in der REWE-Kita bekommen.

Starke Bindung ans Unternehmen
Unsere Tochter ist dort gut und verlässlich versorgt. Da auch mein Mann bei REWE arbeitet, haben wir ähnliche, relativ kurze Wege. Und wenn alle Stricke reißen, können wir uns auf das supernette REWE-Eltern-Netzwerk verlassen. So etwas bindet sehr ans Unternehmen und verschafft REWE als Arbeitgeber auch extern einen exzellenten Ruf.

Mein Rat für Kolleginnen und Kollegen? Man muss abschalten und priorisieren können, das heißt, man muss lernen, das Wichtige vom weniger Wichtigen zu trennen. Wesentlich sind Engagement und Organisationstalent, wenn es darum geht, neue Lösungen zu finden. Und – ganz wichtig: Dein Team muss hinter Dir stehen, denn es heißt ja zu Recht ´Beruf und Familie´ und nicht umgekehrt.“

Nicole Gassmann, REWE-Marktmanagerin in Göttingen / Fotos: Achim Bachhausen
Nicole Gassmann, REWE-Marktleiterin in Teilzeit
"Du musst Vertrauen haben und
Verantwortung abgeben können"

Drei Jahre lang leitete Nicole Gassmann, 37, den REWE-Markt an der Weender Landstraße in Göttingen – sehr erfolgreich, wie der zuständige Verkaufsleiter Jens Kaluscha betont. Dann ging die Marktmanagerin für zwei Jahre in Elternzeit, um voll und ganz für Sohnemann Erik (fast vier) dasein zu können. Mit der Rückkehr reduzierte Nicole Gassmann mit der Wochenarbeitszeit auch ihren Verantwortungsbereich, arbeitete zunächst ein halbes Jahr lang als Verkäuferin. Doch es sollte nicht lange dauern, bis die junge Frau wieder in Führungsverantwortung kam – auch dank der Kollegen.

Nicole Gassmann mit Verkaufsleiter Jens Kaluscha

„Seit dem 1. August bin ich wieder Marktchefin. Ich arbeite 28 Stunden in der Woche, meistens von 8.30 bis 15.30 Uhr. Das passt perfekt mit den Betreuungszeiten in der Kita überein. Danach bin ich zwar telefonisch erreichbar. Tatsächlich passiert es fast nie, dass ich zu Hause angerufen werde. Dass es so gut funktioniert, geht aber nur, weil meine 75 Mitarbeiter voll und ganz hinter diesem Modell stehen. Sie haben mich ermutigt, es in Teilzeit zu versuchen und es regelrecht eingefordert.

„Mut gehört dazu“
Klar ist, dass jetzt alle mehr Verantwortung tragen, sogar die Azubis arbeiten innerhalb ihrer Zielvorgaben eigenverantwortlicher als zuvor. Alle halten mir den Rücken frei, das ist toll!

Man muss seine Mitarbeiter kennen und Vertrauen haben, dann funktioniert´s. Und du musst lernen, Verantwortung abzugeben. Mut gehört dazu, du musst flexibel und verlässlich sein und dich gut auskennen. Dann wächst man mit den Aufgaben. Der sanfte Start als Verkäuferin hat mir den Wiedereinstieg erleichtert. So konnte ich mich gründlich mit der neuen Technik bei MDE oder Kassensystemen vertraut machen, denn in den zwei Jahren Elternzeit hat sich viel verändert und weiterentwickelt.“

„Es hat einfach alles gepasst – der Laden, die Person und das Team“, bestätigt Verkaufsleiter Jens Kaluscha, der Nicole Gassmann bei der Realisierung der Teilzeit-Führungsposition tatkräftig unterstützt hat. „Eine Voraussetzung ist, dass der Markt eine gewisse Umsatzgröße hat und die Mannschaft mitzieht. Wir haben die Organisation dahingehend verändert, dass die beiden stellvertretenden Marktleiter und die Drittkraft stärker einbezogen werden. Das würde nicht überall so gut funktionieren.“

Interview Andreas Gutt, REWE HR-Bereichsleiter
„Wer führt, sollte bereit sein, Vertrauen in die Mitarbeiter zu setzen“
Andreas Gutt

Die SGE REWE Vollsortiment ist flächendeckend nach dem Audit berufundfamilie zertifiziert. Dafür verpflichtet sie sich, bestimmte Ziele zu umzusetzen, darunter auch eine Führungskultur, die sich am Mitarbeiter orientiert. Warum das für ein Unternehmen wie unseres so entscheidend ist? Die Antwort kennt Andreas Gutt, Leiter HR national REWE Vollsortiment. 

Herr Gutt, was bedeutet es, mitarbeiterorientiert zu führen?
Es geht darum, den persönlichen Lebensumständen der Mitarbeiter Rechnung zu tragen und zu schauen, wie die persönlichen Bedürfnisse des einzelnen aussehen. Erreichen wollen wir, dass unsere Mitarbeiter zufrieden, leistungsbereit und qualifiziert sind, ihre Aufgaben zeit- und sachgerecht zu erfüllen. Und diesen Balanceakt zwischen den Anforderungen des Unternehmens und den Bedürfnissen der Mitarbeiter vollführt niemand besser als die direkte Führungskraft.

Wie bleibt die Führungskraft ganz konkret in dieser Balance?
Aufgrund unserer Unternehmensgröße bilden wir eine Art Querschnitt durch die Gesellschaft. Das gilt auch für die Themen, die unsere Gesellschaft - und also uns - beschäftigen. Diese Themen entwickeln und verändern sich laufend. Von daher wäre ein starres Regelwerk bei REWE für die Führungskraft überhaupt nicht hilfreich. Vielmehr sollte die Führungskraft die Offenheit besitzen, zuzuhören und sich kreativ Gedanken über Lösungsmöglichkeiten zu machen. Das setzt voraus: Führungskraft und Mitarbeiter sprechen miteinander und sind grundsätzlich bereit, Möglichkeiten auszuloten und Kompromisse zu finden. Das gilt übrigens für beide Seiten.

Welche Fähigkeiten braucht eine Führungskraft, die mit ihren Mitarbeitern im Gespräch ist?
Sie führt die Gespräche auf Augenhöhe, geht mit den Mitarbeitern respektvoll und wertschätzend um. Wer führt, sollte bereit sein, Vertrauen in die Mitarbeiter zu setzen, Vertrauen in ihre Fähigkeiten und in ihre Leistungsbereitschaft. Das heißt, der Mitarbeiter braucht ein Ziel vor Augen. Die Führungskraft muss dieses Ziel klar formulieren, dann beiseite treten und nicht jeden einzelnen Schritt vorgeben. Zusammengefasst: Die Führungskraft konzentriert sich mehr auf den Aspekt Führung und reduziert die Sachthemen. 

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